Parkplatz oder Gehweg? Verwirrendes aus Kettwig...

So weit und nicht mehr: Cornelia Juchniewskis Fahrzeug ragte über die "Grünfläche" hinweg. Nun bekam die 56-Jährige Post vom Ordnungsamt
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Seit 20 Jahren ist Cornelia Juchniewski in Kettwig heimisch, kennt also die hiesigen Gepflogenheiten. Wo und wann man hier parken darf, das ist ihr geläufig. Dachte sie zumindest...

Derzeit ist die 56-Jährige in einem Bekleidungsgeschäft auf der Hauptstraße tätig, ihren Wagen stellt sie -wie viele andere auch - am Markt ab. Bekanntlich sind diese Parkplätze begehrt, und wenn diese mal wieder vergeben sind, dann parkt sie ihr Auto zwischen den Bäumen in zweiter Reihe. Wie viele andere auch.

Lange Zeit ging das gut, bis zum Oktober des vergangenen Jahres. Cornelia Juchniewskis Fahrzeug „stand auf dem Gehweg und der Grünanlage - nicht auf dem Parkstreifen“, notierte das Ordnungsamt - und das gleich zweimal. Macht zusammen ein Verwarnungsgeld von 50 Euro.

Damit ist die Betroffene ganz und gar nicht einverstanden: „Außerhalb der Marktzeiten ist das Parken hier erlaubt. Die Fläche gilt als Marktplatz, nicht als Bürgersteig“. Die Richtigkeit dieser Einschätzung habe ihr sogar ein Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes bestätigt. Zumal ihr Wagen zwischen den Bäumen stand und so genug Platz für Fußgänger blieb.
Auch am Begriff „Grünfläche“ stößt sich Cornelia Juchniewski. „Brachfläche“ sei angesichts des kärglichen Zustands der passendere Ausdruck. „An Markttagen stehen doch die Händler mit ihren Ständen darauf“, betont sie.
Im Ordnungsamt war man offensichtlich anderer Meinung, die zuständige Sachbearbeiterin in der Bußgeldstelle ist allerdings erkrankt und derzeit nicht zu erreichen. Ihre Kollegin Astrid Büttner kann nur soviel berichten: „Die Kollegin hat so entschieden, das Verwarnungsgeld ist als Angebot bestehen geblieben, auch nach der Eingabe der Betroffenen.“

Soll heißen: Dem Verwarnungsgeld folgt normalerweise ein Bußgeld, das Cornelia Juchniewski knapp das Doppelte kosten würde. Von diesem Glück wusste die „Parksünderin“ allerdings noch nichts: „Auf meine Eingabe habe ich keine Antwort erhalten.“

Diese ist allerdings auch nicht vorgesehen, wie Rüdiger Wittkat, Abteilungsleiter Verkehrsüberwachung im Ordnungsamt, erläutert: „Das Verwarnungsverfahren ist ein verkürztes. Wenn die Eingabe negativ beschieden wurde, kommt da nichts. “ Ein weiterer Einspruch sei erst im Rahmen des Bußgeldverfahrens möglich - dafür müsste sich Juchniewski rechtlichen Beistand suchen.

Ob sie bereit ist, den Rechtsweg einzuschlagen, weiß sie noch nicht. „Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht“, bemerkt sie, obwohl sie sich vollends im Recht wähnt. Die widersprüchlichen Aussagen scheinen sie dennoch verunsichert zu haben.

Denn die wichtigste Frage bliebe noch zu beantworten: Markt- und damit Parkplatz oder Bürgersteig? Weder noch: Das Stück zwischen Parkbuchten und Raum für Fußgänger gilt als „Anlage im Sinne der ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Stadtgebiet Essen“, wie Hans-Jürgen Barthel, Leiter des Verkehrsüberwachungaußendienstes berichtet.

„Um in dem Raum zwischen den Bäumen parken zu können, muss der Gehweg befahren werden. Und dort gehören Autos nun mal nicht hin“, so Barthel weiter. Und auch, wenn sie nicht im satten Grün erstrahlt, sei die Fläche schützenswert: „Wenn die Fläche ständig zugestellt ist, verdichtet sich die Erde und die Bäume bekommen kein Wasser.“

Aus diesen Gründen seien die Ausführungen des Kollegen, den Cornelia Juchniewski angetroffen haben will, nicht korrekt. „Nur weil es da nicht steht, heißt das nicht, dass man dort parken darf. Im Zweifelsfall würde ich hier nicht parken“, rät Barthel abschließend.
Wie aber kann es sein, dass Cornelia Juchniewski nun zur Kasse gebeten wird, während andere „Falschparker“ unbescholten bleiben? Nun, man könnte sagen, dass die 56-Jährige einfach Pech gehabt hat. Mit 80 Außendienstmitarbeitern in zwei Schichten muss das Ordnungsamt haushalten. Die können eben nicht immer überall sein und sind auch „nicht immer mit der gleichen Zielsetzung unterwegs“. Wenig tröstlich für Cornelia Juchniewski...

Autor:

Patrick Torma aus Essen-Nord

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