Volles Haus bei Grimmes „Bergfest“ im Grimme-Institut Marl / Bert-Donnepp-Preises 2015 verliehen

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Die Grimme-Jurys und zahlreiche Nominierte feierten Halbzeit: Das traditionelles „Bergfest“ sorgte mit rund 300 Gästen für ein volles Haus und einen langen Abend im Grimme-Institut. Das „Bergfest“ bot den Rahmen für die feierliche Verleihung des Bert-Donnepp-Preises für Medienpublizistik und eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde zur Lügenpresse-Debatte.

Grimme-Direktorin Frauke Gerlach betonte in ihrer Begrüßungs-rede, die Notwendigkeit zur „Weiterentwicklung des Instituts und seiner Preise, um die Fragenkreise des digitalen Medienzeitalters fundiert aufnehmen und bearbeiten zu können.“ Es gehe dabei um „Evolution, nicht um Revolution.“ Zudem kündigte sie weitere strukturelle Reformen an wie die Vernetzung der Preis-Teams von Grimme-Preis, Grimme-Online Award und Deutschem Radiopreis.

Bei der Verleihung des Bert-Donnepp-Preises hielt die diesjährige Preisträgerin, die Medienjournalistin Ulrike Simon, der Branche den Spiegel vor. „Ich wünsche mir Mut und Gelassenheit von Chefredakteuren und Senderchefs: Sie sollen ihren Journalisten den Rücken stärken und sie zu kritischer Berichterstattung ermutigen. Und sie sollten gleichzeitig nicht so schnell die beleidigte Leberwurst spielen, wenn sie selbst Gegenstand von Kritik werden. Mit einer besonderen Ehrung wurde der Hörspielkritiker Jochen Meißner gewürdigt, der in seiner Rede die mangelnde Beachtung für diese „Königsdiziplin des Radios“ kritisierte. Der nach dem Gründer des Grimme-Instituts benannte Bert-Donnepp-Preis wird seit 1991 vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises verliehen.

Unter der Moderation des neuen Grimme-Preis-Leiters Steffen Grimberg diskutierten neben Ulrike Simon WDR-Fernsehchefredakteurin Sonia Seymour Mikich, RTL-Chefmoderator Peter Klöppel und Grimme-Juror Martin Calsow zum Thema: „Die Lügenpresse: Bankrott-Erklärung des Leitmedien-Journalismus oder Gefahr für die Pressefreiheit?“

„Für mich ergibt sich da ein uneinheitliches Bild: Es kommt organisierte Kritik, aber auch Institutionenkritik spielt eine Rolle, wie sie immer stärker auch staatliche Einrichtungen, die Kirche und eben auch wir aushalten müssen“, erklärte Mikich, „aber geschaut werden wir trotzdem.“ Nicht anders ist es bei den privaten Anbietern: „Eine Vervielfachung der Kritik an unseren Programmen ist schon zu spüren, sie wird aber auch wieder weniger“, so Klöppel, wobei der „Echoraum“ im Netz hier eine wichtige Rolle spiele: „Menschen emanzipieren sich heutzutage von Medien. Manche fragen: Ist das die Wahrheit? Dem müssen wir uns stellen!“ so Kloeppel weiter. Für Ulrike Simon bedeutet die Vertrauenskrise aber auch die Chance zur Selbstvergewisserung: „Es tut immer mal wieder gut zu fragen: Machen wir wirklich alles richtig?“ Für Martin Calsow könnte sich das schwindende Vertrauen zu einem ernsthaften Legitimations-problem der Medien auswachsen: „Hier werden Strukturen in Frage gestellt!“
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