So sehen Sieger aus... Ein weiblicher Rückblick auf die Fußballgeschichte

Reporterin Sarah Dickel  im EM-Fieber. Am 10. Juni geht's wieder los!
  • Reporterin Sarah Dickel im EM-Fieber. Am 10. Juni geht's wieder los!
  • Foto: Heike Cervellera
  • hochgeladen von Sarah Dickel

Vor zwei Jahren ist Deutschland Fußballweltmeister geworden. Ein weiblicher Rückblick auf die letzten zehn Jahre Fußballgeschichte.

Früher habe ich mich immer gefragt, warum man beim Fußball nicht einfach jeden Spieler einen eigenen Ball gibt. Klar, dass ist nicht Sinn des Spiels, aber mit diesem „Spiel“ habe ich mich auch nicht groß auseinander gesetzt. Bundesliga? Nicht meine Welt. Fußballfans? Kannte ich zu Genüge aus samstagnachmittäglichen Fahrten mit der Bahn und war daher leicht allergisch auf diese Spezies.

Aber dann kam die Weltmeisterschaft 2006. Ich war damals im Urlaub auf einer kleinen nordfriesischen Insel. Eigentlich weit weg von jedem fußballerischen Getummel. Weit gefehlt. Die Häuser waren beflaggt und es wurde sich zum gemeinsamen Fußball gucken getroffen. Etwas ungewohnt, aber im Urlaub wird ja gerne mal etwas Neues ausprobiert. Und dann passierte es: Als die Italiener uns in der Verlängerung den Traum vom Titel zerstörten, waren es nicht nur die anderen, die, gelinde gesagt, bekümmert waren. Auch ich spürte eine herbe Enttäuschung. Fußballweltmeister im eigenen Land – das wär’s gewesen. Sollte aber nicht sein.
Was blieb war aber die Begeisterung für das EM und WM gucken. Nicht nur bei mir, sondern gefühlt im ganzen Land. Immer mehr Städte zogen mit Public Viewing-Angeboten die Menschen an und machten aus dem Fußballspiel weit mehr als eine reine Sportveranstaltung. Es wurde zum geselligen Event. Immer öfter wurde bei Deutschlandspielen nicht mehr zuhause geschaut, sondern in trendigen Locations. Gemeinsam mit 500 anderen Leuten.

Das einzige was bei dieser gemeinsamen Euphorie ausblieb, war der erhoffte Sieg. Natürlich ist dabei sein alles – der olympische Gedanke eben – aber so ein Sieg ist auch etwas Feines. Alle zwei Jahre wurde mitgefiebert und 2014 sollte es dann endlich soweit sein. Umso näher die deutsche Mannschaft dem Finale kam, umso mehr fragte ich mich, wie es wohl 1990 war, als Deutschland das letzte Mal die Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Daran erinnern konnte ich mich nicht, da ich zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre alt gewesen bin. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass es etwas ganz Besonderes sein müsse.

Dann kam der 13. Juli 2014. Endspiel gegen Argentinien. Großes Fußballfernsehen. Die 113. Minute. Götze schoss DAS Tor. Und kurze Zeit später kam auch die definitive Gewissheit: Deutschland ist Fußballweltmeister. Aufgeregt wartete ich, was jetzt wohl passieren würde. Wir hatten immerhin gerade die Fußballweltmeisterschaft gewonnen. Aber irgendwie passierte nichts. Also zumindest nicht so, wie ich es erwartet hatte. Ein paar Autocorsos hörte man, aber das epische Ausmaß dieses Sieges blieb irgendwie aus.

Trotzdem hat der Fußball etwas geschafft, das ich ihm nicht absprechen möchte: Die Menschen sind etwas näher zusammen gerückt, zumindest zeitweise. Sie feiern, fiebern und ärgern sich gemeinsam. Für einen Monat herrscht ein gewisser Ausnahmezustand und irgendwie ist das ein tolles Gefühl. Und wer weiß, vielleicht heißt es ja am 10. Juli nach dem Finale in Paris: Fußballeuropameister ist… Deutschland!

Autor:

Sarah Dickel aus Moers

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