Technologie der Zukunft ist Alltag in Herne
Künstliche Intelligenz revolutioniert Anästhesie

Professor Frey, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin im Marien-Hospital Herne, zeigt, wie durch den Einsatz künstlicher Intelligenz die neue Technik frühzeitig vor einem Blutdruckabfall warnt und die mögliche Ursache für den Abfall angibt.
  • Professor Frey, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin im Marien-Hospital Herne, zeigt, wie durch den Einsatz künstlicher Intelligenz die neue Technik frühzeitig vor einem Blutdruckabfall warnt und die mögliche Ursache für den Abfall angibt.
  • Foto: St. Elisabeth Gruppe
  • hochgeladen von Stephanie Klinkenbuß

Während einer Operation vorhersagen, wann sich der gesundheitliche Zustand eines Patienten verschlechtern wird - was zunächst nach einer Zukunftsvision klingt, ist nun mittels modernster Technik in der Anästhesie möglich: Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz erstellt ein Computer kontinuierlich Auswertungen, die vor einem Blutdruckabfall warnen, bevor er eintritt. Das Marien-Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, setzte diese Technik als erstes Krankenhaus in Deutschland routinemäßig bei Operationen ein.

„Bisher schlugen die Geräte erst Alarm, wenn es während einer Operation zu einem Blutdruckabfall kam. Dann konnten wir reagieren und den Blutdruck stabilisieren“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Frey, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin. „Die neue Technik reagiert viel früher. Sie analysiert die Blutdruckkurve kontinuierlich und kann aufgrund von künstlicher Intelligenz vorhersagen, ob in den nächsten fünf bis zehn Minuten ein Blutdruckabfall auftreten wird. Es handelt sich also um ein Frühwarnsystem - das hat es so noch nie gegeben“, ergänzt er.

Ein Blutdruckabfall während einer Operation könne bereits nach kurzer Zeit zu Komplikationen führen. Damit diese erst gar nicht auftreten, kommt die künstliche Intelligenz zum Einsatz, insbesondere bei größeren Operationen wie Erkrankungen der Aorta oder bei der Entfernung von Tumoren.

Gefäßerkrankungen oder Diabetes

Handelt es sich um einen Patienten, der aufgrund von Vorerkrankungen wie Diabetes oder Gefäßerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen Blutdruckabfall während einer Operation aufweist, wird die neuartige Technik ebenfalls eingesetzt. „Aktuell nutzen wir sie drei bis vier Mal pro Woche. So oft, wie kein anderes Krankenhaus in Deutschland“, erzählt der Klinikdirektor.

Die Technik besteht aus einem Sensor und einem Computer. Beide werden an das Blutdruckmessgerät angeschlossen. Dieses ist über einen Zugang in einem Blutgefäß mit dem Patienten verbunden. Somit kann der Sensor den Blutdruck des Patienten permanent überwachen und zeichnet jede kleine Veränderung - auch die, die ein Mensch nicht erkennen kann - auf. Die künstliche Intelligenz wertet die Überwachung dann laufend aus.

Aufgrund von Algorithmen und auf Basis von aufgezeichneten Daten lernt die künstliche Intelligenz selbstständig und sagt nicht nur voraus, dass der Blutdruck eines Patienten mit großer Wahrscheinlichkeit fallen wird, sondern gibt anhand einer Auswertung auch die wahrscheinliche Ursache für den Abfall an. Das ermöglicht es Ärzten, gezielte Maßnahmen einzuleiten, die dafür sorgen, dass der angekündigte Blutdruckabfall verhindert wird. „Die Tatsache, dass die künstliche Intelligenz in der Lage ist, neben der Frühwarnung auch die Ursache zu erkennen, ist ein bedeutender technischer Fortschritt in der Anästhesie“, sagt Prof. Frey. Somit können Komplikationen wie beispielsweise Nierenschäden, Schlaganfälle oder ein Herzinfarkt vermieden werden. „Eine von uns durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass unter Einsatz der Technik fünfmal weniger Blutdruckabfälle während einer Operation vorkommen. Das sind großartige Ergebnisse“, berichtet Prof. Frey.

Workshops auf Englisch für Fachpublikum

Seit 2019 befindet sich die neue Technik im Besitz der Klinik. Aufgrund ihres Wissenstandes bietet die Abteilung Workshops für Pflegekräfte und Ärzte sowohl aus dem eigenen Haus als auch für andere Krankenhäuser an. Derzeit finden die Workshops in kleinen Gruppen von acht bis 16 Teilnehmern statt. Inzwischen sind auch Workshops auf Englisch in der Planung, die sich an internationales Fachpublikum richten.

Autor:

Stephanie Klinkenbuß aus Recklinghausen

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