Margot Käßmann in der Lutherkirche: Sehnsucht nach Leben

Gestenreich: Margot Käßmann in der Lutherkirche
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  • hochgeladen von Nina Möhlmeier

„Ich bin immer wieder beeindruckt, wie lebendig Kirche an den verschiedensten Orten ist“, erklärte Margot Käßmann am Mittwochabend in der Lutherkirche - Deutschlands wohl bekannteste Theologin war nach Castrop-Rauxel gekommen, um ihr Buch „Sehnsucht nach Leben“ vorzustellen. Das interessierte richtig viele - kaum ein Platz blieb frei.
„Ich habe zwölf Sehnsüchte ausgesucht. Mir sind aber noch viele mehr eingefallen“, lächelte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Von der Kanzel aus las sie aus den Kapiteln „Sehnsucht nach Leben, Heimat („Der Glaube kann uns beheimaten“), Mut („Er wächst im Kleinen“), Trost („Es ist eine wunderbare Erfahrung, trösten zu können“/ „Glaube kann trösten, nicht vertrösten“) und Liebe („Wie viele Erwachsene erzählen noch mit leuchtenden Augen von der Liebe ihrer Jugend?).“ Und sie brachte das Publikum immer wieder zum Schmunzeln, wenn sie ihre Lesung mit kleinen Anekdoten untermalte.
„Wer lieben kann, wird innerlich frei.“ Das habe auch sie erlebt. „In der Caféteria saß ich einem Mann gegenüber, von dem ich wusste (es gab drei Zeugen), dass er über mich abgelästert hat. Ich habe ihn angelächelt. ‚Auch du bist ein Geschöpf Gottes‘, dachte ich. Was meinen Sie, wie unsicher er wurde? Und ich fühlte eine innere Freiheit.“
Immer wieder spannte Käßmann den Bogen zum Schlüsselbegriff der Lesung: „Sehnsucht“. „Sie gehört nicht zu den Kardinaltugenden, kommt aber in der Bibel vor.“
Martin Luther King sei ihr großes Vorbild, verriet sie. „Er bezahlte die Sehnsucht nach einer gerechten Welt mit dem Leben.“
Mit dem Apostel Paulus habe sie dagegen so ihre Schwierigkeiten. „Mit ihm würde ich gerne mal diskutieren“, lächelte Käßmann. Auch wenn er die Losung ausgegeben habe, dass das Weib in der Gemeinde schweigen solle.
Das Leben sei von Abzweigungen geprägt. „Manchmal nehmen wir die falsche. Und damit hadern viele.“ Mit 52 Jahren habe sie einige Monate im Studentenwohnheim gelebt, verriet Käßmann. „Eine interessante Erfahrung.“ Es hätte sie berührt, wie mürrisch viele junge Leute gewesen seien - sie habe nachgefragt. Ein Student erklärte es ihr: Er habe das Gefühl, in einem „Race to nowhere“ zu sein. Man solle der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben Raum geben, so Käßmann. „Wenn Aufbruchstimmung in uns ist, sollten wir sie nicht unterdrücken.“

Autor:

Nina Möhlmeier aus Castrop-Rauxel

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