Besinnliches von Anna Anpalagan: „Ich bin dann mal weg!“

Anna Anpalagan, Pfarrerin in der Ev. Kirchengemeinde Welper-Blankenstein
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  • hochgeladen von Roland Römer

Seit Hape Kerkeling in seinem Buch von seinen Erlebnissen beim Pilgern erzählt hat, gibt es einen richtigen Pilger-Boom.

Doch auch ohne sich auf Schusters Rappen oder mit dem Fahrrad auf den Weg zu machen, kann ich auf Reisen die Erfahrung machen, dass ich mir selber – und auch Gott – ein Stückchen näher komme.
„Kein Urlaub ohne Kirchenbesuch!“ Nach diesem Motto haben wir früher als Familie den Fuß in jede geöffnete Kirche gesetzt, die uns unterwegs begegnete.
Da wir oft im Süden, in Frankreich oder in Spanien, waren, wo die Mehrheit der Menschen katholisch ist, fanden wir die Kirchentür auch tatsächlich meist offen.
Wir Kinder haben dann eine Kerze „für den Opa“ angezündet, der schon gestorben war, und während wir dem Aufflammen des Lichtes zusahen, stand die Zeit in der Ruhe der Kirche einen Moment still.
Ich habe diese Angewohn­heit bis heute beibe­hal­­ten. Wenn wir verreisen, auch innerhalb von Deutschland, gehe ich gerne in fremde Kirchen. Ich finde es spannend zu sehen, wie die Leute an anderen Orten ihren Glauben ausdrücken, und natürlich gibt es oft schöne Kirchenfenster oder andere Schmuckstücke zu bewundern.
Aber das Beste ist die Stimmung – schon wenn ich eintrete, die schweren Türen hinter mir zufallen und Hitze, Staub und Lärm aussperren, dann fühle ich, ich betrete eine andere Welt. Kühl und still ist es, ein Hauch von Weihrauch hängt in der Luft.
Wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen und den Raum erfassen, suche ich mir einen guten Platz und nehme mir einfach Zeit. In der Stille kommen mir Gedanken, über mich, über Gott, über mein Leben. Fern vom Alltag sehe ich manches klarer, finde Grund zu danken und merke, was mir wirklich auf der Seele brennt.
Zum Abschied gehe ich wieder zu den Kerzen, aber ich zünde jetzt immer zwei an: eine für die Toten und eine für uns, die wir leben.
Ihre
Anna Anpalagan,
Pfarrerin in der Ev.
Kirchengemeinde
Welper-Blankenstein

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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