Glosse: Lindnern und nicht gesichtswahrende Lösungen

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EISENBERG

Letzten Monat hatte ich mich an dieser Stelle noch über die Jamaika-Metaphorik in den Medien beschwert. Damit ist es jetzt zum Glück vorbei. Dank sei Christian Lindner, der die Verhandlungen abbrach mit den Worten: „Hier stehe ich und kann nicht anders!“

Okay, das hat er nicht gesagt, aber Luther ja auch nicht. Dafür kursiert im Netz ein neues Verb: lindnern – für das „Zurückziehen von einer gemeinsam geplanten Gruppenaktivität zum spätmöglichsten Zeitpunkt“. Ob das so ehrenhaft ist für den FDP-Chef? Die Verben guttenbergen und wulffen hatten sich auch nicht lange im Wortschatz gehalten. Schnell hörte man nicht mehr die Worte und noch schneller nichts mehr von ihren Namenspatronen.
Aber gut, die FDP war halt einfach genervt. Wolfgang Kubicki hatte keine sauberen Hemden mehr, und seine Frau wollte nicht von Kiel nach Berlin kommen, um ihm welche zu bügeln. Na, gibt’s denn so was! Sie sollte allerdings aufpassen. Bei Kubicki weiß man nie. Nicht, dass er demnächst nicht mehr von Berlin nach Kiel zurückkommt, um sie zu bügeln. Aber das ist ja Privatsache.

Eigentlich hätte man auch eher gedacht, dass das Bündnis an der CSU scheitern würde. Die wollte doch bei vielen Punkten hart bleiben. Alexander Dobrindt nannte man schon „den Bad Boy von Jamaika“. Das hätte man sich auch nicht träumen lassen, dass man den Dobrindt mal einen Bad Boy schimpft; der war doch vier Jahre lang der Maut-Kasper der GroKo.
Vielleicht war es auch nicht klug, so junge Bürschchen mitverhandeln zu lassen, zum Beispiel Carsten Linnemann von der CDU (der ein bisschen so aussieht wie Karl Vierstein von TKKG). So ein Jüngling saß am Verhandlungstisch! Der ist doch noch nicht einmal abgestillt! Alte Hasen braucht man jetzt. Aber auf jemanden wie Wolfgang Schäuble wird die CDU bei zukünftigen Koalitionsrunden verzichten müssen, weil er – wie so viele zuvor – weggelobt wurde. Dabei könnte er mühselige Debatten verkürzen, denn laut eigener Aussage gilt bei ihm: „Wenn ich ein unfreundliches Gesicht aufsetze, erspart mir das 80 Prozent der Gespräche.“

Man braucht jetzt Politiker, denen es wirklich ums Land geht, nicht um die Partei, um die Sache und nicht um Macht. Vielleicht holt man jemanden wie Norbert Blüm zurück, der jüngst im SPIEGEL-Interview abgestritten hat, je eine Machtstellung besessen zu haben: „Meine Macht bestand darin, mich mit Tomaten bewerfen zu lassen […]. Ich kenne alle Reifegrade von Tomaten.“ Das ist doch sympathisch. Ein Schwarzer mit rotem Anstrich – oder: Anwurf. Könnte jemand besser verhandeln für eine neue GroKo?
Eigentlich wollte sie keiner, aber jetzt, da alle Parteichefs zum Nachsitzen mussten beim Steini, läuft es darauf hinaus. Die SPD will dann möglichst viel rausholen; einige fordern sogar, dass die Kanzlerin dafür fallen müsse. Das ist mit der Union natürlich nicht zu machen. Da muss ein Kompromiss her, und es gibt da auch eine Möglichkeit. Ein Neurochirurg aus Italien plant doch momentan die erste Transplantation eines Kopfes – von einem Erkrankten auf den Körper eines Spenders. Kann man den nicht anrufen? Dann transplantieren wir den Kopf von Martin Schulz auf den Körper von Angela Merkel und haben die erste Transgenderkanzler*_/-in der BRD: Angeltin Schulzkel. Klar, für Merkel wäre es nicht unbedingt eine gesichtswahrende Lösung, aber warten wir mal ab, was erst los ist, wenn Markus Söder herumläuft mit dem Kopf von Horst Seehofer. Allerdings eher unter dem Arm als auf den Schultern.
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