Die Rastplatzspatzen

Die Rastplatzspatzen

Erste Geschichte

Es ist Sommer und es regnet.
An einem grauen Himmel jagen sich die Wolken und überschütten alles mit dem Regen.
Nach vielen heißen Tagen atmen die Menschen in der Region auf. Es war aber auch einfach zu trocken.
Auf dem Rastplatz and er Autobahnraststätte herrscht trotzdem ein reger Betrieb. Schließlich sind in einigen Ländern schon Schulferien.
Der Rastplatz ist fast voll. Fahrzeuge werden abgestellt und die Menschen laufen schnell in die Raststätte hinein um Schutz vor dem niederprasselnden Regen zu suchen.
Wieder andere hetzen zu ihren Fahrzeugen, da sie trotz des Regens weiter müssen, zu irgendeinem fernen Ziel.
In der Raststätte, in einem der hinteren Räume, sitzen einige Kinder und wärmen sich an heißer Schokolade. Einige trinken auch eine kalte Limonade. Die Getränke hat ihnen Herr Reichel spendiert. Der ist nämlich der Pächter dieser Raststätte.
Die Kleidung der Kinder ist pitschnass.
„ Oh, Mann, „ seufzt Sven, „ das ist vielleicht ein Wetter. Aber wir müssen ja hierher!“
„Wir wollten es ja nicht anders, „ antwortet ein Mädchen. Es ist Claudia, die Tochter von Herrn Reichel.
„wir haben das angefangen, nun müssen wir da auch durch!“
„Ja“ seufzt auch der nächste. Es ist Maik, ein 9-jähriger, aufgeweckter Junge.
So seufzt jeder vor sich hin und trinkt sein heißes Getränk.
Zu dem Kreis gehören auch noch Florian und die Zwillinge Susanne und Sandra.
Plötzlich öffnet sich die Tür und ein Mann betritt den Raum.
„Na, was ist mit euch? Habt ihr keine Lust mehr “.
„Ach Papa“, antwortet Claudia, „ natürlich haben wir noch Lust. Wir gehen ja auch gleich!“
„ Na, na, ihr braucht euch nicht überschlagen“, meint Herr Reichel, der Papa von Claudia.
„Doch, ja, aber klar doch, ertönt es vielstimmig und die Gruppe erhebt sich.
„In Ordnung“, sagt Herr Reichel „ macht aber nicht so lange! Nun raus mit euch, ihr Rastplatzspatzen.“
Die Kinder ziehen ihr Regenzeug an und machen sich auf den Weg nach draußen.
Dort stellt sich Florian vor den anderen auf.
„So, wir fangen hier an, gehen bis an das Ende des Parkplatzes und auf der anderen Seite zurück. Das müsste heute reichen!“
Die anderen nicken und wollen gerade losgehen als sie ein gut gekleideter Mann anspricht
„Was macht ihr denn bei diesem Regen hier draußen?“
„Wir helfen hier“ antwortet Claudia, „wir sind die Rastplatzspatzen und helfen den Rastplatz sauber zu halten. Sie glauben ja gar nicht was die Leute alles irgendwohin schmeißen. Trotz Mülleimer. Also räumen wir hier ein wenig auf!“
Damit lassen sie den verdutzt drein schauenden Mann stehen
Sie legen los und sammeln leere Zigarettenschachteln, Dosen, Flaschen und alles Mögliche auf und stecken es in die Müllgefäße.
Sie haben das Ende des Parkplatzes erreicht und machen auf der anderen Seite weiter.
Plötzlich hören sie ein leises, klägliches Winseln. Es kommt aus der Richtung eines Laternenmastes. Susanne und Sandra entdecken als erste, um was es sich da handelt.
Es ist ein kleiner, etwa kniehoher Hund. Eine richtige Promenadenmischung.
„ja wen haben wir denn da?“ fragt Sandra und beugt sich zu dem Hund herab.
„Du bist ja pitschenass!“
„ oh, ist der süß „ stellt auch Claudia fest.
Inzwischen sind auch die anderen hinzugekommen und begutachten den Hund der immer noch kläglich winselt.
„Ist ja gut, mein Kleiner“ beruhigt Florian das Tier und Maik beginnt ihn zu streicheln.
Der Kleine beruhigt sich etwas und schüttelt sich.
„Wem der wohl gehört?“
„Ob der Besitzer noch in der Raststätte ist“?
„ich gehe mal nachsehen“ bietet sich Claudia an. Maik und Sven, ihr bleibt bei dem Hund und tröstet ihn. Die anderen machen den Rest vom Platz und dann treffen wir uns wieder hier.
Schaut mal, der Regen lässt ebenfalls nach“.
Alle machen sich an ihre Aufgaben, währen Claudia in der Raststätte verschwindet. Sie beobachtet die Gäste, aber niemand macht den Eindruck, ob er einen Hund vermisst.
Trotzdem geht sie von Tisch zu Tisch und fragt höflich nach, ob der Hund jemandem gehört.
Alle Befragten verneinen.
Inzwischen ist auch Herrn Reichel die Fragerei aufgefallen.
„Claudia, du kannst doch nicht die Gäste belästigen! Was ist denn los?“.
„Ach Paps, wir haben draußen einen Hund gefunden und wollen nur wissen wem der gehört und wer so ein Tier an einen Laternenpfahl anbindet und sich nicht mehr blicken lässt“.
„Aber du kannst nicht die Gäste stören“ erwidert Herr Reichel entschieden.
„Schaut noch einmal draußen nach und dann sehen wir weiter!
Claudia läuft schnell zu den anderen hinüber.
„Na, hast du was gefunden?“
„Nein, nichts!“
„Was machen wir denn jetzt?“
„Das Beste ist, wir melden das erstmal“, meint Sven.
„Wir sagen das meinem Vater und geben eine Anzeige auf.“
Sven kennt sich mit so etwas aus, denn schließlich ist sein Vater Polizist.
„Aber erst müssen wir klären, was mit dem Hund geschehen soll. Der kann ja schließlich nicht hier bleiben!“
„Ich könnte den mit uns nehmen“, meldet sich Claudia zu Wort: „Platz hätten wir ja. Wenigstens für ein paar Tage, bis wir etwas von der Polizei hören. Meine Eltern haben sicher nichts dagegen“.
„Gut, dann kann es ja losgehen. Wir kommen übermorgen wieder und dann geht es erst weiter“, bestimmt Florian.
Gesagt, getan: Der Hund wird losgebunden und alle schwingen sich auf ihre Fahrräder.
Claudia hat einen Korb vorne am Lenker in den nun der Hund gesetzt wird.
Der Regen hat inzwischen aufgehört und die ersten Sonnenstrahlen kommen wieder heraus.
„Na,, mein Kleiner“; spricht Claudia mit dem Hund, der schon gar nicht mehr so ängstlich ist. Ihm scheint die Fahrt zu gefallen.
In dem Ort angekommen trennt sich die Gruppe und jeder macht dass er nach Hause kommt.
Sven radelt direkt zur Polizeistation, um seinen Vater zu treffen.
Er erklärt, was geschehen ist und Herr Heitkamp nimmt die Anzeige auf.
„Mal sehen, was wir machen können“, meint er und Sven trollt sich nach Hause.
Auch Claudia ist inzwischen zu Hause angekommen.
„Was bringst du denn da an?“ fragt ihre Mutter erstaunt“, wo hast du denn den Kleinen her?“
Claudia erzählt ihr alles und natürlich ist ihre Mutter einverstanden.
„Der Kleine bleibt erst mal hier!“

Es vergehen einige Tage, an dem die Gruppe zur Schule geht, sich nach den Hausaufgaben trifft, oder den Rastplatz säubert.
Manchmal sitzen sie auch einfach nur herum und reden oder spielen gemeinsam. Immer ist auch Struppi dabei, dem sie diesen Namen gegeben haben..
Nach etwas über einer Woche, wieder reinigen sie gerade den Rastplatz, werden sie von einem Mann und einer Frau angesprochen.
Die Frau fragt: „ Hallo, ihr seid doch immer auf diesem Rastplatz anzutreffen, nicht wahr?
Wir benötigen eure Hilfe! Mein Mann hat vor einigen Tagen eine Riesendummheit begangen und möchte diese wieder gutmachen!“
„Ja“, meint der Mann und guckt ganz zerknirscht.
„Ich habe vorige Woche hier Station gemacht und unseren Hund, der eigentlich meiner Tochter gehört, hier an einem Laternenpfahl angebunden um ihn los zu werden.
Zu Hause habe ich dann den allergrößten Ärger mit meiner Tochter und auch noch mit meiner Frau bekommen. Sie haben mit mir geschimpft und meine Tochter hat fürchterlich geweint und meine Frau hat dann auch nicht mehr mit mir gesprochen. Dabei wollte ich bloß keinen Hund im Haus haben. Wir haben zwar genug Platz, aber so ein Hund macht doch alles schmutzig, buddelt Löcher in den Rasen und zerreißt Hausschuhe und ich muss immer mit ihm raus, Gassi gehen. Diesen ganzen Stress habe ich nicht mehr ausgehalten.
Obendrein habe ich auch ein ganz schlechtes Gewissen und habe daher versprochen den Hund, Strolchi heißt er, zu suchen und zurück zu bringen. Deshalb sind wir hier!“
„Ich erinnere mich an Sie“; sagt Claudia, „ Sie haben an der Tür zur Gaststätte gestanden und gefragt, was wir hier im Regen machen.
So, Sie haben also Struppi, ich meine Strolchi, ausgesetzt. Wie konnten Sie das nur tun??
Das ist ja mehr als schlimm! Ihre Frau und ihre Tochter haben vollkommen Recht!
So was tut man nicht!“
Claudia schimpft den Mann richtig aus währen seine Frau schmunzelnd hinter ihm steht.
„Ja, ja“; meint der Mann schuldbewusst „ du hast ja so Recht!!
Das war wirklich dumm von mir, Ich möchte Strolchi ja auch wieder haben. Er fehlt mir inzwischen. Könnt ihr denn helfen und uns eventuell sagen wo er abgeblieben sein könnte?
Ihr kennt euch doch hier aus. Bitte überlegt doch einmal!
Claudia schaut den Mann zweifelnd an, meint dann aber: „Ja, wir wissen wo er ist. Einen Augenblick mal!“
Sie wendet sich an Sven: „ Wo ist Maik?“
„Och, der ist mit Struppi auf dem Weg nach hause“.
„Los, hole dein Rad und fahre hinterher! Hole Maik zurück“, befiehlt Claudia.
„O.K.!“ ruft Sven und ist wie ein Blitz verschwunden.
„Sie warten hier“; wendet sich Claudia wieder an das Ehepaar, „ ich glaube wir haben etwas für sie“!
Eine knappe halbe Stunde später hören sie mit einem Mal ein fröhliches Bellen und Struppi, bzw. Strolchi kommt wie ein Wirbelwind herangesaust.
Freudig springt er an dem Mann hoch, der ihn auf den Arm nimmt. Strolchi leckt ihm mit der Zunge quer über das Gesicht. Anscheinend hat er dem Mann verziehen.
Dieser ist ganz gerührt und schüttelt immer wieder den Kopf.
„So etwas Liebes wollte ich loswerden? War ich blöd!!! Aber nun ist alles wieder gut. Ich gebe ihn nie wieder her. Wie kann ich euch nur danken?“
„Ach, uns brauchen sie nicht zu danken, das haben wir gerne getan“, sagt Sven. „ihre Strafe kriegen sie ja noch, weil da ja noch die Anzeige bei der Polizei vorliegt“!
„Die bezahle ich selbstverständlich“, entgegnet der Mann „ Strafe muss sein!!“

So hat sich alles zum Guten gewendet. Das Ehepaar hat die Kinder noch zu einem großen Eis eingeladen und ist mit einem kleinen, glücklichen Hund zu einer gewiss genauso glücklichen Tochter nach Hause gefahren.

Und unsere Rastplatzspatzen? Die freuen sich, dass alles so glücklich verlaufen ist.

Autor:

Peter Hor aus Langenfeld (Rheinland)

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