Das Bundesliga-Finale ruft: Der Abstiegskampf und seine wahren Dramen!

Jetzt geht sie wieder los, die nervenaufreibende Zeit für die Vereine und ihre Fans, die »unten drin stehen«. Und vor allem die Trainer und Spieler müssen nun durch ein Stahlbad der Gefühle. Auf dem Platz - und auch daneben!

Als Hans Meyer einmal die Hertha in höchster Not übernahm, wurde er gefragt, ob er das Abstiegsgespenst schon durch sein Haus habe geistern sehen. In seiner etwas spitzbübischen Art erwiderte der Trainerfuchs besonnen: »Es ist in Berlin angekommen. Aber noch nicht in meinem Schlafzimmer.« Geradezu vorbildlich, wie Meyer damals die Ruhe und Gelassenheit bewahrte.

Abstiegskampf ist jedoch nicht jedermanns Sache. Im April 1990 duellierten sich gleich zehn Mannschaften in der Fußball-Bundesliga um den Klassenerhalt. Ein Drama für die Nerven – und für das Portemonnaie, wie die Sport Bild damals unter der Überschrift »Das Haushaltsgeld wird knapp« eindrucksvoll beschrieb. Die wirklichen Tragödien, so sollte der Leser hier lernen, spielen sich nicht Woche für Woche auf dem grünen Rasen, sondern Tag für Tag zu Hause im heimischen Wohnzimmer ab.

Über dem Artikel prangte ein Foto, auf dem sich die Kleinfamilie Effenberg eng aneinandergekuschelt positioniert hatte. Unter dem zackigen Kommando des Fotografen »Bitte nicht lächeln« schaute man möglichst ernst und ein wenig verzweifelt, schließlich befand man sich mitten im Abstiegskampf und lebte aufgrund ausbleibender Prämien quasi von der Hand in den Mund. Was jedoch auffällt: Das nötige Kleingeld für Solariums-Besuche schienen beide Eheleute irgendwie noch zusammenkratzen zu können.

Abends saß Stefan Effenberg in diesen traurigen Zeiten »Stunden vor dem Fernseher. Videotext, die Bundesligatabelle, Rechenspiele.« Und seine Frau Martina »saß daneben und hat mit dem Haushaltsgeld gerechnet«. Als die Prämien ausblieben, wurde es mit den monatlichen Einkünften »eng«. Von den »knapp 4.000 Mark Grundgehalt netto« musste die vierköpfige Familie alle anfallenden Ausgaben bestreiten: »1.300 Mark für das Reihenhaus, 500 Mark für den Bausparvertrag, 500 Mark aufs Sparbuch.«

Moment einmal, nur 500 Mark fürs Sparbuch? Da kann man dann tatsächlich schon einmal »Schlafstörungen« bekommen und nachts »schweißgebadet wach« werden. Immer noch besser aber als diese schlimmen Träume »von Niederlagen und Verfolgungsjagden mit der Polizei«. Effenberg erinnert sich: »Sie haben mich gestellt und erschossen – da bin ich aufgewacht.«

Doch am Ende hat auch der Junioren-Nationalspieler – Gott sei Dank – mitten im Abstiegskampf seinen inneren Frieden und die nötige Ruhe gefunden, wie die Sport Bild damals berichtete: »Jeden Donnerstag geht er jetzt in die Kirche der katholischen Gemeinde St. Helene in Rheindahlen. Er sitzt immer rechts in der Bank und betet für sich, seine Frau, die Kinder und den Verein: Bloß nicht absteigen!« Und was soll man sagen: Alle Wünsche gingen in Erfüllung! Gut nur, dass die Katholiken so ein großes Herz haben, denn eigentlich ist Effenberg evangelisch …

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