Dringend gesucht: Neue Räume für die Kleiderkammer

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v.l. Ute Kahlenberg und Werner Koltes von der Kleiderkammer, Svenja Planko von der Hattinger Flüchtlingshilfe, Manfred Gosker als geschäftsführender Vorstand vom HAZ Arbeit + Zukunft sowie Steffanie Bienick von der Hattinger Flüchtlingshilfe. Foto: Pielorz
Hattingen: Alte Feuerwache |

Um die zahlreichen und kreativen Hilfsangebote der Hattinger Bürger besser zu koordinieren, wurde im März 2016 eine neue Beratungs- und Koordinationsstelle, die Hattinger Flüchtlingshilfe (Kräfte bündeln – Ehrenamt fördern), beim HAZ Arbeit + Zukunft eingerichtet. Heute haben sich die Aufgaben der Koordinierungsstelle verändert. Das liegt zum einen an den gegenwärtig sinkenden Flüchtlingszahlen, aber auch an den Veränderungen, die die Flüchtlinge selbst durchlaufen.

„Mittlerweile können sich vielen von ihnen ganz gut in der deutschen Sprache ausdrücken. Wir müssen uns nicht mehr mit ihnen in Englisch unterhalten, ganz im Gegenteil. Sie wollen und müssen in unserer Sprache besser werden. Da ist es wichtig, auf Deutsch zu kommunizieren“, erklärt Manfred Gosker, geschäftsführender Vorstand HAZ Arbeit + Zukunft. Der Aufenthalt der Flüchtlinge in Deutschland habe auch die inhaltlichen Anforderungen an die ehrenamtlichen Mitarbeiter verändert. „Für die meisten Flüchtlinge ist die Frage nach dem Bleiberecht von zentraler Bedeutung. Und natürlich die Frage, ob und wann sie die Familie holen können. Das führt dazu, dass sich ehrenamtlich arbeitende Menschen auch mit diesen Fragen auskennen müssen. Manchmal sind durch Patenschaften für Flüchtlinge auch längerfristige Beziehungen entstanden. Es geht nicht mehr um die Erstversorgung, sondern um wesentlich kompliziertere Fragen.“
Auch die Helfer haben sich verändert. Waren es zu Beginn der Flüchtlingswelle in Hattingen mehr als 200 Ehrenamtliche, die sich mit Sach(Spenden) und Zeit einbrachten, ist die Zahl heute auf etwa die Hälfte geschrumpft. Das liegt zum einen daran, dass ein Ankommen von Flüchtlingen nicht mehr das mediale und gesellschaftliche Bild bestimmt. Zum anderen schieben sich auch mehr und mehr Diskussionen über die Refinanzierung der kommunalen Flüchtlingsausgaben in den Mittelpunkt – allein schon vor der Frage der Haushaltssicherung.

Kleiderkammer muss aus der Alten Feuerwache raus


Die Veränderungen in der sogenannten „Willkommenskultur“ bekommen die Flüchtlinge selbst in der Regel nicht mit. „Sie sind immer noch sehr stark mit sich und ihren Sorgen beschäftigt“, weiß Steffanie Bienick, die sich schon lange für Flüchtlinge engagiert. Und Manfred Gosker findet: „Wir haben hier im Ruhrgebiet eine lange Tradition, Menschen unterschiedlichster Herkunft zu integrieren. Wenn wir das nicht schaffen, wer dann? Es weiß ja auch keiner, wie es weitergehen wird. Wann beispielsweise die Länder, aus denen die Menschen kommen, wieder sicher sind. Wenn das der Fall ist, werden einige von ihnen sicherlich zurückgehen wollen. Aber je länger das dauert, desto mehr werden sie hier eben heimisch werden. Das wichtigste Kriterium ist dazu der Spracherwerb. Und natürlich die Frage, ob sie hierbleiben können und was mit ihren Familien geschieht.“
Ein Beispiel für die Veränderungen in der Flüchtlingsarbeit ist die Kleiderkammer in der Alten Feuerwache. Werner Koltes erzählt: „Am Anfang haben wir einfach Menschen mit Kleidung versorgt, die nichts anderes mehr hatten als das, was sie am Körper trugen. Die Spendenbereitschaft der Hattinger Bevölkerung war riesig und wir hatten sehr viele Regale voll mit Kleidung. Dann kam die Phase, in der die Flüchtlinge nicht mehr viel benötigt haben. Sie hatten einiges bekommen, neue Flüchtlinge kamen nicht mehr in gleichem Maße nach. Da haben wir die Kleiderkammer geöffnet für alle Menschen, die nicht viel Geld für Kleidung ausgeben können und alles Mögliche für kleines Geld verkauft. Trotzdem sind die Regale in der Alten Feuerwache noch immer sehr voll. Wir haben ja auch mittlerweile einen Spendenstopp. Jetzt kommt hinzu, dass die Alte Feuerwache verkauft werden soll. Die Stadt hat uns mitgeteilt, dass wir bis zum 31. Januar 2018 ausziehen müssen und nun suchen wir dringend neue Räume. Die Stadt hat nämlich auch gesagt, dass sie die Kleiderkammer gerne weiter betreiben möchte.“
Doch neue Räume sind nicht so einfach zu finden: Mindestens 300 Quadratmeter müssen es schon sein, Sanitär-, Umkleide- und Wartebereich sind ebenfalls nötig. Beleuchtung, Wasser, Heizung – das alles sollte vorhanden sein. Auch Anschlussmöglichkeiten für Spüle und Kühlschrank wären nötig. Eine zumindest halbwegs zentrale Lage müssen die neuen Räume ebenfalls vorweisen.
„Wenn wir keine neuen Räume bekommen, müssen wir zum 31. Januar 2018 die Kleiderkammer schließen“, sagt Werner Koltes – und hofft auf Ideen und Hilfe der Hattinger.
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