Stadtspiegel blickt hinter die Kulissen
Im RevuePalast Ruhr dreht sich alles um die Show

Ralf Kuta alias Dannyboy kurz vor der Show. Zum Schminken brauchen die Travestieprofis keine helfende Hand. "Eine Massage dabei wäre aber schon schön."
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  • Ralf Kuta alias Dannyboy kurz vor der Show. Zum Schminken brauchen die Travestieprofis keine helfende Hand. "Eine Massage dabei wäre aber schon schön."
  • Foto: Sara Drees
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Als um 20 Uhr das Opening „The Greatest Showman on Earth“ erklingt, scheint alles so wie bei jeder (außer-)gewöhnlichen Samstagabendvorstellung der neuen „Revue Royale“ im RevuePalast Ruhr. Ja, hätte sich eben nicht der STADTSPIEGEL am Bühnenrand versteckt, um exklusiv von Backstage über die heißeste Show in Herten und weit darüber hinaus zu berichten. Vorhang auf!

Von Sara Drees

Zwanzig Minuten vor Beginn herrscht hinter der Bühne des Ruhrpott-Glamours die absolute Gelassenheit. "Wir sind halt Vollprofis", ist das für Regisseur Ralf Kuta keine Überraschung. Ab 16/17 Uhr ist das Travestie-Ensemble an so einem Auftrittstag wie heute mit den Vorbereitungen beschäftigt. Insbesondere das aufwendige Make-Up braucht seine Zeit. "Der letzte Schritt sind die Lippen und die Haare", verrät Kuta, bevor er zur dunkelroten Farbe greift und sich damit endgültig in die Kunstfigur Dannyboy verwandelt.

Während Star-Moderatorin Jeanny noch schnell eine Nachricht an die beste Freundin verschickt - "Die soll mich später abholen ..." - folgt der große Auftritt der beiden "wichtigsten Männer im Team": Die Backstagemanager Rüdiger und Olli machen hauptberuflich "aus stattlichen Männern schlanke Frauen". Außerdem bauen Sie Bühnenausstattung wie die neuen Podeste, sind vor, während und nach der Show "Mädchen für alles". Dazu gehört auch eine schnelle Naht in letzter Minute oder einen geplatzten Reißverschluss mit einer Sicherheitsnadel zu flicken. Will noch jemand etwas trinken? Für Jeanny, die später live singt, ist es Tee für die erkältungsgeplagte Stimme ("Grippe ist keine Krankheit"), die anderen greifen zum Wasser, denn Alkohol vor der Arbeit ist hier tabu. Spätestens als der Gong schlägt, müssen dann aber wirklich alle in ihre Kostüme geschlüpft sein und auf Position stehen. "Man schwitzt übrigens wie Sau in den Kunststoffklamotten ..."

Neu: Revue Royale

Die "Revue Royale" setzt sich aus zwei Teilen á rund 60 Minuten zusammen, einem modern interpretiertem und einem klassischen, der die Höhepunkte aus zehn Jahren RevuePalast zusammenbringt. Gruppenpräsentationen und Soloparts wechseln sich ab. Von Marlene Dietrich über Janet und Michael Jackson bis Conchita Wurst ist alles dabei. Zwischen den Songs flirtet Jeanny gekonnt mit dem Publikum und lenkt von Umbauarbeiten hinter dem Vorhang ab - und sei es nur ein einziger Stuhl, der unauffällig verschwinden muss. In der Pause kommt Christian Stratmann sogar persönlich in die Garderobe. Na klar, "bei so schönen Frauen!".

"Letztes Mal hab ich vorher Frikadellen gegessen, die sind im Magen rauf und runter gehüpft, das mach ich nie wieder!", tuschelt Lalo lachend, während sie gut versteckt auf ihren nächsten Auftritt lauert. Die temperamentvolle Spanierin steht seit 50 Jahren auf europäischen Bühnen. Dafür hält sie strenge Diät, treibt regelmäßigen Sport und steht an jedem Nicht-Show-Tag im Atelier. Das ist viel mehr als Talent und Disziplin, das ist große Liebe - die Ober-Diva Ralf bei der Auswahl seines Ensembles voraussetzt. "Wir sind international, wir sind vielseitig, wir sind selfmade", blickt er stolz auf seine Theaterfamilie. Um die schillernden Roben und den Kopfschmuck - pro Show fast 200 verschiedene Kostüme, alle aufs Kilo genau maßgeschneidert - kümmern sich Lalo Madrid aus Spanien, Suara Maas aus Indonesien, Mao Milan aus Thailand und Michelle aus Brasilien. Profitänzer Carlos aus Brasilien entwirft sämtliche Choreografien. So bringt jeder seinen individuellen Part in die große Gala ein. "Wichtig ist uns: Jeder hat seine eigenen Vorzüge, seine eigenen Fans, aber keiner steht an der Front." Jeder glänzt vor dem Publikum, jeder rennt hinter den Kulissen, um das Timing zu halten. Nach der abschließenden Verbeugung geht es dann auch ohne großen Glamour nach Hause. "Falls der Zug kommt und wir uns nicht am Bahnhof wieder den Arsch abfrieren", hofft Suara, die bis nach Koblenz muss. Am kommenden Freitag kehren sie dann alle nach Herten zurück. The Show must go on ...

Autor:

Sara Holz aus Unna

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