Abschlepper - ein Job auf dem gelben Wagen

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Einsatz auf der Autobahn: Der Volvo von Arnold Gladisch hat eine Panne und steht auf dem Standstreifen. (Foto: Magalski)
 
Patrick Haarbrandt ist mit dem Abschlepper auf den Straßen unterwegs. (Foto: Magalski)
Pannen und Unfälle sind sein Ding, wenn Patrick Haarbrandt zum Einsatz kommt, dann hat die Sache für seine Kunden meistens einen Haken. Einen Abschlepphaken! Der Lüner ist für die Firma Widlizcek unterwegs, ein Job hoch auf dem gelben Wagen.

Die Straßen rund um Dortmund sind sein Revier - und das seiner Kollegen bei Widliczek. Vom platten Reifen bis zur Lastwagen-Bergung ist man hier auf alle Fälle vorbereitet. Ob am Tag oder in der Nacht, wenn die Telefonzentrale am Handy ist, geht es los. Die Einsätze werden ganz modern direkt vom Computer auf das Navigationsgerät geschickt. Es ist Wochenende, ein ziemlich heißes noch dazu, und Patrick Haarbrandt hat Bereitschaftsdienst auf dem Abschleppwagen. Morgens hat er schon ein Auto in Nordkirchen aus dem Graben gezogen, der auf dem Dach gelandet war, als die Fahrerin wohl einem Tier ausweichen wollte. Danach muss im Dortmunder Süden Mike mit seiner Kawasaki Ninja eingesammelt. Vermutlich ist dem Biker der Gaszug gerissen. Während seine Kumpels eine schöne Motorradtour durch das Sauerland machen, muss Mike zur Werkstatt. Kein Einzelschicksal an diesem Tag, wie die nächsten Stunden zeigen. Rollt der Reiseverkehr über den heißen Asphalt, dann gibt es auch immer wieder Stillstand. Das ist das Gesetz der Serie.

Gerdke wird kein Schützenkönig

Die Luft ist raus bei Gerdke aus den Niederlanden. Ein Motorrad aus den berühmten Bayrischen Motorenwerken hin oder her, der Schraube auf der Autobahn 45 hielt der Reifen nichts stand. Der Urlaub fängt gut an. Statt zum nach Willingen geht die Reise nun auf dem Abschlepper Richtung Widlizcek-Betriebsgelände. Patrick Haarbrand bekommt den Auftrag. Dabei wollte Gerdke mit seiner Maschine doch rechtzeitig zum Gästeschützenfest im Sauerland sein. "Vor zwei Jahren bin ich Schützenkönig geworden", erzählt er nicht ohne Stolz. Zwei Stunden später ist klar: Gerdke wird in diesem Jahr garantiert kein Schützenkönig in Willingen. Ein Taxi bringt ihn in eine Hotel. Erst nach dem Wochenende kann seine Maschine repariert werden.

Katzenhaare gegen Marder

Manche Aufträge gehen schnell, wie bei Denise in Kamen, deren Auto Patrick schnell wieder flott macht. Andere, wie das Auto auf dem umgekippten Ampelmast, brauchen mehr Zeit. Ein Kran muss ran. Es dauert nicht lange, da klingelt wieder das Telefon im Büro am Betriebsgelände in Dortmund-Schüren. Was die Abschlepp-Fahrer von der Straße holen, wird hier abgeladen. Oder eben an der nächsten Werkstatt. Die Fahrt geht nach Mengede. Renate Silva steht an einer Tankstelle und wartet auf Rettung. Ihr Punto hatte Besuch im Motorraum. Ein Marder mit Appetit auf Schläuche. Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen, was die Lünerin ärgert. Nun bringt Patrick das Auto Huckepack zurück nach Lünen. Katzenhaare will Renate Silva bald in den Motorraum legen, das soll den lästigen Besucher abschrecken.

Schwere Unfälle - die Schattenseite des Berufs

Von der Steinstraße soll es direkt weitergehen zum Schleppen in Hamm, doch ein Kollege hat die kürzere Anfahrt. Lange dauert es aber nicht bis zum nächsten Einsatz. Verkehrsunfall auf der Dortmunder Straße in Lünen. Ein Roller ist auf ein Auto geprallt. Es sind keine schönen Bilder, aber das gehört ebenso zum Alltag im Abschleppdienst. Kaputtes Blech und Blut. Von den Schicksalen dahinter bekommen die Abschlepp-Profis nur selten etwas mit. Wenig später meldet sich die Leitstelle der Polizei im Widliczek-Büro. Der kaputte Roller soll sichergestellt werden, so nennen die Profis die Unterbringung in einer Halle zur späteren Spurennahme. Ärzte kämpfen im Krankenhaus um das Leben des Fahrers.

Abschlepper rettet die Theater-Aufführung

Arnold Gladisch vom Verein Wellenbrecher schwitzt. Das liegt nicht zuletzt an den heißen Temperaturen auf dem Standstreifen, sondern auch an seinem Problem. Das Problem heißt Volvo und springt nicht mehr an. Mitten auf der Autobahn 2 bei Lünen schaltete der Motor ab. Nun steht der Wagen neben der Leitplanke und wartet wie sein Besitzer auf den Schlepper. Schnell sollte es gehen, denn Arnold Gladisch hat an diesem Tag noch viel vor. Als Projektleiter hat er ein Zirkusstück mit polnischen und deutschen Jugendlichen eingeübt, das schon in drei Stunden Premiere am Fredenbaumpark feiern soll. Den Bus mit den jungen Artisten und die Zeit im Nacken, wird der Volvo auf dem Abschlepper verladen und ab geht's Richtung Auftritt. Warum der Wagen nicht mehr weiter wollte, darum wird Arnold Gladisch sich später kümmern. Show must go on! Das gilt für das Theater, wie für's Abschleppen.

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