„Crash-Kurs“ der Polizei weckt Emotionen und klärt auf

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Die Polizei kommt mit der Kampagne „Crash-Kurs NRW“ an alle interessierten Schulen. (Foto: PR-Foto Köhring/PK)

Mit einem lauten Knall platzt der riesige Ballon, auf dem die 120 Schüler des Berufskollegs Lehnerstraße ihre Lebensträume notiert haben. Still sitzen sie alle da, genauso still wie die Atmosphäre in dem Klassenraum in den letzten zwei Stunden geworden ist.

„Eure Zukunft liegt in Euren Händen, denkt daran, wenn Ihr im Straßenverkehr unterwegs seid“, gibt Michael Seth, Polizeihauptkomissar und Opferschutzbeauftragter der Polizei Essen und Mülheim, den Jugendlichen mit auf den Weg. Schulunterricht mal anders: Heute ist die Kampagne „Crash-Kurs NRW“ an der Saarner Schule zu Gast.

Auf Schockvideos und Fotos sehen die Schüler Verkehrsunfälle und die Folgen -ungeschnitten und an Orten direkt nebenan. „Unser Ziel ist es, den Schülern ein Fenster zur Realität zu öffnen. Welche Folgen haben schwere Unfälle? Welche Personen werden da mit reingezogen? Wir wollen nicht mit dem erhobenen Finger aufklären, die Schüler sollen durch Impulse selbst denken“, so Seth.

Neben den Unfallbildern bekommen die Schüler authentische Berichte durch Polizisten, Sanitäter, Eltern oder Notfallseelsorger geliefert. Über Unfälle, die sich tagtäglich auf Mülheims Straßen ereignen. Ungeschönt erzählen die Betroffenen von gespaltenen Schädeln, deformierten Körpern und Jugendlichen im Wachkoma. Das lässt dann keinen mehr kalt, die Emotionen der Schüler sind geweckt.

Merve, Einzelhandelskauffrau im zweiten Ausbildungsjahr, fühlt sich sehr beeinflusst: „Ich fahre selbst jeden Tag eine halbe Stunde hierhin, viele gezeigte Unfallorte kenne ich. Ich werde jetzt auf jeden Fall aufmerksamer sein“. Die weitreichenden Unfallfolgen und die Aufgaben eines Seelsorgers waren der 20-Jährigen vorher nicht bewusst.

Ute Droste, Beratungslehrerin, hat das Projekt zum ersten Mal an die Schule geholt. „Das ist wirklich ein gutes Konzept. Und wie man sieht gut aufgegangen. Wir werden die Eindrücke jetzt im Anschluss in den Klassen besprechen und aufarbeiten“.

Die Kampagne der Polizei NRW läuft seit 2010 sehr erfolgreich. Interessierte Schulen können den Kurs über crashkurs@polizei.nrw.de buchen. Bleibt zu hoffen, dass durch solche Projekte die jährlich 100 Unfälle in Essen und Mülheim, an denen Jugendliche beteiligt sind, verringert werden.
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