Der Schmied von der Müngstener Brücke

Schmied Michael Bauer-Brandes vor der markanten Müngstener Brücke.
  • Schmied Michael Bauer-Brandes vor der markanten Müngstener Brücke.
  • hochgeladen von Norbert Opfermann

Direkt unter der mächtigen Müngstener Brücke in Solingen hat Michael Bauer-Brandes seine Schmiede. Aber hier wird nicht nur Metall geschmiedet, sondern ebenfalls Bünde fürs Leben. In dem Schaltkotten im Müngstener Brückenpark können sich Ehepaare symbolisch noch mal das Ja-Wort geben nach der standesamtlichen Trauung. Und zum hundertjährigen Brückenjubiläum 1997 schmiedete Bauer-Brandes den goldenen Niet nach, der als letzter Bolzen in der Brückenkonstruktion verschraubt worden sein soll.

Der Schmiedemeister war schon als Junge begeistert von germanischen Heldensagen. „Besonders die Sage von Wieland dem Schmied hatte es mir angetan“, sagt Bauer-Brandes. Schon in der sechsten Klasse zeigte sich sein Faible fürs Handwerkliche. „Ein Lehrer sagte zu meiner Mutter: Wenn Sie dem Jungen die Wahl lassen zwischen einem Eimer Farbe und 50 Vokabeln, dann nimmt der den Eimer Farbe“, erzählt er.

Sein Handwerk hat der gebürtige Darmstädter von der Pike auf gelernt. In seiner Heimatstadt machte er eine Ausbildung zum Bauschlosser und begann als Autodidakt das Schmieden. Ein älterer Schmied zeigte ihm besondere Kniffe. Seine Gesellenjahre verbrachte er einige Zeit auf Wanderschaft in Südamerika. Dann arbeitete er als Werkstattleiter in einer Darmstädter Firma. Dort erlernte er dann sieben Jahre lang das Schmiedehandwerk Doch er wollte mehr die handwerklichen Details ausarbeiten und sein Können verfeinern. „Die Suche nach einer Schule brachte mich schließlich nach Solingen“, erzählt Bauer-Brandes.

Seit 1999 ist er nun in Solingen als Schmied und Künstler tätig. An der Fachschule Solingen machte er seinen Techniker Fachrichtung Metallgestaltung und Meister. Zu dieser Zeit lernte er auch den Besitzer des Müngstener Schaltkottens kennen und zog an die Wupper. Der Kotten wurde um 1574 in Müngsten erbaut, das über Jahrhunderte als Zentrum der Stahlbe- und -verarbeitung galt.

Seitdem schafft er dort aus dem Feuer nicht nur Tore, Türen, Klinken und Geländer sowie Sonderanfertigungen für seine Kunden, sondern gestaltet Skulpturen aus dem glühenden Metall. Seine Kunstwerke stehen im Brückenpark nebenan, aber u.a. auch im Sinneswald in Leichlingen.

An seinem Beruf liebt er, „aus dem harten Metall etwas herzustellen, bei dem das Ausgangsmaterial seinen Charakter von kalt, hart und zäh hin zu weich, schwungvoll und sogar anmutig verändert.“

Um sein Handwerk ist ihm nicht bange. Er findet immer begeisterungsfähige Jugendliche. Mindestens zwei Auszubildende hat er regelmäßig, dazu kommen viele Praktikanten. Von den Schulen wünscht er sich mehr Unterstützung für das Handwerk, insbesondere im Kunstunterricht. „Eine handwerkliche Ausbildung kann man ein Leben lang nutzen“, sagt Bauer-Brandes. „Wenn man seinen Neigungen und Vorlieben beruflich nachgehen möchte, dann ist eine handwerkliche Ausbildung genau richtig um seine Fertigkeiten zu vertiefen.“

Autor:

Norbert Opfermann aus Düsseldorf

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