Jessica Kastrop: Liebe in Zeiten der Champions League

Okay, unterstellen wir mal. Dieses Buch wird mehr Frauen als Männer ansprechen. Dabei ist es sehr vergnüglich und auch etwas tiefsinnig. Wie Fußball eben.
  • Okay, unterstellen wir mal. Dieses Buch wird mehr Frauen als Männer ansprechen. Dabei ist es sehr vergnüglich und auch etwas tiefsinnig. Wie Fußball eben.
  • Foto: Knaur-Verlag
  • hochgeladen von Kerstin Halstenbach

Für Jessica Kastrop hege ich als Frau mit Fußball-Leidenschaft Respekt. Dass sie sich selbstbewusst über ihr Lispeln hinweg setzt, so sympathisch wie sachverständig Wissenswertes über den Fußball vermittelt, macht sie zu einer Persönlichkeit in der Sport-Moderatorenzunft.

Vergnüglich schreiben kann sie auch noch. Nämlich über "Liebe in Zeiten der Champions League". Der Untertitel gibt mir die Rubrik für diesen Lokalkompass-Beitrag vor, unter der ich diesmal meinen Buch-Tipp einordne: Nicht "Fußball", "Kultur" oder "Leute", sondern "Ratgeber" scheint mir angemessen. Denn Jessica Kastrop gibt (unbescheiden und völlig zu Recht) "Die besten Beziehungstipps für fußballgeplagte Frauen".

Vielleicht muss es gerade eine so attraktive, Mode bewusste Frau wie Jessica Kastrop sein, die selbst gerne Fußball guckt und ihn zu ihrem Beruf gemacht hat, damit sie anderen weiblichen Wesen dieses Phänomen erklären kann. Warum nämlich 8 von 10 Männern nun mal auf Fußball stehen. Ob Väter, Söhne, Verlobte, Arbeitgeber, Nachbarn, Arbeitskollegen, ganz kleine oder große Brüder, nette Opas. Egal, ob hetero oder schwul, mit fettem Bankkonto oder Hartz-IV-Bezieher. Fußball verbindet Männer wie kein anderen Thema.

Jessica Kastrop geht das Problem (viele Frauen fühlen sich alleine gelassen, wenn es ihren Liebsten stundenlang ins Stadion, in die Fan-Kneipe oder vor den Fernseher zieht) clever an. Sie wirbt um Verständnis für die Herren: Sie sind Opfer ihrer Erziehung und mehrheitlich nette Kerle. Und: "Sie wollen doch einen richtigen Mann, oder?" Jessica Kastrop macht ihren Leserinnen Mut, nicht zu verzweifeln und zu zoffen.
Sehr schön typisiert sie Fan-Zugehörigkeit und betreibt durch die Analyse des Verhaltens vor dem Fernseher oder im Stadion Charakterstudien, speziell in Sachen Erotik. Auch das ist höchst amüsant.

Ihrer These, dass Streiten einer Beziehung nicht gut tut, sondern sie schlimmstenfalls killt, stimme ich voll zu. Jessica Kastrop motiviert Fußball geplagte Frauen, in der Zeit, wenn das liebe Leder rollt, etwas Schönes für sich zu tun oder mit Freundinnen gemeinsam zu unternehmen. So hat Frau auch gute Laune. Und man kann zusammen etwas machen: Es gibt Bundeliga-Pausen, Champions-freie-Zeiten, die Zeit nach dem EM-Finale.

Sehr fein erklärt die Kennerin des Fußballs und der ballverrückten Herren Strategien, Regeln und Tricks des Fußballs, und das alles leicht und mit Humor. Sie geht aber auch in die Tiefe, hat sich mit psychologischen Aspekten beschäftigt. Alles in allem ein gelungenes Werk. Fair Play ist wichtig und richtig, nicht auf dem Rasen, sondern auch und besonders in der Partnerschaft.

Die schreibende TV-Größe beweist Sinn für Humor und Selbstironie. So lautet einer ihrer Tipps, wenn Frau in Männergesellschaft Fußball guckt, nicht so sehr auf die Teams einzugehen (schon gar nicht bemerken, wie sexy Spieler X aussieht, da "zappen" Männer innerlich sofort weg), sondern hemmungslos über die TV-Kommentatoren abzulästern. "Dafür sind wir doch da. Sagen Sie doch einfach, wenn Sie mich sehen: ,Jessica Kastrop, ach, das ist doch diese doofe Blonde, die den Ball an den Kopf bekommen hat'."

Ich habe an dem Buch, so gerne ich es gelesen habe, nur eines auszusetzen: Bitte nicht jeden dritten Satz mit einem Ausrufezeichen beenden. Jessica Kastrop muss an ihrem Stil noch ein wenig arbeiten. Punkt.

Jessica Kastrop: Liebe in Zeiten der Champions League, Knaur-Taschenbuch, 240 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 978-3-426-78545-4

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