Das eigene Leben in die Hand nehmen
Sozialarbeiter Klaus Otto Bösche unterstützt Problemviertel

Eine Häuserzeile in der Siedlung Am Grünen Platz im Stadtteil König Ludwig.
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  • Eine Häuserzeile in der Siedlung Am Grünen Platz im Stadtteil König Ludwig.
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Gemeinwesenarbeit heißt die Tätigkeit von Klaus Otto Bösche. Hinter diesem Begriff verbirgt sich, dass der Sozialarbeiter des Diakonischen Werks Recklinghausen als Kümmerer vor Ort Menschen dabei hilft, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Seit elf Jahren ist Bösche in den Wohnsiedlungen Am Grünen Platz im Stadtteil König Ludwig und Hamsterweg in Röllinghausen im Einsatz.

„König Ludwig ist insgesamt ein problematischer Stadtteil; in Röllinghausen fällt der Hamsterweg raus“, schildert der 62-Jährige die Lage. 188 Wohneinheiten umfasst die Siedlung Am Grünen Platz, wobei dort zurzeit 150 Haushalte leben. Der Migrantenanteil unter den Bewohnern ist hoch; viele Menschen beziehen Transferleistungen, und zudem ist der Wohnungsbestand nicht mehr gut erhalten. „Früher war das hier eine gute Wohnqualität, aber sie ist abgerutscht“, sagt Bösche. In der Siedlung am Hamsterweg sind es 84 Wohneinheiten, von denen derzeit 72 belegt sind. Die sozialen Probleme hier seien vergleichbar, so der Sozialarbeiter.
Am Grünen Platz nutzt die Diakonie eine Wohnung als offenen Treffpunkt für Klaus Otto Bösche und die Bewohner, am Hamsterweg ehemalige Räumlichkeiten der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde. An festen Tagen ist er zwei- beziehungsweise einmal pro Woche ganztägig dort, um – unterstützt von Bewohnern als ehrenamtlichen Mitarbeitern – vorrangig Angebote für Kinder bis zum sechsten Schuljahr zu machen. Hausaufgabenbetreuung und Freizeitaktivitäten gehören dazu. Bis zu 15 Kinder kommen an diesen Tagen zu den Treffpunkten. „Über diesen Einstieg versuchen wir, auch die Eltern zu erreichen“, erläutert er. „Das klappt manchmal, wird aber immer schwieriger.“

Spiele und Gartenaktion

In der Vergangenheit hat Bösche zum „Spielewahnsinn“ mit Karten- und Brettspielen eingeladen und im vorigen Jahr eine Gartenaktion veranstaltet. Kinder und Eltern bauten in einem Kübel Gemüse und Erdbeeren an. Das Beet diente nicht nur als Blickfang für die Siedlungen, sondern trug dazu bei, „dass Eltern und Kinder etwas gemeinsam machen“, erklärt Bösche. „Außerdem lernen sie etwas über Pflanzen und darüber, dass man dabei bleiben und Verantwortung übernehmen muss.“
Auch ein Projekt für Grundschüler im Rahmen des Programms „Kultur macht stark“ des Bundesbildungsministeriums setzte Bösche in den vergangenen drei Jahren um. Dabei galt es, den eigenen Stadtteil kennenzulernen. Die Kinder suchten anhand von Fotos Orte und Dinge, zum Beispiel einen Löwen an einer Hausfassade, zählten den Verkehr und setzten sich mit den Spielplätzen in ihrer Umgebung auseinander.

Lebenswelterfahrung

Zudem gibt es in den Ferien Angebote für Kinder und Eltern: Ausflüge mit Bus oder Bahn etwa ins Schwimmbad, zur DASA nach Dortmund oder in den Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum. „Lebenswelterfahrung“ nennt Petra Stephan-Breil, Abteilungsleitung Jugend und Familienhilfe, diese Ausflüge, die als Anstoß gedacht sind. „Dadurch wird der Horizont erweitert, und wir hoffen, dass die Eltern dann auch etwas anderes mit ihren Kindern machen.“
Eine weitere Aufgabe, die die Diakonie mit ihrer Gemeinwesenarbeit übernimmt, ist es, die Bewohner der beiden Stadtgebiete dabei zu unterstützen, Leistungen nach ALG II zu beantragen. Klaus Otto Bösche steht ihnen zur Seite, um zum Beispiel zu klären, was jemandem zusteht oder wie die Antragsfristen sind. Das Gleiche gilt für Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz. „Viele Kinder würden nicht einen Euro bekommen“, weiß der Sozialarbeiter, dass die Eltern zum Teil gar nicht über den Anspruch Bescheid wissen, nicht interessiert oder überfordert sind.
Einmal pro Woche ist Bösche außerdem in Suderwich anzutreffen, wo in den Häusern für Wohnungslose an der Straße Im Bogen ein Treffpunkt eingerichtet ist. Hier steht er Bewohnern des Stadtteils für Beratungen zur Verfügung.

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