Erdbohrungen in Voerde: Die Urnordsee streckte sich bis ins Ruhrgebiet aus
Voerdes erdgeschichtliches Alter

BIs 75 Meter Tiefe: Meeresablagerungen der sog. Rupel-Formation, ca. 33 – 28 Mio. Jahre alt, bestehend aus tonigem Schluff und schluffigem Ton.
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  • BIs 75 Meter Tiefe: Meeresablagerungen der sog. Rupel-Formation, ca. 33 – 28 Mio. Jahre alt, bestehend aus tonigem Schluff und schluffigem Ton.
  • Foto: © GD NRW 2020
  • hochgeladen von Janutschka Perdighe

Mitte August diesen Jahres haben wir unsere Leser bereits informiert, dass in Voerde der geologische Dienst NRW Kernbohrungen vorgenommen hat. Nun sind die ersten Ergebnisse da. Und es kam erstaunliches zum Vorschein.

Fünfundsiebzig Meter drehte sich der Bohrkopf in die Tiefe. Die erbohrte Schichtenfolge wurde sehr detailliert aufgenommen. Innerhalb der 75 m langen Bohrkernstrecke konnten insgesamt 76 einzelne Schichtglieder unterschieden werden. Die Dünnsten messen nur etwa 10 cm, die Dicksten sind fast 6 m mächtig.
Bis 22,30 m: Hier wurden vermutlich Schmelzwasserablagerungen ergraben. Das ist ein Sediment, dass durch abschmelzendes Gletscherwasser transportiert und abgelagert wurde, geschätztes Alter, ca. 200.000 Jahre.

Und es ging noch tiefer ins Erdreich: Ab der Tiefe von 26,70 Metern sind Meeresablagerungen der sog. Grafenberg-Formation entdeckt wurden. Diese sind ca. 28 bis 25 Mio. Jahre alt. Sie bestehend aus schluffigem Feinsand, teilweise mit Muschelschalen. "Das können Ausläufer der Urnordsee gewesen sein", berichtet Dr. Bettina Dölling vom geologischen Dienst NRW. "Weil Wasser immer nach unten fließt und es im Raum Ruhrgebiet Nord viele Senkungen gegeben hat und noch heute gibt."
Vor vielen Millionen Jahren gab es hier also eine Niederrheinische Bucht. Die Bohrungen geben Aufschluss darüber, wie dick die einzelnen Schichten sind und sie verraten ihr Alter.

Doch wofür und wer benötigt solche Daten? "Dieses Daten sind wichtig für alle möglichen Bereiche", so Bettina Dölling. "Wir wollen beispielsweise alle sauberes Wasser, für die Freigabe von Baugrund, Brunnenbohrungen und Grundwasser- und Rohrstofffragen. Ob aus der Politik oder von Energieversorgern, Fragen zum Untergrund beantworten wir vom geologischen Dienst."
Aus den Ergebnissen der Bohrungen werden Schnittdarstellungen und Karten erstellt, auch als 3D-Darstellung.

Hier kommen die detaillierten Bohrungsergebnisse:
bis 0,60 m: künstliche Auffüllung, bestehend aus Sand, Schluff und Bauschutt
bis 2,6 m: Hochflutablagerungen (durch Fluss-Hochwasser entstanden), bestehend aus Sand, z. T schluffig, z. T. mit Kiesen
bis 15,0 m: Terrassenablagerungen aus der Weichsel-Zeit (115 000 – 11 700 Jahre vor heute) aus Sand und Kies (sog. Niederterrasse)
bis 19,0 m: Terrassenablagerungen aus dem jüngsten Abschnitt des Saale-Komplexes (Saale-Komplex = 300 000 – 115 000 Jahre vor heute), bestehend aus Sand und Kies (sog. Jüngere Mittelterrasse)
bis 22,30 m: vermutlich Schmelzwasserablagerungen (Sediment das durch abschmelzendes Gletscherwasser transportiert und abgelagert wurde) aus dem Drenthe-Stadium des Saale-Komplexes, ca. 200 000 Jahre alt, bestehend aus Kies und Sand, z. T. steinig (Gerölle > 6,3 cm)
28 Mio. Jahre bis 200 000 Jahre: Schichtlücke, es sind keine Sedimente aus dieser Zeit vorhanden. Stattdessen folgen Ablagerungen eines Meeres, das während der Tertiär-Zeit (ca. 66 bis im Bohrkern überliefert ca. 25 Mio. Jahren) das Niederrheingebiet von Norden überflutete und zeitweise bis in den Raum Bonn nach Süden reichte:
bis 26,70 m: Meeresablagerungen der sog. Grafenberg-Formation, ca. 28 – 25 Mio. Jahre alt, bestehend aus schluffigem Feinsand, teilweise mit Muschelschalen.
bis 61,00 m: Meeresablagerungen der sog. Rupel-Formation, ca. 33 – 28 Mio. Jahre alt, bestehend aus schluffigem Feinsand und feinsandigem Schluff
bis > 75 m: Meeresablagerungen der sog. Rupel-Formation, ca. 33 – 28 Mio. Jahre alt, bestehend aus tonigem Schluff und schluffigem Ton.

Autor:

Janutschka Perdighe aus Dinslaken

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