Stadt reagiert auf Kritik an Weihnachtsmarkt

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Das Rathaus mit seinen vielen Fenstern könnte eine Art Adventskalender sein, lautete ein weiterer Vorschlag. (Foto: Magalski)
Kritik kassierte die Stadt Lünen in den letzten Jahren für den Weihnachtsmarkt, sowohl von Bürgern als von Händlern. Donnerstag ging es um die Zukunft der Veranstaltung, alte Probleme und neue Ideen.

Fackelschwimmen, der Nikolaus auf der Lippe und das riesige Lebkuchenherz zur Eröffnung sind beliebte Klassiker in Lünen, doch an anderer Stelle gibt es weniger Begeisterung. Zu viele Fressbuden, zu wenig attraktive Stände; so lautet ein häufiger Kritikpunkt am Weihnachtsmarkt. Im Fokus war in der Vergangenheit auch immer wieder die Atmosphäre. In Lünen ist die Zahl der Hütten seit einigen Jahren rückläufig, im vergangenen Jahr waren es etwa vierzig Händler. Zeit für eine Frischzellenkur? Vertreter der Stadt Lünen und der Politik, Einzelhändler, Schausteller des Weihnachtsnachtsmarktes, Bürger und Wochenmarkt-Beschicker kamen für Gespräche am Mittwochabend in den Hansesaal. Ideen gibt es eine Menge für mehr Glanz auf dem Weihnachtsmarkt in Lünen, vorgestellt wurden sie am Abend von Kim Adrian vom Kulturbüro der Stadt Lünen. Highlight auf dem Wunschzettel für einen attraktiveren Weihnachtsmarkt ist eine mobile Eisbahn mit Schlittschuh-Verleih, doch auch Weihnachten passen nicht alle Pakete unter den Tannenbaum. Die Eisbahn scheitert wohl, das wurde schon am Mittwochabend klar, an den sehr hohen Kosten für Miete und Betrieb von unter dem Strich mehr als fünfzigtausend Euro. Weniger Geld kostet eine mobile Bahn aus Kunststoff-Platten, allerdings auch mit Abstrichen beim Ambiente und Fahrspaß.

Schnee-Spielplatz und Videowand am Kirchturm

Im Tobiaspark hätten ein Märchenwald mit Tannenbäumen und Figuren oder eine Krippe Platz. Ein Schnee-Spielplatz mit Beschneiung an dieser Stelle ist eine weitere Idee, aber auch das ist kein Schnäppchen. Hütten im einheitlichen Design könnten zum Beispiel am Alten Markt für eine gemütliche Dorf-Atmosphäre sorgen und mit technischem Aufwand verwandle sich der Turm der Stadtkirche in eine riesige Videowand - allerdings wieder verbunden mit hohen Kosten. Annette Droege-Middel und Wilhelm Scharbaum brachten einen drehbaren Tannenbaum ins Spiel. Weihnachtsstimmung funktioniert auch über Musik, damit könnte man den Bereich der Sternengasse beschallen, lautet ein weiterer Vorschlag. Die Firma Szenewerk prüft Beleuchtungskonzepte für die City. Möglichkeiten bieten Aktionen mit Schulen und Kindergärten.

Experte aus Unna gab Tipps

Horst Bresan ist Geschäftsführer des Stadtmarketings aus Unna und sprach als externer Experte zu den Besuchern. Unna hatte vor einigen Jahren, so berichtete Bresan, ebenfalls Probleme mit dem Weihnachtsmarkt und setzte in dieser Situation auf Veränderung. Anregungen für den Weihnachtsmarkt in der Kreisstadt fand man unter anderem bei Reisen über andere Märkte in ganz Deutschland. Unna sei viel stimmungsvollem Licht, einem Deko-Konzept und anderen Highlights heute wieder ein Besuchermagnet. "Eine Eisbahn in Unna habe wir aufgrund der hohen Kosten übrigens schnell beerdigt", gab Bresan den Anwesenden mit auf den Weg, es gehe aber immer um Deko und Ambiente. Lünen solle auf die Schausteller hören, riet der Marketing-Profi.

Weihnachtmarkt-Händler mit weiter Anreise

Zur Diskussion kamen auch die erwähnten Schausteller und Händler des Weihnachtsmarktes und nahmen dafür zum Teil weite Anreisen in Kauf. Cartoonist Stephan "Hösti" Höstermann kam für das Treffen aus seiner ostfriesischen Heimat nach Lünen, wie sein auf Fehmarn lebender Kollege Axel Grotensohn vom Glühweinstand vor Tschibo. Höstermann lobte das große Interesse und die konstruktiven Gespräche. Erster Beigeordneter Horst Müller-Baß erklärte zum Abschluss des Abends den weiteren Ablauf: Das Kulturbüro werde die Ergebnisse der Diskussion nun sichten und der Politik vorstellen, nach Möglichkeit schon Ende des Monats. Attraktionen kosten allerdings Geld und so ist die Zukunft der Sternengasse am Ende vielleicht auch eine Frage finanzstarker Sponsoren.

"Zeit arbeitet gegen den Weihnachtsmarkt"

"Die Gespräche im Hansesaal waren gut und es ist gut, dass wir den Weihnachtsmarkt verbessern wollen, aber einige Dinge, die wir dort diskutiert haben, sind Schnee von gestern", sagt Wilhelm Scharbaum. Die Diskussion müsse sich um Dinge drehen, die machbar sind, nicht etwa darum, dass der Weihnachtsmarkt in der Fußgängerzone bleiben soll oder zu teure Eisbahnen. Scharbaum hatte im Dezember zusammen mit anderen einen Bürgerantrag auf den Weg gebracht und übt Kritik am Beigeordneten Horst Müller-Baß. "Seine Antwort auf die Frage, wie es nun weitergeht, war nicht konkret genug", sagt Scharbaum. Die Zeit arbeite gegen den Weihnachtsmarkt, denn neue Händler, die man unter Umständen anwerben wolle, warteten nicht auf Lünen.

Thema "Weihnachtsmarkt" im Lokalkompass:
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