"Zwischenwelten" - Unnaer Fotograf zeigt Vergänglichkeit

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Wie ein Bühnenbild im Theater wirken manche Bilder. Doch inszeniert sind sie nicht. (Foto: Original: Henryk Brock)
 
So wie er den Raum vorfand lichtete Henryk Brock ihn auch ab, einschließlich Noten auf dem Boden. Ein Freund berichtete ihm jetzt, Klavierhocker und Flügeldeckel seien verschwunden.
Unna: Unna |

Überstürzt verlassen oder langsam ins Vergessen geraten; Abseits der Städte entdeckte der Unnaer Fotograf Henryk Brock einst bewohnte Häuser und fing die Stimmung mit der Kamera ein. Die Einblicke sind ein Appell an die Phantasie des Betrachters, sich mit Wandel und Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Das arthaus Nowodworski zeigt die Bilder jetzt unter dem Titel "Zwischenwelten-  Mythen zwischen Vergangenheit und Realität".

Mut gehörte zu der Entdeckungstour auf den Spuren der Vergangenheit. In Belgien wurde Henryk Brock schließlich fündig. "80 Kilometer von einer größeren Stadt entfernt, an einer Landstraße, nicht einsehbar."  Dort tauchte er ein in eine andere Welt. Eine Ortschaft mit drei Häusern, auf einer Anhöhe eine zugewucherte Villa. "Es ist dort nicht so viel zerstört oder mit Schmierereien überzogen." Flur, Treppenhaus, Wohn- und Schlafräume, sogar eine kleine Bibliothek  fand er vor, die Bücher teils aus den Regalen gekippt.  Arrangiert sei auf den Bildern nichts, ob auf dem Boden verstreute Noten, Tischgedecke oder Möbel. "Ich halte das Motiv auf künstlerische Weise fest ohne dabei etwas kaputt zu machen."  Als freier Fotojournalist dokumentierte er über zehn Jahre für eine Unnaer Tageszeitung die Gegenwart seiner Heimatstadt. Heute geht er, neben seiner Tätigkeit für Medienagenturen und verschiedene Auftraggeber, auf künstlerische Entdeckungsreisen.
Idee
"Zwischenwelten" ist ein Gemeinschaftsprojekt von vier Künstlern. Vor einem Jahr führten zumnächst die Wege von Henryk Brock und Frauke und Dietmar Nowodwoski zusammen. "Er stellte sein Projekt vor und es passt in unsere Philosophie."  Seit fast 15 Jahren präsentieren sie eigens kreierte kinetische Objekte und Installationen, die bei Einzelausstellungen auf große Anerkennung stoßen. "Aus alten Dingen lassen wir neue Dinge entstehen." Zu den Bildern der Ausstellung hat Dietmar Nowodworski drei Objekte kreiert.  "Und wir wollten einen Raum inszenieren, um darin einzutauchen. Alle Sinne sollen angesprochen werden." Für den Raum zu "Zwischenwelten" suchten sie zunächst Ideen. Von der Farbe über dramatische Musik bis zu den Accessoires war die Auswahl nicht leicht. Das Künstlerpaar organisierte bereits eine Ausstellung mit anderen Künstlern. Kreativen aus Unnas Partnerstadt Walwijk stellten sie ihre Räume zur Verfügung. Regulär finden alle sechs Monate Wechselausstellungen im arthaus statt, eine Dauerausstellung im arthaus gibt Einblick in das Schaffen.  
"Nichts ist flüchtig"
Der Krimiautor Raimon Weber, der zur Vernissage in die Ausstellung einführen wird,  ließ die Bilder zunächst auf sich wirken, bevor er sich an die Formulierung der Bildtitel machte. "Aufstand" oder "Charlotte wartet im Park" lassen zu den Fotos auch Bilder im Kopf entstehen. "Verschwörung" etwa titelt ein Bild mit drei markanten roten Einzelsesseln. Von der Decke tropft Regenwasser und hat die Stofffarbe so ausgewaschen, dass sie bereits in den Boden eingezogen ist. Manche Motive passen ideal zu den Mordgeschichten des Schriftstellers. Der stellt fest:  "Wir arbeiten zwar in unterschiedlichen Genre, aber nichts ist wirklich flüchtig." Fotografie (Brock), Buch (Weber) und Objekte (Nowodworski) stehen für Dinge, die länger Bestand haben. Gerade in der Zeit des schnellen Wandels sei ein Verharren in der Vergangenheit kostbar.  Die Bilder sind auf Leinwand aufgezogen bzw. in alten Echtholzrahmen eingefasst, im Format ab ca. 25 x 35 cm bis zum Großformat. Im arthaus nowodwoski werden die Bilder auch zum Verkauf angeboten, ab etwa 30 Euro.
Keine "Lost places"
Als "Lost places"-Fotografie möchte Brock seinen Stil nicht verstanden wissen. "Ich dokumentiere den Verfall. Das ist mehr als Bunker und Gewölbe."  Seinen Blick fokussiert er auf die Details. Krimiautor Raimon Weber geht noch weiter: " Wir leben in einer Symbiose. Jedes Bild ist Anlass für eine Geschichte."  Interessant sei die Geschichte dahinter. Ob geprägt von Einsamkeit, Verlust, Tragik oder Vision für die Zukunft, das bleibt dem Auge des Betrachters vorbehalten. 


Info

"Zwischenwelten - Mythen zwischen Vergangenheit und Realität" im arthaus nowodworski, Massener Straße 24,  wird am Sonntag, 1. Juli eröffnet. Die Fotopräsentation ist bis zum 30. Dezember zu sehen an jedem 1. Sonntag im Monat zwischen 14 und 18 Uhr oder nach Vereinbarung (arthaus nowodworski, Tel. 02303 918480). Der Eintritt ist frei.
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 13.06.2018 | 20:00  
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