Wann kommt der Radweg rund um den Innenstadtring?

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Radwege am Innenstadtring, die wichtigsten Abschnitte - Bild 1
 
Profil des Innenstadtrings mit Radschnellweg - Bild 2
 
Verlauf des Radschnellwegs durch Bochum, die 3 Varianten - Bild 3
Bochum: und Wattenscheid | Die SPD hat es sogar explizit im Wahlprogramm stehen, Grüne, Linke, STADTGESTALTER und andere unterstützen das Vorhaben, der Innenstadtring soll mit Radstreifen ausgestattet werden, so dass gefahrloses Radfahren dort endlich möglich wird.

Denn momentan kommt man über viele Straßen mit dem Rad zwar bis zum Innenstadtring, kommt von dort aus aber nicht in die Innenstadt ohne zuvor eine Teilstrecke in einer halsbrecherischen Fahrt auf den Autospuren des Ringes zurück zu legen. Viele Radfahrer trauen sich nicht mit dem Rad über den Ring. Kindern ist das Fahren dort gar nicht zuzumuten.

Die Stadt strebt an, dass die Bochumer im Schnitt statt bisher 6% der Wege zukünftig 11% mit dem Rad zurücklegen. In Städten, die für ihre besonders hohe städtische Aufenthaltsqualität bekannt sind, liegt der Anteil der mit dem Rad zurück gelegten Wege bereits bei über 30% (Houten (44%), Oldenburg (43%), Münster (38%), Kopenhagen (35%), Leiden (33%) und Groningen (31%)). Den Anteil des Radverkehrs deutlich zu steigern, gelingt jedoch nur, wenn die Infrastruktur für das Radfahren in allen Belangen hohen Anforderungen genügt.

Eine dieser Anforderungen ist in Bochum ein Radweg entlang des Innenstadtrings. Auf dem Ring gibt es drei Abschnitte, auf denen Radstreifen besonders dringend benötigt werden (Bild 1):

Süd und Ostring, von Rottstraße bis Kortumstraße. Die Bergstraße, insbesondere mit der Augusta Klinik, ist heute nicht von der Innenstadt über Radwege zu erreichen, gleiches gilt für das neue Justizzentrum und den Hauptbahnhof. Zudem fehlt die Radanbindung der Universitätsstraße und der Rottstraße an die Innenstadt.

Westring, von Alleestraße bis Malteserstraße. Hier fehlt es an der Radwegeverbindung zwischen Stühmeyerstraße und Alleestraße.

Nordring, von Schillerstraße bis Hans-Böckler-Straße. Von der Schiller- und Uhlandstraße lässt sich die Innenstadt nur erreichen, wenn dieses Stück Ring mit Radstreifen ausgestattet wird.

Die Minimallösung müsste also vorsehen, dass der Ring zunächst zumindest in allen drei genannten Abschnitten Fahrradstreifen erhält. Eine solche Lösung ist nicht einfach zu realisieren, da für den Radweg Parkstreifen samt Bäumen und ggf. sogar Abbiegespuren entfallen müssten. Auch wird die Verkehrsführung an den Kreuzungen komplexer, da die Radstreifen in den bisherigen Verkehr eingebunden werden müssen. Leider hat man, als z.B. der Nordring saniert wurde, nicht auf diejenigen gehört, die bereits damals Radstreifen entlang des Innenstadtrings für unerlässlich hielten. Ein nachträglicher Umbau wird jetzt teuer, ist aber unumgänglich, sonst bleibt das Radwegenetz lückenhaft.

Ein weiterer Aspekt ist bei der aktuellen Radwegeplanung in Bochum zu berücksichtigen. Der Radschnellweg Ruhr. Der Bau soll bereits 2016 beginnen. Aktuell werden zwei Varianten diskutiert, wie dieser durch Bochum verlaufen soll (Bild 3):

Variante I, über die Bahntrasse im Norden der Stadt: Die Führung über den Bahndamm, ist wenn technisch überhaupt machbar, nur mit hohem baulichem und finanziellem Aufwand möglich, so müssten vor die Bahnbrücken der nördlichen Innenstadt Radbrücken gebaut werden.

Variante II, über den „Bongardboulevard“: Hier ist eine schnelle Durchführung des Radverkehrs aufgrund der komplexen Verkehrsbeziehungen auf der Strecke allerdings kaum möglich.

Das führt zur Variante III, der Führung über die Rottstraße entlang des Süd- und Ostrings vorbei am Hauptbahnhof bis zum neuen Justizzentrum. Dieses Stück würde auf fast direktem Weg Erzbahntrasse und Springorum-Radweg verbinden. Hauptbahnhof und Universitätsstraße wären direkt an den leistungsfähigsten Teil des Bochumer Radwegenetzes angebunden.

Mit dem Radschnellweg verkürzt sich die Fahrtzeit mit dem Rad nach Wattenscheid und Langendreer auf unter 20 Minuten.

Über einen Radweg entlang des Innenstadtrings könnten alle Radialstraßen Bochums an den Radschnellweg angebunden und untereinander verbunden werden. Bochum würde zur Radfahrstadt.

Aber wohin mit dem Radweg auf dem Ring?

Die Maximallösung. Die Linke schlägt vor: Die beiden inneren Spuren des Innenstadtrings werden zum Fahrradring ausgebaut. Der Autoverkehr wird auf den beiden äußeren Spuren im Einbahnverkehr geführt.

Alternativ könnte man auch den Autoverkehr nur noch in einer Fahrtrichtung, um den Ring führen. Der frei werdende Streifen der anderen Fahrtrichtung stünde dann für den Radschnellweg und einen Busstreifen sowie Schrägparkplätze für Anwohner zur Verfügung oder als zusätzliche Grünfläche (Bild 2). Dafür entfiele auf der Seite, auf der der Autoverkehr läuft, der Parkstreifen zugunsten einer zusätzlichen Fahrspur.

Die Folge, der Autoverkehr auf dem Ring würde zügiger laufen, dafür wären bei einigen Fahrstrecken längere Wege über den Ring zurück zu legen. Zeitlich dürfte sich der Nachteil der teilweise längeren Fahrwege mit dem Vorteil des zügigeren Fahrens aufheben. Der Abbiegeverkehr an den Kreuzungen ist nicht mehr so komplex. Die Grünphasen können für alle Verkehrsteilnehmer länger geschaltet werden. Die Überquerung des Rings wird für Fußgänger und Radfahrer einfacher.

Zusätzlicher Effekt, weniger Stop and Go, das hat weniger Verkehrslärm für die Innenstadt zur Folge. Ebenfalls kann der Ring durch zusätzliche Grünflächen attraktiver gestaltet werden.

Weiterer Vorteil, die Finanzierung des Radschnellweges soll vollständig von Bund und Land übernommen werden, damit müsste die Stadt Bochum zumindest für den Umbau zur Einrichtung des Radweges auf Süd- und Ostring keine Mittel zuschießen.

Effekt für das Image der Stadt: Mit dem Radschnellweg und dem Radweg um den Ring setzt Bochum ein sichbares Zeichen: Wir wollen ein moderne und innovative Stadt sein.

Der nächste Schritt wäre, zu prüfen, welche Lösungen für einen Radweg am Ring gibt es noch, außer den bereits beschriebenen, welche Vor- und Nachteile sind mit den unterschiedlichen Lösungen verbunden und wie sind die finanzierbar.

Für diejenigen, die sich dafür interessieren wie Radverkehr in Städten funktionieren kann, hier Links zu zwei Filmen, die sich mit dem Radverkehr in Kopenhagen und Groningen beschäftigen:
Journey Around Copenhagen's Latest Bicycle Innovations!
Groningen: The World's Cycling City

Volker Steude
Die STADTGESTALTER - politisch aber parteilos
BoWäH - Bochum und Wattenscheid ändern mit Herz
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2 Kommentare
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Gabi Walger-Demolsky aus Bochum | 10.08.2014 | 14:58  
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Gabi Walger-Demolsky aus Bochum | 11.08.2014 | 11:41  
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