Kommentar: Das Geld bleibt auf der Straße liegen

Ein Mülleimer an der Rheinuferpromenade in der Nähe des Apollo Varieté.

Wer kennt sie nicht, die Düsseldorfer Flaschensammler? Ob Cola, Wasser oder Bier, ob Dose, Einweg- oder Mehrwegpfand: Sie sortieren, schaffen Ordnung, verhindern Restmüll, schützen die Umwelt, sind fleißig und gut organisiert. Gerade jetzt, wo viele den Abend bei Grillfleisch und einer Flasche Bier am Rhein oder in den Parkanlagen ausklingen lassen, gibt es einiges zu tun. Denn die Masse macht’s.

Pfandflaschen zu sammeln ist für viele Menschen in dieser Stadt ein wichtiges Zubrot, die Sammler stammen aus vielen sozialen Schichten. Das haben Soziologen herausgefunden. Hierbei geht es nicht immer um Geld, sondern um eine sinnvolle Beschäftigung und den Kontakt zu Menschen.

Da gibt es in der Landeshauptstadt etwa den gut gekleideten älteren Mann im Anzug, der mit seiner Metallzange nach etwas „Brauchbarem“ in den Mülleimern sucht, den coolen Jugendlichen, der mit seinem BMX-Rad und seiner überdimensional großen Tasche die Augen nach Flaschen und Dosen aufhält oder den Obdachlosen, der vor mir im Supermarkt sein Pfand einlöst. Eine der bekanntesten Sammlerinnen - und für mich schon eine feste Institution in der Altstadt - ist die ältere Lady, die an warmen Tagen stets ihr Glück an den Treppen am Schlossturm versucht. Flaschensammler gehören zum Stadtbild ganz selbstverständlich dazu. Und für viele sind Ein- und Mehrwegflaschen Geld, das im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße liegt. Dachte ich immer.

Immer häufiger muss ich mich jedoch wundern, wenn ich am Rheinufer noch etwas die Abendsonne genieße. So wie am letzten Sonntag. Drei Sammler waren unterwegs, aber vor den Mülleimern „stapelten“ sich die leeren Bierflaschen. Auf der Wiese um uns herum blieben zig Glas-Pfandflaschen einfach liegen. Sind sie zu schwer und unhandlich? Lohnt sich der Aufwand für 8 Cent nicht (mehr)? Zerbrechen sie zu häufig oder haben diese Mehrwegflaschen einfach keinen „Sammlerwert“ mehr? Eines ist sicher: Mehrwegflaschen aus Glas können 50 Mal gefüllt werden, bevor sie ausgedient haben. Und sie enthalten keine schädlichen Weichmacher. Schade nur, dass viele von ihnen einfach im Müll landen. Ich denke, die Höhe des Pfands sollte einfach getauscht werden. Dann macht Glasflaschen sammeln auch wieder Sinn.

Autor:

Kirstin von Schlabrendorf-Engelbracht aus Düsseldorf

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