Schwelm hat sich dafür beworben
Ab zur kinderfreundlichen Kommune

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Die von UNICEF 1996 ins Leben gerufene „Child Friendly Cities Initiative“ will helfen, Kommunen weltweit kinderfreundlicher zu gestalten. Um die internationale Initiative auch in Deutschland aufzubauen, haben UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk im Februar 2012 den Verein „Kinderfreundliche Kommunen e.V. gegründet“. Will eine Kommune mitmachen, muss sie nach der Bewerbung innerhalb eines Jahres unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen einen Aktionsplan erstellen. Nach der Bestätigung des Aktionsplans durch den Stadtrat prüft der Verein den Aktionsplan und vergibt das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ für die folgenden drei Jahre. Eine Verlängerung ist möglich. Schwelm hat als erste Stadt im Ennepe-Ruhr-Kreis und als sechste Kommune aus Nordrhein-Westfalen beschlossen, dem Vorhaben „Kinderfreundliche Kommunen“ beizutreten.

Nachdem der Rat der Stadt Ende Februar 2021 den Beschluss gefasst hat, wurde im Dezember 2021 der Kooperationsvertrag (digital) unterzeichnet. In diesem Jahr muss der Aktionsplan erstellt werden. Doch was genau heißt das? Blickt man in die digitale Welt, gibt es eine Vielzahl von Rankings zu kinderfreundlichen Städten und fast alle von ihnen haben ziemlich viel mit Konsum zu tun. Je mehr (kostspielige) Freizeiteinrichtungen vorliegen, desto kinderfreundlicher?
Das sieht man in Schwelm nicht so. „Zunächst wird es natürlich eine Bestandsaufnahme der Situation von Kindern und Jugendlichen in Schwelm geben. Dazu gibt es einen Fragebogen, der von zehn Prozent der 10- bis 12Jährigen in Schwelm beantwortet werden soll. Ein zweiter ,Verwaltungsfragebogen‘ erfasst den Stellenwert von bzw. den Umgang mit Kinderrechten und Interessen von Kindern und Jugendlichen innerhalb der Stadtverwaltung. Außerdem bildet eine Vertreterschaft aus Verwaltung, Politik, freien Trägern, Vereinen sowie von Kindern und Jugendlichen eine Steuerungsgruppe. Diese soll den Aktionsplan mit Zielen, Maßnahmen und den zur Umsetzung notwendigen Ressourcen erarbeiten. Dazu gehören beispielsweise Finanzmittel und Personal. Die Auswertung übernimmt dann der Verein Kinderfreundliche Kommunen e.V. und gibt Empfehlungen, welche Maßnahmen zur Verbesserung sinnvoll wären“, beschreibt Hildegard Peters, Fachbereichsleiterin FB 4 Jugend, Schule & Soziales, die nächsten Schritte auf dem Weg zur kinderfreundlichen Kommune. Dabei wird also natürlich gelistet und gezählt, welche Einrichtungen bereits vorhanden sind, aber man schaut auch darauf, wie man diese Einrichtungen verbessern oder ergänzen kann. Dazu könnte etwa der Vorschlag gehören, Kinderrechte in bestehende Satzungen aufzunehmen. „Welche konkreten Vorschläge in den Aktionsplan aufgenommen werden, entscheidet sich erst im Laufe des Jahres.“
Als erste deutsche Millionenstadt erhielt Köln im Februar 2018 das begehrte Siegel der kinderfreundlichen Kommune. Die Stadt hat mittlerweile ein Kinder- und Jugendbüro aufgebaut und einen 32seitigen Aktionsplan erstellt. Nachhaltiges Kochen als ein Projekt vor dem Hintergrund der Wertschätzung von Lebensmitteln ist beispielsweise entstanden. Das Projekt LeseMentor findet Erwähnung. Sport ist ein weiteres Thema. Und die Vermittlung von Medienkompetenz. Kinderstadtpläne sind entstanden mit Hinweisen darauf, wo man eine Tischtennisplatte im öffentlichen Raum findet oder wo der nächste Bolzplatz liegt.
Könnte ein Kinder- und Jugendbüro nach Kölner Vorbild auch ein Thema für Schwelm werden? „Das hängt konkret von den Beratungen in der Steuerungsgruppe ab. In 2019 gab es erstmalig die Sitzung eines Kinderparlaments als Abschluss einer Projektwoche zum Thema Kinderrechte. Eine Forderung des Kinderparlaments war es damals, dass es künftig eine regelmäßig tagende Vertretung von Kindern und Jugendlichen in Schwelm geben sollte. Auch ein Kinderbüro war damals im Gespräch“, so Peters.
Für die Umsetzung von Ideen braucht man in der Regel Geld. Hier weiß Hildegard Peters: „Neben der halben Stelle für die Koordination gibt es für das Jahr 2022 einen kleinen Sachkostenetat. Für die drei Jahre der Umsetzung des Aktionsplans werden dann die beschlossenen Maßnahmen mit den erforderlichen Finanzmitteln hinterlegt.“

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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