Gemeinsam aus der Reihe tanzen - Der Herrensalon hatte im Schlosstheater Damenbesuch

Der Star des Abend war die Kombination Herrensalon und Damenbesuch.Foto: KS
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  • Der Star des Abend war die Kombination Herrensalon und Damenbesuch.Foto: KS
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Wieder einmal wurde Moers seinem Ruf als Geburtsstätte wie auch Heimat experimentellen Theaters gerecht.

Von Karsten Schubert

Moers. Aufführungen im Moerser Schlosstheater sind mitunter laut, öfter auch musikalisch, es gibt aber auch die ruhigeren Parts. Wer bei der Premierenveranstaltung "Herrensalon hat Damenbesuch" am vergangenen Mittwoch zu Gast war, hatte alles auf einmal.

Die A40 als Highway to Hell

Das Musik-Ensemble "Der Herrensalon" kennt nicht nur der Moerser vom ComedyArts oder anderen Festen in der Grafenstadt. Doch dieses Mal verstärkten sich die Mannen um Sänger Jörg "Yogi" Niehaus mit der Autorin Cornelia V. zu einem musikalischen Abend unter dem Motto "Noten treffen Notizen".
Anders war dieses Mal auch, dass die Songs nicht nur einzigartig arrangiert und unverkennbar neu interpretiert wurden, sondern auch in eine Geschichte verpackt wurden. So wurde beispielsweise die A40 zum "Highway to Hell", als der Herrensalon noch auf den weiblichen Besuch wartete und vermutet wurde, dieser könne noch im Stau stehen. Doch dann klingelte es und der weibliche Gast wurde mit dem Lied "Born to be wild" freudig empfangen. Die vorgetragenen Kolumnen der Autorin waren ebenso in die Story involviert, wie auch ein gelungener Gegenpart zur Musik. So impulsiv das Publikum bei Liedern wie Vaya Con Dios' "Nah Neh Nah" oder James Browns "I Got You (I Feel Good)" mitging, so andächtig war es bei den Lesungen von Cornelia V.. Es war eine Achterbahnfahrt, an deren Ende das Publikum sich eine baldige Wiederholung erwünschte. Highlight des Abends war die Kolumne "Born to be a melody", welche als Überraschung für "Der Herrensalon" geschrieben und uraufgeführt wurde und im hier im Lokalkompass vorab veröffentlicht wird.

Born to be …a melody

Sind es die Noten, die jeder von uns mit Musik verbindet? Sind es nicht vielmehr die Erinnerungen und Gefühle, die wir mit Musik in Zusammenhang bringen? Momente, die mit dem ersten Klang eines Liedes wieder in die Gegenwart rücken…
Ich erinnere mich gern an einen für mich besonderen Musiker. Was das Besondere und Einzigartige an ihm war? Er unterrichtete einen Schüler im Akkordeon spielen. Er lehrte ihm allerdings keine Noten oder den Takt mit den Augen, sondern alleinig mit dem Gehör. Lehrer und Schüler waren eine unglaubliche Verbindung, da der Lehrer gar keine Noten lesen und der Schüler keine sehen konnte. Sie waren einfach eine harmonische Verbindung, da sie beide der Tonleiter ihrer Gefühle folgten. Ein Musiker zu sein lernt man am besten, wenn das Herz den Takt vorgibt. Und Musik wird dann einzigartig, wenn wir die Augen schließen und trotzdem so vieles wahrnehmen können, da das Herz den Rhythmus spürt und jede einzelne Geschichte unseres Lebens diese besondere Note erhält. Musik setzt folglich vielmehr Zeichen, durch den Ausdruck der einzelnen Klänge. Nicht wer du bist oder was Du vorgibst zu sein ist in der Musik entscheidend, sondern die Art wie du das Instrument spielst. Denn jeder Ton gibt gleichzeitig auch einen kleinen Einblick in die Seele des Menschen, der dem Instrument Gehör verschafft und macht selbst vor der Unterschiedlichkeit keinen Halt. Denn gerade Unterschiedlichkeit schafft auch Gemeinsamkeit: wenn Noten Notizen treffen, Saiten gespielt und Seiten gelesen oder auch geschriebene Worte gesungen werden – denn so erhalten wir einen ganzheitlichen Blick auf den Inhalt zwischen den Zeilen.

Was mich verbindet mit der Band „Herrensalon“ ist aus meiner Sicht die Leidenschaft und das Bedürfnis sich auf seine eigene Art und Weise auszudrücken und damit ein Lächeln zu schenken. So ein Lächeln wie ich hatte, als ich das erste Mal den Song „Born to be wild“ gehört habe. Auch verbindet uns die Gemeinsamkeit, dass jeder sein kann wer er möchte. Denn es ist niemals entscheidend wer Du vorgibst zu sein, sondern vielmehr wer Du wirklich bist:

  • Yogi beeindruckt hauptsächlich mit seinem Gesang und untermalt dies mit seiner taktvollen Schüttelei. 
  • Jan setzt neben seinem Gesang Höhepunkte mit seinem Saxophon. 
  • Daniel bringt mit seinem Bass die Tiefe in die Lieder, er verleiht seinen musikalischen Saiten seine eigene Geschichte. 
  • Und der schlagfertige Benedikt gibt den Takt vor und das auch mal mit seiner Melodica. 

Ich bewundere an dieser salonfähigen Verbindung das Gefühl, dass das ganze Leben eine Jam-Session sein kann. Jeder einzelne Moment bietet die Chance nach einem Instrument zu greifen, das einer Situation am meisten Ausdruck verleiht.
Lasst uns die Gelegenheit nutzen und jeden Augenblick diese gewisse Note geben und vor allem heute Abend gemeinsam aus der Reihe tanzen.

Cornelia V. - Moers, 15. November 2017

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