Mauern für mehr Ruhe? - Erste Ergebnisse des Lärmaktionsplans mit Beteiligung der Kamener Bürger

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Neue und leisere Züge sowie Lärmschutzwände sollen in Kamen eventuell für mehr Ruhe sorgen. (Foto: Eisenbahn Bundesamt)
 
Mit neuen und klassischen Schutzmaßnahmen, wie im Schaubild, soll der Lärm reduziert werden. (Foto: Eisenbahn Bundesamt)
Kamen: Kamen |

Bis zum Sommer dieses Jahres hatten Kamener Bürger die Gelegenheit, ihr Lärmempfinden entlang der hiesigen Eisenbahnstrecken beim Bund in einer Umfrage zu schildern. Erste Ergebnisse liegen nun vor.

Landesweit haben über 17.000 Bürger in Einsendungen ihre Sicht auf den Lärm durch Zugverkehr geäußert. Nach einer erneuten, zweiten Phase der Öffentlichkeitsbefragung sollen Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet werden. Mitmachen können alle Bürger auf der Beteiligungsplattform im Internet unter www.laermaktionsplanung-schiene.de.
Die Idee des Landes hinter dem Großprojekt: Auf der Grundlage einer Lärmkartierung und unter Beteiligung der Öffentlichkeit sollen hohe Lärmbelastungen identifiziert und vermindert werden können. Seit dem 1. Januar 2015 ist dafür das Eisenbahn-Bundesamt zuständig. Dabei werden aus finanziellen Gründen zunächst „nur“ Orte und Hauptbahnstrecken außerhalb von Ballungszentren behandelt. Dazu gehört auch Kamen mit seiner ICE- und RE-Strecke und als Zughauptverkehrsader in Richtung Nord-Osten.

Wir werten für Sie die 250-seitigen Umfrageergebnisse aus

Laut Umfrage fühlen sich über 40 Prozent der Bürger „stark“ und knapp 39 Prozent der Erhebung „äußerst“ durch Lärm gestört und belästigt. Speziell nach Eisenbahnlärm befragt, fühlen sich über 90 Prozent der Bürger belästigt! Dabei nehmen die Leidtragenden den quälenden Lärm differenziert wahr: Mit 97 Prozent ist der fieseste Eisenbahnlärm überhaupt das Fahr- und das Bremsgeräusch. Auch nicht wesentlich beliebter bei der Bevölkerung sind quietschende Kurven, Brückendröhnen und Stöße an Schienen und Weichen.
Laut unserer Auswertung der Statistik stört die Bevölkerung der Lärm tagsüber zwischen 6 und 18 Uhr eher wenig. Erst in den klassischen Feierabendstunden und nachts wird die subjektiv empfundene Lärmbelastung größer - dies besonders beim Einschlafen, beim Versuch sich zu Entspannen sowie beim Aufenthalt und Erholung im Freien.

Das könnte nach Abschluss der zweiten Umfrage passieren

Gepaart mit Schallschutzrichtlinien, Streckennutzung und akustischen Messungen werden die Umfrageergebnisse genutzt, um Lärmschutzmaßnahmen einzuleiten. Dort, wo es am störensten empfunden wird und am lautesten ist, werden die Baumaßnahmen als Erstes gestartet. Kamen ist recht weit oben in der Prioritätenliste, was auch an der intensiven Nutzung der Strecke liegt. Die Umbauarbeiten am Kamener Bahnhof sollen auch der Lärmreduzierung dienen und haben bereits begonnen.
Neue Züge sollen auf der Strecke fahren, die den Lärm an der Quelle, also am Fahrzeug, vermindern sollen. Es sollen leisere Maschinen, Lüfter, Motoren und Pumpen zum Einsatz kommen und neue Systeme eingebaut werden, die das Rollgeräusch auf der Schiene reduzieren. Außerdem soll eine optimalere Aerodynamik der Züge beim Fahren weniger Schall erzeugen.
Einige kilometerlange Mauern entlang der Trasse am sogenannten „Kamen-/Holzwickede-Knoten“ bremsen bereits die Lärmübertragung. Weitere Lärmschutzmaßnahmen könnten folgen, wenn die zweite Phase der Bürgerbefragung beendet worden ist.

Wer ist betroffen?

Mit den Maßnahmen wird in Kamen vor allem den älteren Anwohnern geholfen. Circa die Hälfte der Bewohner an der Strecke sind zwischen 55 und 75 Jahre alt.
Auch wenn der Schienenverkehr eine große Belastung für viele Menschen darstellt, so sollen nicht zwangsläufig weniger Züge fahren, denn die Beförderung von Personen und Gütern per Bahn wird als eine ökologische Alternative zum Straßen- oder Luftweg gesehen.
Übrigens: Je mehr Bürger pro Kommune bei der Umfrage mitmachen, als um so dringlicher werden Maßnahmen vom Bund eingestuft und umgesetzt.
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