Unterwegs im Bundestag

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Zwei Tage zeigte Peter Beyer dem Stadtanzeiger seinen Arbeitsplatz: Den Deutschen Bundestag. Ein 18 Quadratmeter-Büro, schlicht möbliert, eine kleine schwarze Couch. Es könnte das Büro im eigenen Betrieb sein. Doch der Blick aus den großen Glasfenstern, die Sicht in die Halle des Paul-Löbe-Hauses gewähren, macht deutlich: Es ist nicht ein x-beliebiges Büro, sondern das Arbeitszimmer von einem Abgeordneten im Deutschen Bundestag in Berlin.
Peter Beyer, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Velbert, Heiligenhaus, Ratingen und Wülfrath, sitzt hier unter der Woche am Schreibtisch. Aber viel Zeit verbringt der Christdemokrat in diesen vier Wänden nicht: „Ich bin nicht oft am Schreibtisch. Wenn ich in Berlin bin, bin ich viel unterwegs.“ Ein Termin jagt den nächsten. Tage, wie sie für Beyer nun seit über einem Jahr zum Alltag gehören.
Auf dem Schreibtisch stehen Fotos von seiner Familie - zwei Kinder hat der studierte Jurist. Für die bleibt zwischen Fraktionssitzungen, Arbeitsgemeinschaften, Podiumsdiskussionen und Wahlkreisarbeit wenig Zeit. „Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, den Sonntag freizuhalten, aber in der Praxis klappt das meist nicht“, so Beyer im Gespräch. Denn Wochenende heißt für Beyer nicht gleich Freizeit. Wenn der Abgeordnete nicht in Berlin ist, kümmert er sich um die Bürger in seinem Wahlkreis. Briefe und E-Mails beantworten, Telefonate mit Bürgern führen – das alles darf für Beyer nicht zu kurz kommen.
Und wenn er dann mal Zeit für sich hat, weiß er gar nicht so recht etwas damit anzufangen: „Ich falle in eine Art Vakuum.“ Seine Kinder haben ihn überredet, einen Hundewelpen anzuschaffen. Mit ihm geht der 40-Jährige nun gern in seiner Wahl-Heimat Heiligenhaus spazieren.
Wie er konkret in Berlin etwas für seinen Wahlkreis tun kann? Stipendienvermittlung, Arbeitsplätze schaffen oder Fragen der Bürger beantworten führt Beyer an. „Von jeder Sitzungswoche bringe ich etwas mit in meinen Wahlkreis.“ Vor allem Fragen zu aktuellen Ereignissen kommen von Bürgern. Nach den katastrophalen Geschehnissen in Japan stellt Beyer sich vor allem auf Fragen ein.
Trotz Terminstress ist auch - oder gerade weil sie politische Entscheidungen treffen müssen, die zugleich Deutschlands Energiepolitik beeinflussen - unter den Abgeordneten Japan Gesprächsthema Nummer Eins. „Die Bilder haben schon alle sehr bewegt. Wir sprechen viel miteinander über dieses Thema. Aber wir verspüren keine Angst oder Bedrohung. Es kommt zu keiner Panikmache.“ Das von der Bundesregierung ausgesprochene Moratorium hält er für den „richtigen Schritt“.
Im Gespräch mit Regierungssprecher Steffen Seibert ist Japan ebenfalls Konversationsgegenstand. Seibert, der gerade von der japanischen Botschaft, die er mit der Bundeskanzlerin besuchte, zum Journalistengespräch geeilt kommt: „Was da passiert ist, ist ein Weltereignis von der Qualität, wo von es nur wenige gibt. Es ist ein Moment, der die Welt in einer gewissen Weise verändert.“
Bilder aus den Krisengebieten erschüttern die ganze Welt. Wie die Politiker mit einer solchen nicht-alltäglichen Situation umgehen: „Ich erlebe Politiker nicht als Technokraten“, so Seibert. Sie haben auch Familie und Verwandte, aber sie haben auch eine Verantwortung. Politik kann man nicht im Zustand dauerhafter Erschütterung machen.“ Eins steht nach diesen erlebnisreichen, spannenden Tagen in Berlin fest: Der Job als Abgeordneter ist ein Full-Time-Job, in dem Persönliches hinten ansteht. Für Beyer und seine Kollegen aber ist das Alltag.

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