Viel Lärm um die neuesten Erweiterungspläne des Flughafens Düsseldorf

Gegen den Fluglärm während der Nachtstunden am Flughafen Düsseldorf engagieren sich die „Bürger gegen Fluglärm“. | Foto: pixelio/Gräbner
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  • Gegen den Fluglärm während der Nachtstunden am Flughafen Düsseldorf engagieren sich die „Bürger gegen Fluglärm“.
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Die Betreibergesellschaft des Flughafens Düsseldorf plant Großes und angesichts des geplanten Antrags für mehr Flugbewegungen, des Ausbaus der Parkpositionen auf dem Vorfeld und der Infrastruktur für die neue Generation von Superjets wie dem Airbus A 380 läuten bei den beiden Kettwigern Georg Regniet und Jürgen Weichelt von der Bürgerinitiative „Bürger gegen Fluglärm“die Alarmglocken.

Über die Folgen der geplanten Ausbaumaßnahmen des Flughafens Düsseldorf für Kettwig, Werden und viele andere angrenzende Städte und Gemeinden sowie über die grundsätzliche Problematik von Flügen während der Nacht sprach der Kettwig Kurier mit den beiden Vorsitzenden der Ortgruppe Kettwig der „Bürger gegen Fluglärm“.

Welche angedachten Maßnahmen des Flughafens sorgen denn dafür, dass sie eine neue Dimension des Protestes voraussagen?
Georg Regniet: „Es ist die Vielzahl der Veränderungen, die die Betreibergesellschaft plant, die uns fast schon fassungslos macht. Zum einen wollen sie in ihrem neuesten Antrag zur Erweiterung der Betriebsgenehmigung die Anzahl der Flugbewegungen pro Stunde von 45 auf 60 erhöhen. Außerdem soll die Anzahl der Abstellplätze für Flugzeuge, die über Nacht in Düsseldorf bleiben sollen, deutlich erhöht werden. Als Gegenleistung spricht die Betreibergesellschaft davon, die Gebühren für Landungen nach 22 Uhr zu erhöhen. Rechnet man diese Erhöhung aber mal gegen, dann ist das ein schlechter Witz.“

Was würden Sie sich stattdessen denn vom Flughafen Düsseldorf wünschen?
Jürgen Weichelt: „Uns würde es reichen, wenn er sich wirklich strikt an das Nachtflugverbotzwischen 22 und 6 Uhr hält und den Bürgern, die unter den ständigen Verstößen leiden müssen, einfach mal die Wahrheit sagen würde.“

„Wir wollen den Flughafen doch nicht schließen, er soll sich nur endlich an das Nachtflugverbot halten. Das ist unser Ziel und mehr nicht.“ Jürgen Weichelt

Also sind Sie nicht grundsätzlich gegen den Flughafen Düsseldorf?
Weichelt: „Quatsch. Bis auf ein paar Hardliner in unseren Reihen wissen wir um die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens und nutzen ihn ja, entweder aus beruflichen oder privaten Gründen, auch mal selber. Was uns und unsere Familien nur in den Wahnsinn treibt, sind diese ständigen Flüge nach 22 Uhr. Das raubt einem die Nachtruhe und macht einen auf Dauer krank.“

Ist es denn wirklich so schlimm?
Regniet: „Ja. Wir haben etwa im Garten von Jürgen Weichelt regelmäßig Werte von 75 dba gemessen. Das wäre genauso, als wenn man in einem Zelt an einer Landstraße schlafen müsste und zwischen 22 Uhr und Mitternacht donnert in fünf Metern Entfernung alle fünf Minuten ein Schwerlastzug vorbei. Diese Belastung macht auf Dauer krank.“

„Die Formel mehr Fluggäste gleich mehr Personal stimmt nicht. Denn seit 2010 ist die Zahl der Passagiere gestiegen, der Mitarbeiter aber nicht.“ Georg Regniet

Wie viele Menschen sind denn insgesamt von diesem Problem betroffen?
Regniet: „Insgesamt sind es in unserer Region rund 860.000 Menschen, die tagtäglich in unterschiedlicher Ausprägung vom Fluglärm betroffen sind.“

Wenn man jetzt zwei Zahlen mal in Relation setzt. Zum einen die 860.000 Anwohner und dann die rund 5.000 Mitglieder, die die „Bürger gegen Fluglärm“ haben – das ist doch nur ein schwindend geringer Anteil. Oder?
Weichelt: „Wenn sie das so sehen wollen schon. Doch wir werden immer mehr. Und in den vergangenen Wochen, seitdem die aktuellen Erweiterungspläne des Flughafens öffentlich geworden sind, da bekommen wir täglich mehrere dutzend Anfragen von Menschen aus Werden, Burgaltendorf bis hin nach Bochum, was das denn für Auswirkungen hätte. Langsam, aber sicher wacht aus unserer Sicht die Bevölkerung endlich auf.“

Aber wenn Sie mit ihren Forderungen durchkommen und der Flughafen macht um Punkt 22 Uhr dicht, nehmen wir akute Notfälle einmal aus, dann hätte das doch auch für jeden Passagier deutliche Folgen?
Weichelt: „Sicherlich. Wenn weniger Maschinen starten und landen, dann würden die Ticketpreise garantiert steigen. Aber fünf Euro mehr pro Ticket sind unserer Meinung nach ein fairer Preis dafür, dass hunderttausende Menschen in Ruhe schlafen können.“

Was für Alternativen gebe es denn aus ihrer Sicht, um die Anzahl der Flugbewegungen zu reduzieren?
Regniet: „Grundsätzlich müsste man doch erst einmal schauen, ob die ganzen Inlandflüge überhaupt wirtschaftlich rentabel sind. Alleine die 2.000 Flüge im Jahr von Düsseldorf nach Frankfurt und wieder zurück sind für mich vollkommen unsinnig. Mit dem ICE ist man mindestens genauso schnell, kommt mitten in der Stadt an und kann sofort ins Hotel. Aber die Bahn ist als Alternative für viele einfach zu teuer.“

Wie kann das sein?
Weichelt: „Das würden wir auch gerne wissen. Es gibt in dieser Hinsicht ganz verrückte Geschichten. Wir haben uns vor einigen Wochen mal mit Mitgliedern der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf unterhalten. Wir wollten wissen, ob die Geschäftsleute abends in der Stadt bleiben oder wieder nach Hause fliegen. Und die Antwort hat uns selber erstaunt. Nach den Informationen der Messe kommt ein Großteil der Besucher, aber auch der Aussteller morgens mit der ersten Maschine nach Düsseldorf und fliegt abends mit einem der letzten Flieger wieder nach Hause. Und das ist für ihn deutlich preiswerter, als wenn er in Düsseldorf übernachten würde. Das ist doch nicht normal.“

Schließen wir jetzt den Kreis und kommen zum Anfang zurück. Die Betreibergesellschaft des Flughafens argumentiert, dass sie um wettbewerbsfähig zu bleiben, diese Erweiterung braucht. Wenn nicht, dann stünden Arbeitsplätze auf dem Spiel. Also würden Sie diese vernichten.

Regniet: „Das stimmt so nicht ganz. Natürlich wollen wir keine Arbeitsplätze vernichten und ich weiß, dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze ein unwiderlegbares Argument ist. Aber nach unseren Daten haben die letzten Ausbaustufen am Flughafen Düsseldorf keinen einzigen neuen Arbeitsplatz generiert. Die Zahl der Passagiere ist seit 2010 stetig gestiegen, die Zahl der Mitarbeiter aber gleich geblieben. Und geht man noch ein bisschen weiter zurück, dann arbeiten nach unseren Zahlen heute weniger Menschen auf dem Flughafen als 2008. Also funktioniert, die Rechnung mehr Flüge gleich mehr Personal, nicht.“

Die Personen:
Jürgen Weichelt (75) ist Pensionär und gebürtiger Kettwiger. Er engagiert sich seit 2004 bei den „Bürgern gegen Fluglärm“ und leitet zusammen mit dem Kettwiger Georg Regniet (51) die Ortgruppe der Bürgerintiative in Kettwig.

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Gegen den Fluglärm während der Nachtstunden am Flughafen Düsseldorf engagieren sich die „Bürger gegen Fluglärm“. | Foto: pixelio/Gräbner
Jürgen Weichelt (l.) und Georg Regniet engagieren sich bei den „Bürgern gegen Fuglärm“.
Autor:

Sven Krause aus Mülheim an der Ruhr

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