Wo die Welt noch in Ordnung ist - Impressionen vom Ruhr Reggae Summer 2016

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Am Wochenende fand das Ruhr Reggae Summer zum zehnten Mal in den Styrumer Ruhrauen statt und schnell wird einem klar: hier geht es um mehr als nur Musik.

Gewohnt ist man von Festivals hektisches Treiben, es dreht sich alles um größer, besser, lauter. Das Ruhr Reggae Summer scheint hier bewusst auf die Bremse zu treten und den Alltag einfach zu endschleunigen. Betritt man das Gelände des Festivals scheint man in einer anderen Welt, vergessen sind die Einfamilien-Reihenhäuser an denen man auf dem Weg vorbei kommt, die nahe verlaufende A40, nicht mehr als ein Rauschen im Hintergrund.
Auch wenn in diesem Jahr das Wetter nicht ganz mitspielte und das Freibad auch nur von einigen wenigen Mutigen genutzt wurde, bekommt man den Eindruck, sich in einer Art jamaikanischer Urlaubsoase zu befinden.

Entspannung pur

Wo auf anderen Festivals exzessiv getanzt wird und die Zeit in Beats pro Minute gezählt wird, sitzen auf dem Reggae Summer überall Menschen in kleinen Gruppen auf Campingstühlen und Decken zusammen, lauschen den dumpfen Klängen der jamaikanischen Trommeln - fast wie ein großes Famillienpicknik im Park.
Auch wenn das Reggae Summer wohl zu einem der kleineren Festivals gehört, tut dies seinem Charme keinen Abbruch; eher im Gegenteil, die Besucher sind sich einig: „Je kleiner, desto familiärer“. Manche kommen Jahr für Jahr hier zusammen, um gemeinsam den Alltag zu vergessen. Barfuß und sorgenfrei tanzen kleine Kinder, Jugendliche und die Übriggebliebenen der „Hippie-Zeit“ zusammen.

Fruchtiges und Außergewöhnliches

Zu dieser Atmosphäre trägt definitiv auch das Angebot an Speisen und Getränken bei. Das übliche Festival-Junkfood ist zwar vertreten, wird jedoch durch die Präsenz von afrikanischen und jamaikanischen Spezalitäten sowie veganem Essen und Außergewöhnlichem wie der „Handbrotzeit“ in den Hintergrund gedrängt. Die deutschen Bierliebhaber werden nicht enttäuscht, aber fruchtiges wie Cocktails, Smoothies sowie mit Alkohol gefüllte Melonen und Ananasse sind häufiger in den Händen der Festivalbesucher zu finden.
Zum gemütlichen Flanieren lädt der Markt mit verschiedenen Ständen ein, von Süßigkeiten über Kleidung, Henna Tattoos bis hin zu afrikanischen Frisurentrends kann man hier Alles bekommen was zum Reggaefeeling gehört.

Hochkarätiges Line-up

Viele Besucher schätzen das Festival vor allem für seine hochkarätigen Line-ups, so ließ sich der Veranstalter U-concert auch in diesem Jahr, zum zehnjährigen Jubiläum, nicht lumpen und holte die ganz Großen der Reggae Szene auf die Bühne.
Wo es mittags an der Mainstage eher ruhig zugeht, wird es gegen Abend voll, die Lautstärke wird aufgedreht und Künstler wie Samy Deluxe und Dub FX sind weit über die Grenzen des Festivals in ganz Mülheim zu hören. Wenn Künstler wie Jr. Kelly dann laut „dance, dance, dance“ oder „raise your hands“ fordern, kommt ordentlich Schwung in die früher noch so entspannten Besucher.
Zu den diesjährigen Highlights zählen für die Meisten Protoje, der auf dem Reggae Summer seinen einzigen EU-Auftritt gibt, und Damian „Jr. Gong“ Marley, der jüngste von Bob Marleys Söhnen.
Und tatsächlich hat es etwas magisches, wenn der Sohn einer wahren Reggae Legende auf die Bühne tritt und neben eigenen Songs auch Klassiker wie „Could you be loved“ performt. Die Menge groovt und singt mit, jamaikanische sowie afrikanische Flaggen werden über den Köpfen der Festivalbesucher geschwängt und ganz leicht wird man Teil dieser Masse, in der Zeit und Hektik keine Rolle zu spielen scheinen.
Schnell wird der Künstler auf der Bühne mehr als nur Musiker oder Unterhalter. Viele nehmen fast die Position eines Predigers ein, reden von Frieden und Liebe, von Dingen, die so viel größer sind als man selbst. Sie besinnen sich auf die Wurzel dieser Musik in Afrika und Jamaika, bleiben dabei aber durchaus bodenständig. Schließlich ist Reggae nicht nur eine Musikrichtung, sondern eine Lebenseinstellung.
Vor allem geht es um Love, Unity, die Erde und Jah - nicht alles davon kann man ganz verstehen, aber die endschleunigte Atmosphäre überträgt sich und ein bisschen davon sollte man vielleicht mit nach Hause nehmen.

Text: Karina von der Heidt
Foto: Tamara Ramos
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