Was Sie hören und was Sie besser lassen sollten

Lange hat man auf ein neues Lebenszeichen des erfolgreichsten deutschen Künstlers gewartet. Die Vorabsingle „Schiffsverkehr“ dröhnt seit ein paar Wochen aus den Boxen und seit Freitag dürfen die Fans auch das gleichnamige Album von Herbert Grönemeyer in den Händen halten. Ein Grund heute mal nur ein Album zu rezensieren, denn „Schiffsverkehr“ hat es verdient.

Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass „Schiffsverkehr“ Platz 1 der Albumcharts erklimmen wird, denn seit „4630 Bochum“ schaffte es der Bochumer mit all seinen Alben. Dabei gelingt es dem 54 jährigen immer, sich weiter zu entwickeln. So auch bei seinem neuen Werk, welches einerseits erfrischend anders klingt, aber trotzdem die typischen Grönemeyerschen Zutaten enthält.

Das Album entstand zum Grossteil in Stockholm u.a. auch in dem Studio des ehemaligen ABBA Mitgliedes Benny. Hier konnte der immer nuschelnde Vokalist seiner Liebe zu den Schiffen und dem Meer freien Lauf lassen, denn die schwedische Hauptstadt liegt direkt am Meer und kann nicht nur mit reichlich Dreimastern, sondern auch anderen Riesenschiffen aufwarten. Hier entstand auch die Idee zum Albumtitel. Hierbei soll der Begriff „Schiffsverkehr“ Lebensfreude und Spaß ausdrücken symbolisiert doch das Meer und die Fahrt auf diesem immer auch ein Stück Aufbruch und das Hintersichlassen der Sorgen.

Das Thema Aufbruch zieht sich auch wie ein roter Faden durch die insgesamt elf Stücke. Wie von Grönemeyer gewohnt sind aber auch sehr persönliche und gesellschaftliche Themen Inhalt des Silberlings. Im Titel „Deine Zeit“ setzt er sich mit der Krankheit Demenz auseinander, die auch seine Mutter befallen hat. Ähnlich wie damals bei „Der Weg“ treibt die Ballade einem Tränen in die Augen.

Mit „Auf dem Feld“ behandelt er den Afghanistankrieg ohne dabei mit dem Zeigefinger auf irgendwen zu zeigen. Vielmehr versucht er sich der Thematik aus dem Blickwinkel eines Betroffenen zu nähern.

Beim eigentlichen Abschlußtrack „So wie ich“ beweist er auch noch Humor, wenn er mit einem Augenzwinkern singt „Ich bin total in mich verliebt“.

Musikalisch schafft Herbert Grönemeyer den Spagat von gitarrenlastigen Rocksongs bis hin zu orchestralen Balladen. Bei letzteren sticht das wunderschöne „Zu dir“ hervor.

Das dreizehnte Werk des kosmopoliten Ruhrpottlers erschließt sich vielleicht nicht beim ersten Hören und auch die Texte sind nicht immer sofort verständlich, aber gerade das macht ein Meisterwerk aus, denn mit „Schiffsverkehr“ kann man sich auch länger beschäftigen.

Autor:

Kay Utermark aus Herdecke

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