Abiturient am Ruhr-Kolleg hilft Bedürftigen auf Haiti

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Christian Reith ist 25 Jahre alt und macht gerade sein Abitur – auf dem Zweiten Bildungsweg, am Ruhr-Kolleg der Stadt Essen.
Als Realschüler hatte Christian keine Lust mehr auf Schule. Sein größtes Interesse galt den Autos. Deshalb machte er eine Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker. Und dann kam die niederschmetternde Aussage seines Orthopäden: Wenn er nicht unter dauerhaften Schäden und Schmerzen leiden will, muss er wegen seiner Skoliose seinen Beruf an den Nagel hängen. Also sattelte er um, machte eine zweite Ausbildung zum Automobilkaufmann. Dort stellte er schnell fest, dass er höher hinaus, z.B. Centerleiter eines Automobilhauses werden wollte. Dazu brauchte er jedoch einen Studienabschluss, und damit Abitur. Also meldete er sich am Ruhr-Kolleg an.
Manche Lebenswege sind einfach voller Überraschungen. Und das merkte Christian nicht nur beruflich, sondern auch privat. In seiner zweiten Ausbildung lernte er Ulrich Trimpe kennen. Beide verbindet das Bedürfnis helfen zu wollen.
So war Ulrich Trimpe nach der Erdbebenkatastrophe auf Haiti persönlich vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er traf Menschen, die ungemein gastfreundlich aber gleichzeitig bettelarm waren. Er reiste ab mit dem Versprechen wiederzukommen, und Hilfe zu leisten.

Und das tat er – in den Sommerferien 2012 zusammen mit Christian Reith vom Ruhr-Kolleg. Sie finanzierten Ihre Reise komplett aus eigener Tasche, inklusive Übersetzer, denn auf Haiti wird Creol (Landessprache) und in weiten Teilen Französisch gesprochen. Mit Englisch kommt man nicht weit. Die beiden Männer sammelten mit Unterstützung des CVJM Neviges und einiger Schwerter Bürger (Ulrich Trimpe ist aus Schwerte) Spendengelder und Kleider, die einem Kinderheim auf der Ile-à-Vache (Insel der Kühe) zu Gute kommen sollten. Christian arbeitet ehrenamtlich in der Kirchengemeinde, leitet einen Jugendhauskreis für Jungs zwischen 15 und 19 Jahre. So lag die Idee nahe, gerade Kindern zu helfen. Aber nicht nur finanziell wollten Ulrich und Christian unterstützen, auch positive Erlebnisse sollten geschaffen werden. Und womit schafft man positive Erlebnisse für Jungs? Mit Fußball. Also organisierten sie ein Fußballturnier in der Hauptstadt (Port au Prince), brachten Bälle und Fußballtore aus Deutschland mit.

Aber das war nicht das einzige Projekt. So stellten sie Handwerker an, die das undichte Dach einer alten Dame restaurierten und die wackeligen Zimmerwände stabilisierten. Zudem erhielt die Dame elektrisches Licht in ihrem Haus.
Wenn Christian von den Eindrücken seiner Reise berichtet, wird eines immer wieder deutlich. Die extremen Unterschiede im Land. Über die von der deutschen Botschaft empfohlene Unterkunft bei Privatleuten lernte er auch Menschen aus Haiti's Oberschicht kennen: Den stellvertretenden deutschen Botschafter, den amerikanischen Botschafter, Ärzte, einen Rechtsanwalt und einen bekannten Jazz-Musiker der Insel. Christian war zu Gast in einem prunkvollen Haus mit über 13 Schlafzimmern.
Er sah aber auch die Menschen auf der Straße, die ihr selbst angebautes Obst verkauften. Diese Menschen hatten entweder gar keinen Stromanschluss oder manchmal 6 Stunden am Tag, der aber unvorhersehbar, einfach ein- und ausgeschaltet wird.

Nun ist Christian zurück und arbeitet an seinem 10-Jahresplan. Mittlerweile hat er erfahren, dass er sein BWL-Studium im Automobilbereich mit Fachabitur beginnen kann. D.h. er wird am Ruhr-Kolleg noch ein Jahr lang die Bücher wälzen bis er an der Automobil-Fachhochschule in Northeim (bei Göttingen) innerhalb von 11 Monaten seinen Betriebswirt machen kann. Bachelor und Master sollen dann in den USA folgen. Aber auch die Familiengründung steht noch auf dem Programm. Christian wünscht sich auf jeden Fall Frau und Kinder.
Natürlich will er auch sein soziales Engagement weiterführen. Sein Freund und er halten weiter regen Kontakt zu ihren Ansprechpartnern auf Haiti. Weitere Reisen sollen folgen. Derzeit suchen sie eine Partnerschaft für ihren Übersetzer, der mittlerweile zum Freund geworden ist und dessen weiterer Bildungsweg unterstützt werden soll.

Als nächstes Projekt soll das Dach einer Kirche auf Haiti gedeckt werden. Christian und Ulrich haben sich die Kirche vor Ort bereits angesehen. Das Dach der Kirche ist nicht etwa undicht, sondern gar nicht existent. Der Dachbau soll geschätzte 10.000 US Dollar kosten.

Spenden werden gerne entgegen genommen und gehen auf das Konto des CVJM Neviges der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert (Ktnr.: 26344846; BLZ: 33450000, Stichwort „Haiti“).

Wer das Abitur am Ruhr-Kolleg machen möchte, sollte mindestens 18 Jahre alt sein, über einen mittleren Schulabschluss verfügen und 24 Monate gearbeitet haben (dazu werden auch Kindererziehungszeit, Zivil- und Wehrdienst, Praktika und bis zu 7 Monate Arbeitslosigkeit angerechnet). Finanziert wird die Schulzeit durch ein BAföG, das unabhängig ist vom Einkommen der Eltern und nicht zurückgezahlt werden muss. Schulgebühren fallen nicht an. Wer Interesse hat, erkundigt sich gern unter www.ruhr-kolleg.de oder telefonisch unter 0201/263640.

Autor:

Silke Kreft aus Essen-Nord

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