Rund ums Wasser: Hattingen historisch

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Ruhrverlegung wegen der Erweiterung der Henrichshütte 1959
 
Hattingen um 1660
Hattingen: Stadtarchiv Hattingen |

Was gibt es im Sommer Besseres als Wasser? "Rund ums Wasser" gibt es ziemlich viele Themen, Vereine und Sportarten. Einige Beispiele folgen.

Wasser ist ein unverzichtbares Lebens-Mittel. „Niemand hätte sich in Hattingen angesiedelt, weil es die Elfringhauser Schweiz gibt. Die Ruhr war das entscheidende Kriterium“, sagt Stadtarchivar Thomas Weiß. Eine Besiedlung stand immer in Abhängigkeit zum Wasser. Waren Orte weiter weg, so entstanden Brunnen. „In der Elfringhauser Schweiz haben wir das übrigens bis heute, weil die Kanalisation hier nicht überall greift“, so Weiß. Er zeigt einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1963 mit der Überschrift „Mit der Wünschelrute auf Wassersuche.“ Da geht es um die Elfringhauser Schweiz, wo selbst der Amtsleiter unterwegs war, um Wasser zu finden.
Ein Blick in die Geschichte Hattingens zeigt, wie komplex das Thema ist. „1875 wurde ein Wasserwerk gegründet. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hattingen etwa 6000 Bürger und die Aufbereitung von sauberem Wasser wurde immer wichtiger. Mit der wachsenden Einwohnerzahl stellte sich die Frage nach Speichermöglichkeiten von Wasser. Der erste Wasserturm entstand in der Nähe des Friedhofs und des heutigen Gymnasiums Waldstraße am Hörstchen. Doch damit das Wasser aus dem Wasserhahn kommen kann, musste eine Kanalisierung stattfinden. Wasser wurde zunehmend von der privaten Vorsorge zur Gemeinschaftsaufgabe. Dafür war eine Infrastruktur notwendig. Man musste sicherstellen, dass Wasser zur Verfügung stand, schließlich ließ man sich diese Leistung ja bezahlen. Und das Wasser musste sauber sein, damit keine Krankheiten ausbrachen.“
Doch der freie Verfügbarkeit von Wasser als Segen standen auch Probleme gegenüber. Wasser konnte en Hindernis sein. Unterhalb der Isenburg gab es die Ruhrfuhrten. Später wurden Brücken gebaut, aber Feinde konnten diese zerstören. Um über das Wasser zu kommen, zahlten die Bürger Brückengeld. Wenn die Brücke zerstört war, war dies ein großer Eingriff in die damalige Infrastruktur. Für Hattingen war das im Mittelalter ein Problem.“

Problem Überflutung

Und noch ein Problem gibt es mit Wasser bis heute: Kommt zu viel davon, drohen schwere Überflutungen. „Zu Zeiten, als die Straßen noch nicht asphaltiert waren, verwandelten sich die Wege schnell in matschige und nicht-passierbare Pfade. Wie wollte man da noch Kohle transportieren? Das ging nur per Schiff und da haben wir also Wasser als Transportmittel. 1780 wurde die Ruhr schiffbar gemacht.
Zu viel Wasser führte beispielsweise auch zu Überschwemmungen auf dem Kirchplatz. Da gab es einen Friedhof und es gibt Berichte darüber, dass die Knochen der Toten an die Oberfläche gespült wurden. Das erste markante Hochwasser wird 1486 verzeichnet. Die Kemnader Bewohner wachten morgens plötzlich auf der anderen Seite der Ruhr auf, weil der Fluß sein Flußbett gewechselt hatte. 1958 wurde ein solcher Wechsel aufgrund der Erweiterung der Henrichshütte übrigens künstlich herbeigeführt. Heute liegt im früheren Flußlauf der Ruhr der Teich mit den Schwänen im Gewerbe- und Landschaftspark.“
Markante Daten für Hochwasser waren die Jahre 1890, 1926 und 1943. So gibt es einen Bericht vom 8. April 1808 unter dem Titel „Hoch klingt das Lied vom braven Mann“, in dem eine waghalsige Rettungsaktion beschrieben wird, um den Schleusenwärter mit seiner Familie vom Dach des überfluteten Hauses an der Blankensteiner Schleuse zu retten. Dabei ging es dem retter nicht um Geld, sondern um das Retten der unglückseligen Leben, die alles Hab und Gut verloren hatten und nur das nackte Leben selbst retten konnten. Sie wurden dann zunächst in Stiepel aufgenommen und die Rettungsaktion fand ihren Weg in die Dokumente der Geschichte.
„Im Jahr 1943 sprengten die Alliierten die Möhnetalsperre und die Flutwelle war gewaltig. Hattingen war extrem stark davon betroffen. Wir haben davon eindrucksvolle Aufnahmen. Heute wird Wasser oft in Verbindung mit Freizeit und Sport gesehen. Aber das ist aus historischer Sicht nur ein kleiner Teil des Themas.“
Alle Fotos wurden vom Stadtarchiv Hattingen zur Verfügung gestellt.
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