Eine Bilanz:
Fünf Jahre Flüchtlingshilfe Langenfeld

Auch in Corona-Zeiten gibt es - mit gebührendem Abstand - für die FHL etwas zu tun. So wie hier bei der Sachmittelausgabe für Einschulungskinder (v.l.n.r.): Harald Mogge, 1. Vorsitzender, Frank Schöler, Finanzvorstand und Luise Pawlowsky, 2. Vorsitzende.
  • Auch in Corona-Zeiten gibt es - mit gebührendem Abstand - für die FHL etwas zu tun. So wie hier bei der Sachmittelausgabe für Einschulungskinder (v.l.n.r.): Harald Mogge, 1. Vorsitzender, Frank Schöler, Finanzvorstand und Luise Pawlowsky, 2. Vorsitzende.
  • Foto: FHL
  • hochgeladen von Stefan Pollmanns

Im April wurde die Flüchtlingshilfe.Langenfeld fünf Jahre alt. Eigentlich sollte der Geburtstag im April gebührend gefeiert werden. Alles war geplant und vorbereitet. Die Einladungen waren fertig und sollten verschickt werden. Aber es kam anders.

Die Flüchtlingshilfe wurde im April 2015 von fünf Personen gegründet, die aufgrund von negativen Berichten über die Flüchtlingsunterbringung und -behandlung in Langenfeld Initiative ergreifen wollten. Erinnert sei an Gerti Lassmann, die seinerzeit eher als Einzelkämpferin für die Flüchtlinge tätig war. Mit ihr gemeinsam formierte sich die Initiative. Kurz darauf ist Gerti leider verstorben, weshalb sie die kurz darauf einsetzende Flüchtlingswelle nicht mehr miterlebt hat.

Erste Orientierung und Hilfe

In einer Zeit der verwaltungstechnischen Überforderung konnte die Flüchtlingshilfe.Langenfeld, den Flüchtlingen erste Orientierung und Hilfe geben. Die Helfer der Gruppe unterstützten bei administrativen und sozialen Aufgaben und vermittelten den Geflüchteten ein wenig Menschlichkeit in einer völlig neuen Welt und nach erheblichen Strapazen und Bedrohungen in den Heimatländern und auf der Flucht.

Enschulung der Kinder

Die Gruppe kümmerte sich zwei Jahre um die Einschulung der Kindern und stattete diese mit notwendigen Schulmaterialien und Kleidung aus. Aufgaben, die eigentlich Verwaltungen hätten durchführen müssen, dies aber aus personellen aber auch logistischen Gründen nicht konnten.
„Wir haben den geflüchteten Menschen über die langen Zeiten der Untätigkeit hinweggeholfen, die aufgrund der im Durchschnitt zweijährigen Laufzeiten der Asylverfahren entstanden, ihnen dann beim Übergang in ein mehr und mehr geregeltes Leben mit eigener Wohnung, Weiter- und Ausbildung und Arbeit geholfen“, betont Frank Schöler Vorstandsmitglied des Vereins.

Qualifizierung

Heute liegen die wichtigsten Tätigkeiten im Bereich der Qualifizierung, das heißt Eingliederung und Orientierung in die Arbeitswelt, Weiterbildung, Anerkennung von Hochschul- und Berufsabschlüssen und Ausbildung. Dabei ist es bemerkenswert, dass es erstaunlich vielen jungen Leuten gelingt, trotz der kurzen Anwesenheitszeit von etwa vier Jahren in unserem Land, Schulabschlüsse zu erreichen.
Aus dem Brand in Alt Langenfeld vor nunmehr eineinhalb Jahren nimmt die Flüchtlingshilfe Langenfeld zwei Dinge mit: Zum ersten ist Menschlichkeit der entscheidende Aspekt ist, um Menschen in schwierigen Situationen zu helfen. Zum zweiten, dass gute Menschen auch immer gute Menschen brauchen, das heißt ein funktionierendes Netzwerk der Flüchtlingshilfe Langenfeld konnte wertvolle Arbeit leisten, um denen, die zum zweiten Mal in kurzer Zeit alles zurück lassen mussten, das Nötige so schnell wie möglich zu beschaffen.

Verwaltungsprozesse und -verfahren

„Als problematisch sehen wir, dass es die Verwaltungen weitgehend bis heute nicht geschafft, die Ausnahmesituation einer Flüchtlingszuwanderung in diesem Ausmaß mit adäquaten Mitteln zu bewältigen. Wir haben uns in den fünf Jahren unserer Tätigkeit auf die Verwaltungsprozesse und -verfahren eingestellt und können die Flüchtlinge hindurch lotsen. Vieles ist aber unangemessen und ineffizient geblieben, zum Beispiel ein ausuferndes Antrags- und Formularwesen“, so Frank Schöler.
Ein gravierender Fall sei das Schulwesen, wo es außer Deutschkursen keine situationsbezogenen Regelungen gibt, Flüchtlingskinder viel zu wenig Zeit und Unterstützung bekommen haben, um sich im Schulsystem zu etablieren. Dazu gehört auch die Eingliederung in Jahrgangsstufen nach dem Alter. Gerade den als Teenagern hier angekommenen fällt dies häufig auf die Füße, da sie nicht genügend Zeit haben, um Schulabschlüsse erreichen zu können.

Eigenständiges Leben

Schwierig sind und bleiben nach Beobachtung der Flüchtlingshilfe Langenfeld die langen Wartezeiten im Asylverfahren, die den Geflüchteten eigenständiges Leben unmöglich machen, sowie die angespannte Wohnungssituation in Langenfeld, die durch die gesetzliche Wohnsitzauflage noch verschärft wurde. Die Integration vollzog sich deswegen sehr schleppend und war in den ersten zwei Jahren weitgehend auf die Partizipation im Schulleben und bei einigen Sportvereinen beschränkt.
Integration in die Gesellschaft ist in einer entwickelten Industriegesellschaft nur über Arbeit, Wohnung und weitgehende gesellschaftliche Teilhabe möglich. Echt Fortschritte könnten aber nicht stattfinden, solange die Flüchtlinge in den Sammelunterkünften wohnen.

Integrationsprozess

Was den Integrationsprozess angeht, sei die Arbeitswelt bereits von vielen Flüchtlingen erschlossen worden. Insbesondere junge Männer, die in der Gesamtheit der Flüchtlinge überrepräsentiert sind, haben häufig Arbeit gefunden, allerdings weitgehend in unqualifizierten, teilweise auch prekären Bereichen.

Hürden abbauen

Die Flüchtlingshilfe.Langenfeld arbeitet aktiv daran mit, die Hürden auf dem Weg zur Integration abzubauen. Kompensation erfolgt indem man Qualifikationen von Migranten ermittelt und versucht, diese in Praktika oder Probearbeit zu verifizieren. Hierzu wurden bereits einige Projekte aufgesetzt, auch in Kooperation mit anderen Institutionen wie Handwerkskammer, IHK oder dem Lions Club sowie dem Rotary Club. Es gibt bereits einige Vorzeigekarrieren wie den IT-Techniker oder die Sparkassenangestellte oder auch junge Leute, die es in der kurzen, ihnen zur Verfügung stehenden Zeit, geschafft haben, einen Hauptschul- oder gar Realschulabschluss zu erlangen und Ausbildungsplätze bekommen haben. Für viele Akademiker ist der Weg zu angemessener Beschäftigung schwierig und weitgehend von wirklich sehr fortgeschrittenen Deutschkenntnissen abhängig. Einige sind auf gutem Weg.

Sammelunterkünfte

Viel zu tun gibt es nach wie vor für noch nicht anerkannte oder geduldete Flüchtlinge, die zu großen Teilen noch in den Sammelunterkünften leben. Das deutsche Aufenthaltsrecht gibt diesem Personenkreis bedingt durch die Dauer ihres Aufenthalts verschiedene Möglichkeiten, ihren Aufenthaltsstatus zu verbessern oder ein Bleiberecht zu erhalten.

Wege zur Normalität

Die aktuelle Ausnahmesituation der Corona-Pandemie sorgt nach wie vor für eine weitgehende Verlangsamung von Verwaltungsprozessen. Flüchtlinge merken dies an der Verschiebung von wichtigen Terminen, zum Beispiel bei der Ausländerbehörde, und Verlängerung von Genehmigungsverfahren. Für die Bewohner der Sammelunterkünfte gilt eine vollständige Isolierung, es dürfen keine externen Personen mehr in die Heime, auch keine Flüchtlingshelfer. Das erinnert viele Flüchtlinge daran, dass die Wege zur Normalität im gesellschaftlichen Leben noch längst nicht zurückgelegt worden sind.

Freiwillge Helfer

Bei ihrer Arbeit ist die Flüchtlngshilfe.Langenfeld nach wie vor auf freiwilliger Helfer angewiesen, die bereit sind, in Gruppen wie Sachmittel, Fahrräder und Qualifikation mitarbeiten. Auch Spenden von Bürgern nimmt die Flüchtlingshilfe gern entgegen. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Homepage der Flüchtlingshilfe Langenfeld unter www.fluechtlingshilfe-langenfeld.org.

Autor:

Stefan Pollmanns aus Langenfeld (Rheinland)

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