Spurensuche: Der Staufenplatztunnel

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An der Graf-Recke-Straße stehen zwei bizarre Gebilde aus rostigem Stahl. Was das wohl für ein Kunstwerk ist, mag sich so mancher Spaziergänger fragen - sucht aber vergeblich nach einer Hinweistafel. Es handelt sich hier aber keineswegs um Kunst sondern um Spundwände, die nach dem Bau des Staufenplatztunnels seltsam verbogen dort stehen geblieben sind.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts kommt es zu Staus an den Bahnschranken

Unter der Erde fließt der Bahnverkehr seit 1983 durch den 2053 Meter langen zweigleisigen Tunnel zwischen Staufenplatz und dem nördlichen Tunnelausgang am Tierheim in Rath. Vorher verlief dort oberirdisch die Güterzugstrecke von Rath nach Eller am Fuße des Grafenberger Waldes, die Teil der Bahnstrecke von Troisdorf nach Mülheim-Speldorf ist. Sie ist eine der am stark befahrensten Güterstrecken in Deutschland.

Und davon konnten schon die Anwohner seit der Eröffnung am 18. November 1874 durch die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft berichten. Die drei Bahnübergänge am Mörsenbroicher Weg, an der Graf-Recke-Straße und vor allem am Staufenplatz erwiesen sich schon bald als Verkehrshindernis. Am 15. Oktober 1894 hatte die Stadt mit dem Bau der ersten elektrischen Straßenbahnlinie begonnen. Sie führte von der Schützenstraße/Am Wehrhahn über die Grafenberger Allee bis zur Endstation in Grafenberg vor der Bahnschranke. An Sonn- und Feiertagen nutzten besonders viele Ausflügler die Straßenbahn. Erst am 28. Juli 1898 fuhr die Straßenbahn über die Bahnkreuzung bis zum Staufenplatz und 1902 weiter bis Gerresheim. Waren die Schranken geschlossen, hatte die Tram immer ordentlich Verspätung. In späteren Jahren bildeten sich dann auch lange Autoschlangen. Ich selbst habe in den 1970er-Jahren so manches Mal vor den Bahnschranken gestanden und die Zahl der Waggons gezählt. 50 bis 60 Wagen waren damals keine Seltenheit und da kann man sich vorstellen, dass bei mehreren Zügen hintereinander das Warten recht lange dauerte. Vereinzelt fuhren sogar noch Dampfloks auf der Strecke.

Bürgerverein setzte sich für eine Tunnellösung ein

Bereits 1903 gründete sich der Bürgerverein Düsseldorf-Grafenberg mit dem Ziel, eine Brückenquerung am Staufenplatz zu verhindern. Die Staatsbahn wollte damals die Bahnlinie auf einen Damm setzen. Das wäre aber wie eine Mauer durch den Stadtteil gewesen. 1971 startete der Bürgerverein eine Kampagne gegen die Höherlegung der Bahntrasse, nachdem die Bundesbahn die alten Pläne eines Hochdamms hervorgeholt und überarbeitet hatte. Federführend waren hierbei der Architekt Otto Götzen, Beisitzer im Bürgerverein, und der Erste Vorsitzende Bruno Recht. Der FDP-Lokalpolitiker war seit 1976 Bürgermeister der Stadt Düsseldorf und setzte sich für eine Tunnellösung ein. Schließlich einigten sich Stadt und Bundesbahn auf einen Tunnel und Ende der 1970er-Jahre begann der Bau. Die Einweihung des Tunnels feierten die Grafenberger mit einem Umzug und einer symbolischen Beiseiteräumung der Bahnschranken. Über dem Tunnel ist ein grünes Band mit Fuß- und Radwegen sowie einer Kleingartenanlage entstanden. An der Rampe im Bereich des Ostparks wurden nach Protesten der Anwohner später zusätzlich Lärmschutzwände angebracht. Den beiden Vorkämpfern für den Tunnel setzte die Stadt mit dem Otto-Götzen-Weg und dem Bruno-Recht-Weg eine bleibende Erinnerung.

Autor:

Norbert Opfermann aus Düsseldorf

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