Branchen-Boom
Immer mehr Lebensmittel Lieferanten auf den Straßen

Das Geschäft, dessen Türe REWE vor einigen Jahren einen Spalt weit geöffnet hat, explodiert mittlerweile förmlich. Es geht um Lebensmittel-Lieferservices, die den Freizeitlosen, Senioren, Kranken oder schlicht Faulen Menschen die wöchentlichen Einkäufe bis an die Haustür bringen. Frei nach dem Motto „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, gibt man die Bestellung einfach online auf der Webseite oder mobil via App auf und bereits wenige Zeit später klingelt eine nette, junge (und vor allem körperliche fitte) Person an der Tür. Besonders für die Menschen, die nicht mehr selbst in der Lage sind, vor Ort im Supermarkt einzukaufen, ergibt diese Methode natürlich Sinn. Doch nicht alles, was glänzt ist auch Gold. Es ist wichtig zu verstehen, wie die aktuelle Entwicklung voran geht und welche Problematiken sich dadurch ergeben.

Ballungsraum Düsseldorf – Die Straßen sind voll

Üblicherweise werden neue Geschäftsideen in Gebieten ausprobiert, in denen eine Menge potenzielle Abnehmer angesiedelt sind und wo die Infrastruktur einer ausgiebigen Testphase Stand hält. So ist auch für die Lebensmittel-Lieferservices Düsseldorf ein hervorragendes Testgebiet. Breite Straßen, viele fahrradfreundliche Lieferwege und vor allem eine große Anzahl an testfreudigen Einwohnern. Wie eingangs erwähnt, bietet REWE bereits seit einigen Jahren einen Lieferservice an. Damals gab es jedoch nicht jedes Produkt aus dem Sortiment auch zur Lieferung, da ein sicherer Transport nicht für jedes Produkt gewährleistet werden konnte. Mittlerweile hat sich das Bild dieser Branche jedoch stark verändert. Neben REWE gibt es jetzt mehr Anbieter, als man an den Händen abzählen kann. Es wird sich gegenseitig überboten, wer die schnellere Lieferzeit garantiert. Beinahe jedes Produkt aus dem Supermarktregal gibt es nun zu bestellen. Fleisch, Fisch, Fleischersatz,fructosefreie Lebensmittel, lactosefreie Lebensmittel, TK-Ware, etc. Auch eine Bewegung entgegen den Discounter-Produktsortimenten gibt es, so wird der Fokus auf saisonale und regionale Produkte gelegt.

Expansion in Nachbarstädte

Dass sich das Geschäft lohnt, hat sich durch die schnell wachsende Branche gezeigt. Es geht nun darum neue Gebiete möglichst als Erster zu erschließen, um sich schnell einen Namen machen zu können. Grade die Lieferdienste, die per Claim innerhalb von einer bestimmten Zeitspanne ausliefern wollen, haben damit Probleme. Die Lager sind weiter weg, es müssen mehr Lieferanten eingestellt werden und nicht überall ist die städtische Infrastruktur so gut wie in den Ballungsräumen. Auch daher kann es sich lohnen schnell zu sein. Plätze für Zentrallager mit guter Anbindung für eine schnelle Lieferung sind rar. Womit jedoch vermutlich keiner so stark gerechnet hat, ist der Ansturm auf die Lieferdienste in den Randgebieten. Wer sich anmeldet, landet meist zunächst auf einer langen Warteliste.

Ein Blick in die Zukunft

Normalerweise ist es schwer eine Prognose für die Zukunft abzugeben, wenn sich die betreffende Branche so rasant weiterentwickelt. In diesem Fall gibt es allerdings schon einige Pressemeldungen, die einen Blick in die Kristallkugel möglich machen. Anfänglich waren die bestellenden Personen zum Beispiel noch zögerlich, ob der Frische der bestellten Produkte. Mittlerweile wich das Zögern aber der Erleichterung, einer möglichen Covid-19 Ansteckung im Supermarkt aus dem Weg gehen zu können. Das hat zu Einnahmen jenseits der betriebsinternen Prognosen geführt, die die Unternehmen dann wieder nutzen können, um weiter zu expandieren und die Entwicklung weiter voranzutreiben. Auch scheint der Kundenstamm gesichert zu sein, denn viele der Covid-Bestellenden gaben bereits an, nach der Pandemie weiterhin online einkaufen zu wollen. Kehrseite der Medaille sind leider erschreckend schlechte Arbeitsbedingungen für die Lieferanten. Grund dafür sind zum Beispiel die großen Serviceversprechen der Unternehmen, die dann wiederum die Gewinnmarge auf Kosten der Angestellten umzulegen versucht. Hier ist nur zu hoffen, dass durch das bevorstehende Aufspringen ausländischer Konkurrenz auf den Markt der Druck auf die Arbeitgeber wächst, zwecks Mitarbeiterbindung deren Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Autor:

Rüdiger Pietschmann aus Hilden

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