Abwärtsspirale aufhalten: Wenn Mama oder Papa psychisch krank sind, hilft die Caritas in schwierigen Lebenslagen

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Dinslaken: Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) der Caritas |

Wenn Vater oder Mutter psychisch erkranken, vielleicht sogar arbeitsunfähig werden und die Familie zusätzlich finanzielle Sorgen plagen, sind oft auch die Kinder die Leidtragenden. Sie müssen nicht nur lernen zu verstehen, was mit Mama oder Papa nicht stimmt, sondern auch lernen, mit der Krankheit ihrer Eltern und den Folgen - Stichwort: Kinderarmut - umzugehen. Hilfestellung in dieser schwierigen Lebenslage geben die Mitarbeiter der Caritas Dinslaken.

Den Weg zur Caritas finden Betroffene auf unterschiedliche Weise: über das Jugendamt, über Fachärzte und Kliniken, über die Caritas intern. Manche kommen auch von sich aus und suchen Hilfe. "Wir bieten mit Absicht niedrigschwellige Angebote, um den Zugang zu erleichtern", sagt Anette Friedrich vom Sozialpsychiatrischen Zentrum des Caritasverbandes in Dinslaken.

Oberste Priorität in der Arbeit mit den Familien hat, "das höchste Gut, die Familie, zusammenzuhalten

Oberste Priorität in der Arbeit mit den Familien hat, "das höchste Gut, die Familie, zusammenzuhalten", sagt Vera Berger, Leiterin im Fachbereich Jugendhilfe. Nur in ganz, ganz seltenen Fällen sei es besser, Familien zu trennen. "Auch psychisch erkrankte Eltern möchten nur das Beste für ihre Kinder", ergänzt die psychologische Psychotherapeutin Martina Falk. Nur könnten sie aufgrund ihrer Erkrankung nicht immer das Beste geben. Häufig fehlt es an festen Strukturen: Die Kinder gehen nur unregelmäßig in den Kindergarten, Tagesabläufe variieren, nicht immer steht ein warmes Mittagessen auf dem Tisch. Materielle Einbußen stecken die Kinder dabei meist besser weg, als eine soziale Ausgrenzung. Weil sie andere Kleidung tragen. Weil sie an Aktivitäten nicht teilnehmen können. Sie haben das Gefühl, sie gehören nicht dazu, kommen aus eigener Kraft aber nicht raus aus der Situation. Und genau hier setzt die Caritas an, zeigt auf, dass Kinder durchaus Einfluss nehmen und ihr Leben mittelfristig individuell gestalten können. "Für uns ist es ganz wichtig, erst einmal Stabilität zu schaffen - für die Eltern und auch für die Kindern", sagt Martina Kröber, Fachbereichsleiterin psychologische Dienste. "Wir helfen, Tage besser zu organisieren, begleiten Vater oder Mutter zu Terminen, unterstützen bei bürokratischen Angelegenheiten, unternehmen mit den Kindern Ausflüge, bieten praktische Hilfe wie Fahrdienste, gemeinsame Besuche der Kleiderkammer oder kaufen den Kleinen neue Schuhe." Martina Falk erinnert sich noch gut an eine achtköpfige Familie, die unter der Krankheit der Mutter und einer sehr belastenden Wohnsituation litt.

Schon mir relativ einfachen Mitteln konnte dieser Familie geholfen werden

"Das Haus war sehr klein, die Kinder mussten sich Zimmer teilen, die Eltern schliefen im Wohnzimmer. Die Kinder waren sehr blass und in Sprache und Motorik entwicklungsverzögert." Aber: Es gab einen kleinen Garten. Also wurden mithilfe der Aktion Lichtblicke kurzerhand Spielgeräte, Schaukel und Sandkasten angeschafft. Schon nach kurzer Zeit zeigte die Hilfe Wirkung und die Großfamilie war deutlich entspannter und muss mittlerweile nicht mehr betreut werden.

Gut eingespieltes Helfersystem der Caritas

Geschuldet ist dieser Umstand auch dem gut eingespielten Helfersystem der Caritas, das an vielen Stellen ineinander greift. "Im besten Fall", sagt Vera Berger, "setzt unsere Hilfe sehr früh ein." Mit der Brechstange ist keiner unterwegs, auch nicht in akuten Fällen. "Wer zu uns kommt, muss keine Angst haben, seine Kinder zu verlieren." Zunächst einmal werde eine Bindung zu den Familien aufgebaut, dann könne mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden und mischten sich die Mitarbeiter in den Lebensalltag der Betroffenen ein. "Wichtig ist, ehrlich zu den Kindern zu sein, ihnen aber gleichzeitig Hoffnung zu geben", sagt Martina Falk. Wenn allerdings die Zusammenarbeit verweigert würde und die Mitarbeiter den Eindruck haben, das Kind wäre gefährdet, müsse das Jugendamt eingeschaltet werden, so Martina Kröber.

Eine Erkrankung eines Elternteils bedeutet zwar eine Belastung beziehungsweise ein Risikofaktor, aber nicht automatisch, dass die Situation desaströs ist.

Andreas Radusch, ambulante erzieherische Jugendhilfe: "Eine Erkrankung eines Elternteils bedeutet zwar eine Belastung beziehungsweise ein Risikofaktor, aber nicht automatisch, dass die Situation desaströs ist. Aber: Manchmal benötigten die Betroffenen Hilfe - entweder aus dem privaten Umfeld oder eben auf professioneller Ebene." Und genau dort setzen die Mitarbeiter der Caritas an.

Erkrankungen

1. Häufig leiden Betroffene unter Depressionen, Angsterkrankungen oder Psychosen. Aber auch Menschen mit Persönlichkeitsstörungen (bipolare Störung) und Traumata suchen Hilfe bei der Caritas.
2. Wenden kann sich an die Caritas auch, wer unter Suchterkrankungen oder sogenannten Doppelerkrankungen leidet.
3. Betroffen sind Männer und Frauen - vor allem mittleren Alters - gleichermaßen. Die Tendenz der Erkrankungen bei jungen Erwachsenen ist steigend.
4. Ist ein Mensch erkrankt, sind häufig vor allem Leistungswirksamkeit und Selbstwertgefühl beeinträchtigt.



KONTAKT
^ Wer Hilfe sucht, kann sich an den Caritasverband für die Dekanate Dinslaken und Wesel wenden: Diplompsychologin Martina Falk, Tel. 0281-338340, erziehungsberatung@caritas-wesel.de; Diplom-Pädagoge Andreas Radusch, Tel. 02064-49165; Sozialpädagogin Anette Friedrich, Tel. 02064-49350.
^ Die Mitarbeiter im Sozial-Psychiatrischen Zentrum im Edith-Stein-Haus in Dinslaken sind erreichbar unter Tel. 02064-449351, edith-stein-haus@caritas-dinslaken.de.
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