Verein gründet sich nach Bluttat an Schule

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Gregor Kanne und Josefine Groß bringen mit anderen den Verein "Leon Hoffmann" auf den Weg. (Foto: Magalski)
 
Die Anteilnahme war groß nach der Bluttat an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. (Foto: Magalski)
Hefte und Bücher im Rucksack, und in der Tasche ein Messer - ist das wirklich Alltag an weiterführenden Schulen? "Eltern haben uns berichtet, dass viele Schüler eine Waffe haben", erzählt Gregor Kanne. Der Dortmunder gründet in dieser Woche mit Mitstreitern den Verein "Leon Hoffmann".

Leon war gerade vierzehn Jahre alt, da verlor der Schüler im Januar sein Leben nach einer Messer-Attacke an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. Kräfte der Polizei verhafteten kurze Zeit später am Datteln-Hamm-Kanal einen nur ein Jahr älteren Mitschüler. Der Tatverdächtige schilderte nach Angaben der Polizei später, dass Leon seine Mutter mehrere Male provozierend angeschaut habe, dadurch habe er sich gereizt gefühlt und stach dem Vierzehnjährigen mit einem Messer in den Hals. Die Rettungskräfte konnten dem Schwerstverletzten nicht mehr helfen, Leon starb noch in der Schule. "Leon war kein Einzelfall", sagt Josefine Groß und meint damit auch den Tod einer Fünfzehnjährigen in einem Parkhaus am Bahnhof in Dortmund-Hörde vor wenigen Wochen. Das Mädchen starb in Folge eines Messerstichs. Wie Leon. Tatverdächtige ist im Fall aus Dortmund eine Sechzehnjährige. Der Angriff, der so schrecklich endete, war wohl - so berichten es die Kollegen aus der "Welt"-Redaktion in einem Artikel - die Reaktion auf einen Streit und eine dreckige Hose.

"Schuld liegt selten bei Einzelnen"

Josefine Groß ist die Mutter von Leons bestem Freund und gehört wie Gregor Kanne zu den Initiatoren des Vereins. Zum Austausch vor der Gründung, die noch in dieser Woche stattfinden soll, kamen rund fünfzehn Teilnehmer, darunter neben Leons Eltern auch die Mutter des im März vergangenen Jahres in Herne getöteten neun Jahre alten Jaden. Dem Tod des vierzehnjährigen Leon in Lünen folgte eine Welle der Anteilnahme. Hunderte Kerzen brannten vor der Schule, völlig Fremde legten Blumen nieder, im Internet gründete sich eine Gruppe und aus dieser entsteht nun der Verein "Leon Hoffmann". Die Satzung ist geschrieben, die Gründungsveranstaltung folgt in dieser Woche, und dann gehen die Unterlagen auf den Weg zur Eintragung ins Vereinsregister. Eltern und Familien von Opfern will der Verein zur Seite stehen, mit Veranstaltungen und Projekten aktiv vorgehen gegen Mobbing und Gewalt, Kinder aufklären und sensibilisieren, und das alles in Kooperation mit Ämtern und anderen Organisationen. "Viele Zahnräder müssen ineinander greifen, um frühzeitig auf Anzeichen reagieren zu können und damit hoffentlich solche Taten zu verhindern", erklärt Gregor Kanne. Die Schuld, so der Dortmunder, liege selten bei Einzelnen, sondern eher im Versagen verschiedener Rädchen im Gefüge.

Springmesser aus dem Internet

"Waffen gehören nicht in die Tasche, schon gar nicht in der Schule", sagt Gregor Kanne und hat damit ohne Zweifel recht, doch manche Schüler sind da offensichtlich anderer Ansicht. Warum? "Eltern erzählen, dass viele Kinder aus Angst eine Waffe tragen", berichtet Kanne. Pfefferspray zum Beispiel oder eben ein Messer. Angst nicht vor dem großen Unbekannten, sondern - was ein unglaublicher und erschreckender Gedanke - vor anderen Kindern. Für Andere gehört ein Messer wohl einfach zur "Ausstattung". Um an Butterfly-Messer und andere potenziell tödliche Klingen-Varianten zu kommen, braucht es keine Kontakte zur Unterwelt, da reicht schon ein Klick im Internet. Das Springmesser im "coolen Regenbogen-Look" gibt es da schon zum Taschengeld-Kurs von 15,52 Euro, und nur einen Euro mehr kostet das XXL-Stiletto. Die Lieferung kommt ohne Versandkosten in ein bis zwei Tagen mit dem Paketdienst direkt nach Hause.

Austausch mit anderen Eltern

Gregor Kanne wünscht sich, dass nicht nur die Opfer von Gewalt im neuen Verein zu Wort kommen, sondern auch die andere Seite. Eltern, die wissen, dass ihre Kinder schwierig sind, dass es Probleme gibt, die Hilfe brauchen oder vielleicht nur den Austausch mit anderen Eltern.Der Verein "Leon Hoffmann" soll, das erhoffen sich die Organisatoren, keine lokale Erscheinung bleiben, sondern mit seinen Themen von "unten nach oben" wachsen und groß werden, "denn nur dann finden wir auch Gehör".

Thema "Leon" im Lokalkompass:
Trauer um getöteten Schüler in Lünen
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