Kolumne: Warum schenken wir eigentlich?

Geben ist seeliger denn nehmen. Es kommt aber natürlich darauf an, was man erhält...
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Kolumne Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht.

„Geschenke sind Materie gewordene Gefühle“

Wann haben Sie denn ihr letztes Geschenk gemacht? Bei mir ist es gerade einen Tag her. Und ich wäre froh gewesen, hätte es sich de facto wirklich nur um ein Geschenk gehandelt. Es waren aber 48 auf einen Schlag. Zwei jungerwachsene Kinder wünschten sich „endlich mal einen richtigen Adventskalender“ – als hätten sie vorher nie einen erhalten. Folglich kam ich in den zweifelhaften Genuss, 24 Beutel mit Gaben zu befüllen, und zwar alles mal zwei. Eine durchaus kosten- und vor allem zeitintensive Angelegenheit, die beim Einpacken viel Raum zum Nachdenken ließ, warum man sich manche Dinge eigentlich so antut… Ja, warum eigentlich? Warum schenken wir? Weil man das so macht? Weil „Geschenke wirklich unsere Freundschaften erhalten“? In gewisser Weise hat der Volksmund recht:

„Geschenke gehören zu einem psychosozialen Ritual, das Wertschätzung und Bindungswunsch ausdrückt. Sie dienen dazu Beziehungen zu stützen und zu stärken“, sagt der Soziologe Gerhard Schmied. Wer schenkt, will gefallen und Dankbarkeit spüren. „Schon unsere Vorfahren verteilten ihre Beute großzügig. So bekamen sie von den anderen etwas ab, wenn sie mal kein Jagdglück hatten“. Geschenke sollen aber natürlich auch die Botschaft vermitteln, dass wir den anderen Menschen wertschätzen.

Ich las vor vielen Jahren in einer Zeitschrift den eingangs erwähnten Satz, dass „Geschenke Materie gewordene Gefühle sind“. Seither habe ich nicht nur ein neues geflügeltes Wort in mein Denken aufgenommen, sondern auch ein kleines, gemeines Wertesystem. Als mir vier liebe Freunde mal gemeinsam einen Büchergutschein über 13,50 € zum Geburtstag schenkten, musste ich mir natürlich eingestehen, dass es nicht immer leicht ist, mehrere Gefühle in eine Materie münden zu lassen. Da halte ich es philosophisch mit Seneca, der schrieb:
„Man irrt, wenn man glaubt, dass Schenken eine leichte Sache sei. Es hat recht viel Schwierigkeiten, wenn man mit Überlegung geben und nicht nach Zufall und Laune verschleudern will“. Wichtiger als der Preis ist folglich, dass das Geschenk zum Beschenkten passt – „dann macht auch eine Kleinigkeit glücklich“. Und wenn die Kleinigkeit zur größeren (Adventskalender-) Sache wird?
Ja, ja jetzt kommt es wieder: „Geschenke sind Materie gewordene Gefühle“ - von denen aber nicht nur der Beschenkte etwas hat, das muss man dazu sagen. Als Schenkender Freude oder Dankbarkeit zu spüren, macht sicherlich gleichermaßen froh. „Also, auch wenn Sie wieder viel Geld ausgegeben und Zeit investiert haben, freuen Sie sich einfach – es war zumindest für einen „guten Zweck.“

Autor:

Vera Auffenberg aus Castrop-Rauxel

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