Udo Leschke ist Geschichte auf der Spur

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Hündin Paula ist mit von der Partie, meistens hat Herrchen dank technischer Unterstützung aber den besseren Riecher. (Foto: Magalski)
 
Udo Leschke zeigt einige Fundstücke, darunter ein Hahn aus Blei, eine Taschenheilige und eine Spinnwirtel. (Foto: Magalski)
Mauer-Reste im Wald sind für die meisten Menschen einfach alte Steine, für Udo Leschke unter Umständen der Beginn einer spannenden Geschichte. Der Lüner geht gerne auf Zeitreise - und auf die Suche nach Relikten aus der Vergangenheit.

Indiana Jones findet in seinen Film-Abenteuern Schätze in fernen Ländern, für Udo Leschke aus Lünen beginnt die Suche vor der Haustür. Leschke nennt seit fast zwei Jahren eine Metall-Sonde sein Eigen und brachte mit ihrer Hilfe schon manches Fundstück zurück ans Tageslicht. Eine Taschenheilige, eine kleine Madonnen-Figur aus der Nähe von Cappenberg ist darunter, eine Art Pfeilspitze, eine Blei-Plombe oder ein Hahn aus Blei auf einem Acker bei Werne. Den Hahn, das ergaben die Recherchen des Lüners, hatten wohl französische Soldaten im Gepäck. Der Hahn ist auch heute noch das Symbol der französischen Fußball-Nationalmannschaft. Udo Leschkes wohl ältester Fund war - ganz ohne Sonde - eine sogenannte Spinnwirtel. Ein Teil eines Werkzeugs zum Spinnen von Fasern, vermutlich aus dem Mittelalter und gemacht aus Ton. Sonde kaufen und los geht die Suche nach alten Schätzen - so einfach ist die Sache aber nicht, denn zuerst war eine Unterweisung bei einem Professor des Landesverbandes Westfalen-Lippe Pflicht für Udo Leschke. Uniform-Teile aus Metall, etwa von Hitlers Schutzstaffel, finden sich auch immer wieder, doch Dinge aus dem Zweiten Weltkrieg sind für Udo Leschke gar nicht von so großem Interesse. "Das Alter macht einen Fund für mich erst richtig interessant und seine Geschichte. Der Gedanke, welcher Mensch dieses Stück wohl zuletzt in der Hand hatte", erzählt der Lüner und findet Spannendes manchmal auch ganz ohne Sonde.

Reste von Gebäuden mitten im Wald

Im Internet entdeckte Udo Leschke auf Spezialkarten seltsame Erhebungen im Wald am Vogelsberg in Lünen. Linien und rechte Winkel. Keine Laune der Natur, sondern hier stand ein Bauwerk aus Menschenhand, das beweist der Besuch vor Ort. Vom Vogelsberg geht es ein paar Meter in den Wald, dann über einen kleinen Weg zu einem Areal mit Senken und Erhebungen. Kinder haben die Stelle als Abenteuerspielplatz entdeckt - in einem Baum hängt ein Kletterseil - aber was war hier vor vielen Jahren? Ein Gebäude ist auf keiner Karte verzeichnet, ging es also um militärische Nutzung? Baum-Riesen haben den Ort für die Natur zurück erobert, doch zwischen dem Laub liegen immer wieder Ziegelsteine und auf einer Erhöhung finden sich Reste von Mauern, dem Aussehen nach unterschiedlichen Alters. Der Blick auf die Karte zeigt auch eine Linie von der Straße in den Wald, möglicherweise eine ehemalige Straße oder ein Weg.

Baracken der evangelischen Kirche

Dr. Wingolf Lehnemann, Leiter des Museums der Stadt Lünen, kennt die Antwort. Im Bereich gab es in den dreißiger Jahren zwei Baracken der evangelischen Kirche für den freiwilligen Arbeitsdienst und die Stadtrand-Erholung für junge Leute, das "Waldheim Vogelsberg". Die Mauern sind wohl ihre Überreste. Graf Kanitz, der Großvater des aktuellen Grafen, hatte der Kirche dort eine Fläche von zehn Morgen für dieses Angebot für arbeitslose Jugendliche zur Verfügung gestellt "Häuser gab es dort auf keinen Fall", so Lehnemann. Links vom großen Waldweg am Vogelsberg holten die Töpfer früher Ton und Mergel aus dem Wald und aus alten Zeiten stammt auch der Name Vogelsberg. Im Wald war hier früher ein sogenannter Vogelherd, ein Ort zum Fangen von Vögeln mit Netzen, etwa zum Verzehr oder zum Verkauf in Käfigen. Die Straßen mit den Vogelnamen sind nicht der Grund. Udo Leschke will dran bleiben am Thema und hofft auf weitere Hinweise. Leser, die zu den Mauer-Resten im Wald etwas sagen können, melden sich in der Redaktion des Lüner Anzeigers.

Thema "Geschichte" im Lokalkompass:
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