Neues im alten Ackerbürger

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Eine bekannte Adresse mit einer bekannten Fachwerkoptik. „Der Ackerbürger“ an der Silberstraße wird derzeit zu Wohnungen umgebaut. (Foto: Schmälzger)
Es ist, wie schon im Jahre 1983, eine echte Herausforderung. Friedhelm und Gabriele Grundmann lassen ihren denkmalgeschützten „Ackerbürger“ erneut umbauen. Schon vor 30 Jahren runderneuerten sie das Gebäude von 1664 komplett. Es entstand ein Gastronomiebetrieb. Diesmal ist es umgekehrt. In dem Gebäude entstehen nun vier Wohnungen.


Da man in den letzten drei Jahren keinen seriösen Interessenten zur Gastronomie hatte und die große Zeit der Kneipenkultur vorbei ist, entschlossen sich die Grundmanns das Gebäude, das seit jeher in Familienbesitz ist, wieder zu renovieren und umzubauen. „100 Tonnen wurden aus dem Gebäude herausgeholt“, berichtet Eigentümer Friedhelm Grundmann, der den Umbau mit Architekt Marian Fuhrmann und Johannes Kleffken (Stadt Lünen/Denkmalbehörde) der Öffentlichkeit vorstellte.

Seit Januar 2012 sind Architekt, Denkmalbehörde und Besitzer im regen Austausch. Umbau unter Denkmalschutz ist eine echte Herausforderung. „Es war genau so wie 1983, als wir den großen Umbau hatten“, sagt Gabriele Grundmann. Auch der Architekt bestätigt: „Es ist wie eine Wundertüte, täglich gibt es etwas Neues“. Wichtig sind kleine Kompromisse. „Man soll ja kein Museum daraus machen. Sondern hier sollen Menschen wohnen“, so Friedhelm Grundmann.

Besonderheiten gibt es einige im Gebäude. In der alten Küche findet man noch das alte Brunnenloch, rund sechs Meter tief. „Es ist geschichtlich und bauhistorisch wichtig, dass der Brunnen erhalten bleibt“, erläutert Kleffken von der Stadt Lünen. Das gilt auch für die alten Eichenbalken, die weiterhin sichtbar sind.

Das Gebäude „Ackerbürger“, das sowohl an der Silber- als auch an der Mauerstraße liegt, schlägt nun ein neues Kapitel auf, ein Stück Lüner Kneipen-Geschichte wird beendet. Trotzdem denken die Grundmanns gerne an die Zeit zurück, als das erste Pächterpaar Günther und Gerta Berger die Gäste versorgte. Und zwar am „längsten Tresen“ in Lünen, das rustikale Stück fiel beim Betreten des Gebäudes sofort ins Auge. „Damals standen die Menschen in Dreierreihen hier, um gut gezapftes Pils zu trinken“, erinnert sich Gabriele Grundmann.

Warum man erneut so viel Geld (Grundmann: „Im Wert eines Neubaus“) investiert? „Es ist Herzblut. Das Gebäude ist das Ziehkind meines Mannes. Er ist hier jeden Tag auf der Baustelle“, so Ehefrau Gabriele. Der Name „Ackerbürger“ hat geschichtlichen Hintergrund. „Einer der ersten Bewohner war ein Bauer, der aber innerhalb der Stadtmauern lebte und somit Stadtrechte hatte. Also ein Ackerbürger, denn Lünen war damals Ackerbürgerstadt“, so Namensgeber Friedhelm Grundmann.

Mitte Mai sollen die Umbauarbeiten fertiggestellt sein. Dämmung und Heizung (Fernwärme) werden auf dem neuesten Stand sein. Dann heißt es „Wohnen im alten Quartier in einem Gebäude mit bewegter Geschichte“. Die Grundmanns suchen noch Mieter für die vier Wohnungen.
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