Auf den Spuren Wielands des Schmieds: Hauptschüler in Wickede lernen jahrtausendealte Metallverarbeitung kennen

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Keine Angst vorm Feuer: den Wickeder Hauptschülern macht die zweitägige Schmiedeaktion mit Andreas Rimkus großen Spaß. (Foto: Schmitz)
 
Der Künstler Andreas Rimkus (2.v.l.) erklärt den aufmerksamen Schülern der Hauptschule in Wickede die Kunst des Schmiedens. (Foto: Schmitz)
Dortmund: Hauptschule Wickede | „Schmiede das Eisen, solange es heiß ist!“ Dieses Sprichwort nahmen die Wickeder Hauptschüler wortwörtlich und umlagerten die Esse: Zwei Tage lang war der Siegener Künstler Andreas Rimkus zu Gast und führte sie in das Schmiedehandwerk ein.

„Es muss mehr glühen“, erklärt Andreas Rimkus einem Schüler. Ringe und Herzen aus Zimmermannsnägeln werden von den Jugendlichen eifrig hergestellt. Larissa aus der siebten Klasse hat neben einem Herz auch einen Kreis angefertigt. Zwei Tage lang konnten die Schüler gemeinsam mit dem Bildhauer und Metallgestalter Andreas Rimkus an einem Schmiedeprojekt arbeiten. Sowohl die Tradition als auch die Moderne standen im Mittelpunkt: Neben den bis zu 2000 Jahre alten Schmiedekünsten erhielten die Schüler auch einen Einblick in die moderne Umformtechnik.

Norbert Burzlaff hat die Schule beraten und den Kontakt zum Körner Unternehmen Anker Schroeder hergestellt. Der Unternehmensberater betreut eine Initiative der Dortmunder Wirtschaft, die dieses Projekt fördert. Die Hauptschule unterstützt er schon länger: „Wir sind quasi vom Schulamt verheiratet worden“, lacht er. „Die Schüler müssen auf die Berufsorientierung vorbereitet werden“, erklärt Schulleiterin Elke Heymann. „Da sie oft handwerklich begabt sind, ist das Projekt sehr gut für sie geeignet.“
Dirk Schroeder, Inhaber von Anker Schroeder, stellt sowohl seine Azubis als auch finanzielle Mittel zur Verfügung. Er freut sich besonders darüber, dass vor allem die Mädchen so geschickt sind. „Sie sind oft ausdauernder“, bestätigt Andreas Rimkus.

14 Schüler drängen sich im inneren Kreis der mobilen Schmiede. Mehr dürfen es aus Sicherheitsgründen nicht sein. „Über 10.000 Kinder sind schon durch mein mobiles Schmiedelabor gegangen. Bisher hat sich niemand verletzt“, versichert Andreas Rimkus. „Für die meisten ist es ein Schlüsselerlebnis, dass ich ihnen vermitteln will.“ Dem Achtklässler Pongsakorn gefällt, dass er sich durch die Aktion in die Tätigkeit eines Schmieds hineinversetzen kann. „Es war eine harte und schmutzige Arbeit“, stellt er fest. Trotzdem kann er sich vorstellen, später etwas in der Richtung zu machen. Auch vier Azubis von Anker Schroe­der sind dabei. Zwei von ihnen, Mirko Wenke und Lars Langbecker, haben ihren Meister sogar gebeten, an beiden Tagen dabei sein zu dürfen. „Wir sind begeistert von der Kreativität vieler Schüler“, sagt Mirko. „Die Zusammenarbeit der Schüler ist gut“, fügt Lars hinzu.

Der Beruf Schmied wurde von der Handwerkskammer vor etwa 15 Jahren abgeschafft. Offiziell existiert er damit gar nicht mehr. Trotzdem wird der Schmied noch gebraucht. „Metallbetriebe suchen oft gute Leute. Das ist ein selbstgemachtes Problem. Wenn nur ein paar von den Schülern dabei bleiben, ist das schon ein Erfolg“, so Andreas Rimkus über seine Ak­tion. Der Achtklässlerin Natalie macht das Schmieden großen Spaß. „Ich bin gerne kreativ, ich zeichne und arbeite mit Holz.“ Sie kann sich auch vorstellen, in der neunten Klasse ein Praktikum im Bereich des Schmiedens zu machen, ebenso wie die Siebt­klässlerin Sarah.

Alle Schüler der 7. bis 9. Klasse haben innerhalb der zwei Tage die Chance, an der Esse zu stehen. Einzig die Zehntklässler können nicht mitmachen: „Die sind auf Klassenfahrt“, erklärt Elke Heymann. Auch Kinder, die etwa aufgrund einer Behinderung besonders gefördert werden müssen, sind mit Feuereifer dabei. Die Kreativität der Schüler endet aber nicht am Schultor: Noch dieses Jahr werden sie eine Fassade am Haus Lucia gestalten.
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