Grüne Hauptstadt schiebt Projekte im Großraum Borbeck auf die lange Bank

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Auf die lange Bank geschoben: Eingangs- und Aufenthaltsbereiche sowie Radwege des Bahnhofs Borbeck sollten im Rahmen der Grünen Hauptstadt verbessert werden. Foto: Debus-Gohl

Es hat Symbolwert, dass gerade die Grüne-Hauptstadt-Stele in Gerschede kurz vor Eröffnung der „Essener Aussichten“ den Abflug macht. Gleich zwei Projekte der Initiative sollten im Bezirk IV umgesetzt werden, keines hat bisher das Licht der Welt erblickt. Selbst der Trostpreis, eine Aufwertung des Radwegs entlang des Bahnhofs Borbeck, scheint klammheimlich zu den Akten gelegt.

„Bei der Grünen Hauptstadt sehe ich nicht mehr grün, sondern ziemlich rot“, hat Ulrich Schulte-Wieschen, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung IV, inzwischen eine klare Meinung. Im Rahmen eines „Green Capital Day“ sollten die Bezirksvertretungen stadtweit ihren Einzugsbereich durch ökologisch wertvolle Projekte aufhübschen können. Die Gremien warfen dafür 25.000 Euro in den Topf, die Grüne Hauptstadt wollte die Investition entsprechend verdoppeln.

Tischtennisplatten als Trostpreis

Die Bezirksvertretung IV hatte zunächst geplant, die Fläche des ehemaligen Zeltdorfs an der Dellwiger Levinstraße nach der versprochenen Renaturierung mit einem Mehrgenerationenspielplatz zu bestücken. Hier gab‘s die ersten Schwierigkeiten: Anfang des Jahres wurde die Maßnahme von Umweltdezernentin Simone Raskob bis auf weiteres verschoben, weil Renaturierung und Aufwertung nicht rechtzeitig zum Green Capital Day fertig wären. Als Alternative sollten nun Eingangs- und Aufenthaltsbereiche sowie Radwege des Bahnhofs Borbeck vom Weidkamp bis zur Wachtstraße verbessert werden. Die steile Zufahrt ließe sich abflachen, die Grünanlage am Weg könnte durch Bänke, Abfalleimer und neue Tischtennisplatten ergänzt werden. Trotzdem erhielt die BV IV die Zusage, dass die Levinstraßen-Aufwertung noch in 2017 umgesetzt wird – jetzt komplett auf Kosten der Stadt Essen.
Schon im Juni war diese Zusage wieder Schnee von gestern und die Renaturierung sollte aus Kostengründen nicht umgesetzt werden. Erst nach einem Aufschrei in verschiedenen Medien (der Borbeck Kurier berichtete) setzte die große Ratskoalition aus CDU und SPD eine erneute Prüfung durch.

Frage der Nachhaltigkeit

An einem zentralen Tag im Mai sollten nun alle BV-Projekte der Bevölkerung übergeben werden: „Den hat‘s nicht gegeben“, weiß SPD-Fraktionschef Schulte-Wieschen. In zwei, drei Bezirken sei immerhin die Übergabe passiert, aber auch an unterschiedlichen Tagen. Für die Umbaumaßnahme der Radwegeverbindung sieht‘s derzeit nicht besser aus: „Da ist noch nichts passiert, wir haben nichts mehr davon gesehen“, berichtet Schulte-Wieschen. In der Juni-Sitzung hatte die Bezirksvertretung einen Antrag zum Sachstand gestellt, in der Juli-Sitzung erneut: kein Anruf, kein Bescheid. Neben der Ungewissheit gehe das besondere Moment der Grünen Hauptstadt verloren: „Es ist ja nicht alleine eine Maßnahme von Grün und Gruga“, erläutert der Lokalpolitiker, „es sollte eine Nachhaltigkeit da sein und die Bürger miteingefangen werden.“ So hätte man beispielsweise Fahrradinitiativen oder andere Stadtteilakteure aktivieren können.
Zumindest der Green Capital Day soll in diesem Jahr noch stattfinden, wie Christina Waimann, Pressesprecherin der Grünen Hauptstadt, erklärt: „Der Green Capital Day ist nicht gestorben, den gibt’s nach wie vor.“ Die Aktionen würden jetzt nach und nach umgesetzt, im Oktober oder November soll die zentrale Übergabe stattfinden. Zum Stand des BV-IV-Projekts konnte die Pressestelle der Grünen Hauptstadt vor Redaktionsschluss keine Angaben machen. Das Zeitfenster für die Bezirksvertretung ist die Oktober-Sitzung: „Wenn die nicht in der Lage sind, uns bis dahin etwas vorzulegen, überlegen wir, die 25.000 Euro wieder zurückzurufen.“
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