Bergkamenerin wird seit RTL-Sendung bedroht und beschimpft

Barbara K. aus Bergkamen traut sich seit der Ausstrahlung der RTL-Sendung Extra nicht mehr auf die Straße. Aus der August-Bebel-Straße ist sie weggezogen, um den nachbarschaftlichen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen.  Foto: Volkmer
  • Barbara K. aus Bergkamen traut sich seit der Ausstrahlung der RTL-Sendung Extra nicht mehr auf die Straße. Aus der August-Bebel-Straße ist sie weggezogen, um den nachbarschaftlichen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen. Foto: Volkmer
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Barbara K. aus Bergkamen (Name der Redaktion bekannt) traut sich nicht mehr vor die Tür. Die alleinerziehende Mutter wohnt im Brennpunkt „Nordberg“ und wird seit der TV-Ausstrahlung der RTL-Sendung Extra, bei der es um Ausländerfeindlichkeit ging, bedroht und beschimpft.

Barbaras Kinder, ein Mädchen (5) und ein Junge (11), wachsen in einem Umfeld auf, das von Migranten geprägt ist. Mehr als die Hälfte der am Nordberg lebenden Bürger hat einen ausländischen Pass. Das stört Barbara eigentlich nicht - ganz im Gegenteil: „Der Vater meiner Kinder ist ein Ausländer“, erklärt sie. „Ich bin alles andere, nur nicht ausländerfeindlich!“
Eskaliert ist die Situation durch einen Nachbarschaftsstreit, bei dem sich Barbara aufgeregt hatte, dass die Mieter unter ihrer Wohnung die Schuhe, kreuz und quer, als Stolperfallen im Hausflur verteilten. Auch das ständige Kindergeschrei im Treppenhaus störte die alleinerziehende Mutter, die ihre eigenen Kinder zum Spielen nach draußen schickte. „Außerdem habe ich mich über den Kinderwagen geärgert, der den Eingang zum Keller versperrte“, erklärt Barbara K.
„Ich habe Angst, auf die Straße zu gehen“
All‘ das habe nicht im Entferntesten damit zu tun, dass sie etwas gegen die Nationalität der Nachbarn hätte. Dies habe Barbara auch dem RTL-Team erklärt, das den Nachbarschaftsstreit sofort genutzt hatte, um darüber eine Problemsendung zwischen Migranten und Einheimischen zu produzieren.
In der Sendung, die letzte Woche ausgestrahlt worden ist, flimmerte dreimal derselbe O-Ton von Barbara über den Bildschirm: „Die sollen dahin gehen, woher sie kamen.“
Das hört sich allerdings sehr ausländerfeindlich an. Gemeint habe die Bergkamenerin allerdings, dass die Nachbarn, wenn sie sich nicht an den Mietvertrag hielten, in ihre alte Wohnung zurückziehen sollten. „Das wurde von RTL einfach weggeschnitten“, erklärt Barbara K. Zur Seite steht der Bergkamenerin ihre Schwester, Sarah K., die der ganzen Sache mit dem Fernseh-Dreh sowieso mit Misstrauen gegenüberstand. „Barbara war sehr unsicher, als das RTL-Team hier auftauchte und Fragen stellte“, verrät sie. „Zudem musste eine Einverständniserklärung unterzeichnet werden, von der wir noch nicht einmal eine Kopie bekommen hatten.“
Als sie ein „Veto“ gegen die Folgesendung einlegen wollte, die am Montag gesendet worden ist, war angeblich kein Extra-Redakteur erreichbar. Der Chef sitze in der Teambesprechung und rufe zurück, hieß es.
„Zurückgerufen hat aber niemand“, so Sarah K. „Außerdem ist der Nachbarschaftsstreit längst behoben, da meine Schwester mittlerweile ausgezogen ist. Gedreht wurde die Sendung letztes Jahr im Herbst. Da kann man sich von Seiten der Redaktion ja mal erkundigen, ob sich bis zur Ausstrahlung im Fernsehen etwas geändert hat.“
Geändert hat sich leider für Barbara K., dass sie seit dem „Extra-Beitrag“ nicht mehr auf die Straße gehen kann, ohne von Fremden beschimpft zu werden. Auf ihrer Facebook-Seite hat man die Bergkamenerin sogar bedroht. Muss sie jetzt etwa schon wieder umziehen, um sich in Sicherheit zu fühlen?
Eines hat Barbara jedenfalls aus dieser Geschichte gelernt: „Auf ein Interview mit RTL lasse ich mich ganz bestimmt nie wieder ein!“

Und hier gehts zum RTL-Beitrag

Meinungen aus dem Netz

Es wird dazu gebloggt: Reaktion auf Lokalkompass- und Stadtspiegel-Beitrag

Autor:

Anja Jungvogel aus Stadtspiegel Kamen

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