Grimme-Institut Marl veranstaltete Informationstag „Medienfrauen NRW“

Anzeige
   

„Wenn Sie Karriere machen wollen in deutschen Medienunternehmen, müssen Sie offenbar in der Tat eine echte Heldenreise zurücklegen“, so Kordula Attermeyer von der Staatskanzlei NRW in ihrer Begrüßung der rund 110 Teilnehmerinnen der diesjährigen „Medienfrauen NRW“. Denn wie auf einer klassischen „Heldenreise“ gelte es, Widerstände und Widersacher zu überwinden. Die „Medienfrauen NRW“ finden seit 2010  statt und werden vom Grimme-Institut Marl veranstaltet.



Seit Jahren verringern sich die Abstände zwischen Frauen und
Männern kaum – sowohl im Hinblick auf Entlohnung als auch bei den
Führungspositionen. Die Prognose der Studie „The Global Gender
Gap“ (Weltwirtschaftsforum 2017), dass beim jetzigen Tempo der
Verbesserungen erst in 217 Jahren Geschlechtergleichheit erreicht
werden könne, kann nicht zufriedenstellen. „Keine von uns wird das
noch erleben“, so Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin der Stadt
Köln in ihrer Rede. „Wenige Männer räumen ihre Plätze freiwillig. Aber
zumindest für die nächste Generation müssen die Bedingungen
besser werden.“

Eine Haltung, die von der Direktorin des Grimme-Instituts, Dr. Frauke
Gerlach
, geteilt wird: „Wir sollten nicht darauf warten, bis uns gleicher
Einfluss gewährt wird. Wir müssen lernen, zu nehmen, was uns
zusteht, und uns von unserer Zurückhaltung verabschieden. Denn die
wird selten mit mehr Gehalt und Wertschätzung belohnt.“

Auch heute noch gilt forderndes Auftreten oft genug als unweiblich.
Liegt das an den Rollenbildern, denen wir täglich – auch über die
Medien – ausgesetzt sind?

Die von Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth gegründete
MaLisa Stiftung, die sich für gesellschaftliche Vielfalt und die
Überwindung ebensolcher Rollenbilder einsetzt, hat genau diese
Sichtbarkeit von Frauen in den Medien untersucht. Die Projektleiterin
Karin Heisecke stellte einige der Ergebnisse bei den „Medienfrauen
NRW“
vor. Dazu zählten die zunehmende Unsichtbarkeit von Frauen,
wenn sie älter werden, oder die Tatsache, dass Männer herangezogen
werden, wenn Expertenwissen gefragt ist.

Diese und weitere Aspekte von „Vielfalt in den Medien?“ wurden im
Vormittagspanel diskutiert: neben Karin Heisecke mit Anne Fromm
von der taz, Annette Leiterer vom NDR-Medienmagazin ZAPP,
Claudia Tieschky von der Süddeutschen Zeitung und der Autorin
Jenni Zylka. Sie kommentierten die Ergebnisse der Studie besonders
im Hinblick auf die Abbildung von Realität: „Man muss weibliche
Vorbilder schaffen; zeigen, dass es Frauen gibt, und dies als
selbstverständlich darstellen“, so Jenni Zylka. Frauen müssten aber
mittlerweile auch in allen Hierarchiestufen vertreten sein. „Das ist auch
ein Argument für die Quote. Sind die Redaktionssitzungen männlich
besetzt, werden Männer oft bevorzugt“, sagte Anne Fromm auch
im Kontext von Neuanstellungen. Annette Leiterer meinte zum Aspekt
der überwiegend männlichen Experten, die in den Medien befragt
werden: „Wenn wir Experten und Expertinnen suchen, erhalten wir
von Frauen oft die Antwort: ‚Mit dem Thema habe ich mich nicht
eingehender beschäftigt, ich kann da nicht Rede und Antwort
stehen.‘ Männer gehen eher das Risiko ein, dass da auch etwas
schiefgehen kann.“

Die Referentinnen betonten, dass Frauen, die in der Medienbranche
etwas erreichen wollen, sich trauen und ihre „Komfortzone“ verlassen
müssen. „In Beziehungen können Grenzen versetzt werden. Das gilt
auch für Redaktionskonferenzen“, sagte Claudia Tieschky. „Man muss
lernen, auch einmal Dinge zu tun, bei denen man sich nicht wohl fühlt
– wenn ein Mann sagt: ‚Ist ja gut jetzt‘, zu sagen: ‚Nein, ist eben nicht
gut‘.“

In der Schlussrunde gaben die Referentinnen dem Publikum gute
Wünsche mit auf den Weg, zu Mut, Entschlossenheit, Kreativität, aber
auch: “Werdet Nerds!“ – so der Rat von Jenni Zylka. „Sucht Euch ein
Gebiet, auf dem Ihr Experten werdet. Und dann macht was draus.“


Am Nachmittag standen Workshops auf dem Programm der
„Medienfrauen“, um den Besucherinnen einen vertieften Einblick in
verschiedene Medienberufe bzw. die Möglichkeiten zur
Medienkarriere zu geben. Ein erstes „Journalistisches Schreiben“
vermittelte Christina Wandt / WAZ. Von der Notwendigkeit des
„Netzwerkens und Präsentierens“ sprach Romina Stawowy von der
gleichnamigen Agentur. Caroline Frank von der Kampagne „anders &
gleich“ widmete sich dem Thema „Frauen und LGBT in der
Gesellschaft“, Hannah Monderkamp / Rheinische Post dem „Digitalem
Zuhören als Strategie“ und Brigitte Schröder, selbstständige
Unternehmens- und Wirtschaftsberaterin, stellte „Perspektiven für eine
Karriere in den Medien“ vor.

Eine Dokumentation des Programms wird zeitnah unter
www.medienfrauen-nrw.de veröffentlicht.


Die „Medienfrauen NRW“ finden seit 2010  statt und werden
vom Grimme-Institut veranstaltet. Sie werden unterstützt von der
Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. In diesem Jahr finden sie
erstmals in Kooperation mit dem Grimme-Preis statt.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.