Frühlingsanfang

Die Sonne lacht, was das Zeug hält. Klar, da muss man Eis essen gehen. Wen jucken die Minusgrade?

Seit gefühlten Ewigkeiten fröstelt es und ich habe wenig Lust, mich schon wieder der eisigen Kälte zu stellen, aber ich brauche Brot und Milch und einen triftigen Grund, um vor die Tür zu gehen. Ich muss endlich raus. Aus meinen trüben Gedanken.

Der Kleine fährt singend auf seinem City-Roller voraus, fröhlich dem ersten Eis des Jahres entgegen. Heute ist Frühlingsanfang. Ich komme mit meinen neunundvierzig Lenzen nicht hinterher, aber was soll’s? Es ist ein Vorteil des Älterwerdens, dass sich die Gesetzlichkeiten verinnerlicht haben: Auf den Winter folgt ganz gewiss, spätestens, irgendwann das Frühjahr.

Er rollt durch den Marken-Discount, am duftenden Backautomaten vorbei und kommt am Ende des Ganges, gerade eben noch vor dem Weinregal zum stehen. Ich spare mir die Zurechtweisung und den Schweißausbruch, anstatt dessen bemerke ich positiv, dass ich allmählich auftaue.

Der Eisverkäufer wartet nur auf uns. Ein paar ältere Herrschaften nicken uns freundlich zu – der Cappuccino beim Italiener und ein Achtjähriger auf seinem Roller sind der Höhepunkt ihres Tages. Die Kugel Eis kostet schon wieder zehn Cent mehr, aber sie erscheint dafür doppelt so groß.

Es ist alles eine Frage der Sichtweise.
Neben der Milch, dem Brot und dem Katzenfutter (kann man immer mal gebrauchen) schleppe ich nun auch noch den City-Roller. Das hält warm, während mein Kleiner die ganze Aufmerksamkeit seinem Eis widmen kann, das bei diesen Temperaturen kein bisschen schneller schmilzt als es soll.

Auf einem sonnigen Bänkchen nehmen wir Platz und gucken Leute. Als die dritte Omi an einem Rollator vorbeigeschoben kommt, erkläre ich ihm die Redewendung „da muss ein Nest sein.“ Die passierenden Opis ordnen wir einem anderen Nest zu und unterteilen sie dem geschätzten Alter nach in „halbe Opis“, „viertel Opis“ und „dreiviertel Opis“. Wir lachen mit der Sonne um die Wette, bis der selbsternannte „hundertstel Opi“ neben mir Pippi muss.

Auf dem Nachhauseweg errechnet er, dass wir ganze 7 ¼ Opis gesehen haben.
Seine Mathe-Lehrerin darf stolz auf ihn sein.
Und mir ist trotz klirrender Kälte einfach nur unendlich warm um’s Herz.

Autor:

Femke Zimmermann aus Düsseldorf

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