Schmettern und schnibbeln im Rollstuhl

Den Blick immer auf den Ball gerichtet. Fotos: WachterStorm
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Die Tischtennis-Bundesliga machte mit ihrem ersten Spieltag am gestrigen Samstag Station in der Tabakstadt Rees. Mit dabei auch der amtierende deutsche Meister. Es gab spannende und tolle Ballwechsel.

von jörg terbrüggen

REES. Es war jetzt aber nicht Timo Boll, der den kleinen Ball mit viel Wucht über das Netz schmetterte. Die Namen der Spieler dürfte Tischtennis-Laien eher unbekannt sein, denn die Männer an der Platte spielten nicht in Düsseldorf oder Ochsenhausen, sie kamen vielmehr aus Bayreuth, Koblenz, Frankfurt, Berlin, Plattling, Husum oder Duisburg.
Der TTV Rees-Groin hatte zum dritten mal einen Bundesliga-Spieltag des deutschen Rollstuhlsportverbandes ausgetragen. Aber die Männer in den Rollstühlen standen den sogenannten „Fußgängern“ in nichts nach. Da wurde geschmettert und geschnibbelt was das Zeug hielt. Der Rollstuhl schien sie in ihren Aktionen kaum zu behindern. Nur die langen Bälle in die Ecken oder die kurzen hinter das Netz stellte manchen schon mal vor eine unlösbare Aufgabe.
Und so manch ein Hobbyspieler hätte hier in dem ein oder anderen Ballwechsel sicherlich das Nachsehen gehabt. „Unterschiede gibt es kaum“, erklärte dann auch Andre Weidemann, der sowohl für den ausrichtenden Verein als Mannschaftskapitän der dritten Herrenmannschaft in der Kreisliga fungiert, als auch für die Behindertensportgemeinschaft Duisburg an den Start ging. „Das Spiel ist mehr taktisch geprägt aufgrund der Behinderung. Man versucht natürlich die Schwächen des Gegners auszuspielen.“ Andre Weidemann selbst sitzt seit 13 Jahren im Rollstuhl und spielt seit zehn Jahren Tischtennis. „Das wurde als Rehasport in der Unfallklinik angeboten“, so Weidemann. Drei mal in der Woche trainiert er wie die „Fußgänger“.

Jeweils zwei Mann bildeten hier in der Bundesliga ein Team. Dabei spielte jeder gegen jeden. Bei den Regeln gab es keinerlei Unterschiede, nur im Doppel galt die Ausnahme, dass der Spieler den Ball annehmen durfte, der ihn besser erreichte. Hier wurde also nicht im Wechsel gespielt, wie bei den „Fußgängern“.
Dass die Jugendlichen und Männer mit dem kleinen Ball umgehen können, zeigte die Tatsache, dass fünf Teilnehmer von ihnen in zwei Wochen an den Weltmeisterschaften in Südkorea teilnehmen. In der Turnhalle der Anne-Frank-Schule wurde übrigens der amtierende Meister seiner Favorittenrolle gerecht. Die RSG Koblenz 1 gewann alle drei Spiele.

Die Tischtennisabteilung des TTV Rees-Groin als Ausrichter hatte alles bestens organisiert. 30 Helfer in zwei Schichten kümmerten sich um einen reibungslosen Ablauf und fungierten als Schiedsrichter und Ballsammler. Zum Dankeschön ging es für die Helfer nach dem Turnier noch auf die Bocholter Kirmes.

Den Blick immer auf den Ball gerichtet. Fotos: WachterStorm
Andre Weidemann vom TTV Rees-Groin. Er spielte für die BSG Duisburg.
Autor:

Jörg Terbrüggen aus Emmerich am Rhein

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