Amuse-Gueule

Kennen Sie diese appetitlichen, kleinen Häppchen, die zu besonderen Gelegenheiten als Vorspeise zu einem feierlichen Menu serviert werden?
Einfach köstlich! Da spielt es auch keine Rolle, dass sie manchmal nicht ganz so mundgerecht daher kommen. Es tut dem Geschmack keinen Abbruch, wenn man diese liebevoll bereiteten Gaumenfreuden in einem unbeobachteten Moment in die hohle Hand kippt und mit einer schnellen Bewegung in den Rachen schmeißt. Ich spreche da aus Erfahrung.

Die Bewältigung eines solchen Genusses ist ein reines Luxusproblem. Ebenso wie die Überlegungen, die einem verlängerten Zeltwochenende in NL vorangehen: Werden die angeknacksten Stangen des Billigzelts auch stärkerem Wind standhalten? Wie viele Jacken braucht man, um sich auch bei einstelligen Temperaturen wohl zu fühlen? Was werden wir essen…

Drei Tage Grillfleisch und Cocktailtomaten schmecken einfach göttlich, wenn der Himmel über der freien Wiese offen steht. Einer bäckt in seinem mitgebrachten dutch oven in den durchgeglühten Kohlen Rosinenbrötchen. Ein anderer geht mit den Kindern Brennnesseln pflücken und kocht auf seinem Campingkocher eine Suppe, die einem die pure Freude ins Gesicht zaubert.

Ein paar Bälle, drei/vier Kettcars, Wikingerschach und der Tag gehört mir. Eine junge Mutter liest 'voll guter Hoffnung' ein Buch, ein paar haben sich zurückgezogen, um den Schlaf nachzuholen, der ihnen in gemütlicher Runde bis tief in die Nacht oder beim frühmorgendlichen Angeln entgangen ist. Nichts muss. Alles geht. Man macht einfach. Wozu man gerade Lust hat.

Die Affen rasen durch den Wald, wohin sonst? Das Repertoire des Gitarristen ist schier unbegrenzt. Am besten gefällt mir das stille Lied, das kaum angestimmt werden kann. Der Herr sieht das Herz an!

An Pfingsten finde ich mich auf einem Festival wieder, wo nicht weniger als 40.000 zusammen gekommen sind, um Gott zu loben. Mir scheißt eine Taube auf die Schulter. HA, Gott hat Humor: er weiß, dass ich’s derbe mag! Mag sein, dass Glaube Opium für’s Volk ist. Ich hab‘ Kack dran und fühle mich gesehen und geliebt.

Es ist ein Wochenende der besonderen Art. In aller Einfachheit ein über die Maßen appetitliches Häppchen. Gemeinde aus der hohlen Hand sozusagen.

Auf dem Nachhauseweg halten wir noch kurz für ein Foto. Diese Gegend ist so schön! Und ich will das Bild der Storchendame mit ihrem jungen im Nest inmitten des platten, weiten Landes immer vor Augen haben, mich, wie sie dem Wind bewusst aussetzen, auch wenn, oder gerade weil er weht wo er will.

Nachsatz: Wieder zu Hause in den eigenen vier Wänden bin ich dann doch ganz froh, dass das pfingstliche Brausen der sturmfreien Bude, die wir den beiden Großen überlassen hatten, keinen Abbruch getan hat. Ihr seid einfach nur klasse!!!

Autor:

Femke Zimmermann aus Düsseldorf

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