Rechte Hetze in Dellwig: Braune Wölfe verteilen Handzettel

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Vor der Fertigstellung: das Zeltdorf an der Levinstraße. Foto: Müller
 
Für eine gerechte Verteilung: Zur Demo rief am Sonntag der Dellwiger Frieden. Foto: Debus-Gohl

Ein Schock für Dellwiger war schon der plötzliche Beginn der Rodungsarbeiten an der Prosperstraße, erschreckender noch sind die neuesten Entwicklungen: Vergangene Woche flatterten Anwohnern beider Flüchtlingsstandorte Handzettel der polizeibekannten rechtsradikalen Gruppierung „Division Braune Wölfe“ in die Briefkästen. Klar von den Extremisten distanziert hat sich die Bürgerinitiative Dellwiger Frieden, auf einer Demo mit anschließender Kundgebung informierten Initiativen-Sprecher und Lokalpolitiker über die aktuelle Situation.

„Leider sind wir nicht ganz so viele wie letztes Mal“, bemerkt Markus Kloss, Sprecher des Dellwiger Friedens. Die erste Protestaktion der Initiative unterstützten noch rund 600 besorgte Bürger, den Lauf vom Freibad Hesse bis zum Reinhold-Unterberg-Weg begleiteten diesmal gerade einmal knapp 40. Die Konkurrenz schläft nicht: Revierderby und strahlender Sonnenschein luden in Sportkneipen und Biergärten. Immerhin 70 Interessierte besuchten die anschließende Kundgebung.
Inhaltlich standen die neuesten Entwicklungen sowohl an der Levin- als auch an der Prosperstraße auf dem Programm, Gastredner waren die Lokalpolitiker Ulrich Schulte-Wieschen, Fraktionsvorsitzender SPD in der Bezirksvertretung IV, und Klaus-Dieter Pfahl, stellvertretender Bezirksbürgermeister (CDU).

Gegen den Strich

„Die Notunterkunft ist fast fertig“, weiß Pfahl von der Levinstraße zu berichten. Bezugsfertig sei sie für die 400 Flüchtlinge offiziell am 9. Mai, eine erste Begehung findet knapp eine Woche vorher statt. Inzwischen installiert ist an der Levinstraße ein Sichtschutz für den benachbarten VC Essen-Borbeck, auch der Zaun der Allbau-Kita sei mittlerweile realisiert und repariert. Nach Informationen des CDU-Politikers könnte das Zeltdorf sogar schon Ende des Jahres wieder Geschichte sein, gehen die Zahlen weiter zurück vielleicht bereits im September.
Schulte-Wieschen gegen den Strich gehen besonders die unnötig späten Rodungsarbeiten der Stadt Essen an der Prosperstraße: „Ich kriege eine ganz dicke Krawatte, wenn dort in der Schonzeit abgeholzt wird!“ Völlig unnötig sei der Aktivismus gewesen, die Ausschreibungen werden erst noch gemacht und mit einer Belegung ist frühestens Ende 2016 zu rechnen. Trotzdem appelliert der SPD-Politiker an die Dellwiger Anwohner: „Machen sie diejenigen, die hierher kommen nicht dafür verantwortlich! Ich lade sie ein: Gucken sie sich das Zeltdorf an! Und dann überlegen sie, ob sie da wohnen wollen!“ Die empathischen Ansprachen der beiden Lokalpolitiker und des BI-Sprechers ernteten nicht nur Applaus, aus einigen Ecken kamen höhnisches Gelächter und stumpfe Sprüche: „Das sind alles Verbrecher!“ Für den guten Willen spricht, dass viele nach der Kundgebung den Dialog mit Pfahl und Schulte-Wieschen suchten.

„Der Staatsschutz ermittelt“

Weniger gesprächsbereit sind dagegen andere: Vergangene Woche fanden Anwohner der beiden Flüchtlingseinrichtungen fremdenfeindliche Handzettel der rechtsextremen Gruppierung "Division Braune Wölfe" in ihren Briefkästen. Köln sei das Resultat schwachsinniger Einwanderungspolitik heißt es da in altdeutscher Schrift, die Ausbeutung der Heimat müsse verhindert werden. Die Braunen Wölfe waren schon zuvor in Erscheinung getreten, hatten damals aber nur Zettel im Umfeld der Levinstraße verteilt, während die Papiere diesmal bis zum Kraienbruch gingen.
„Das löst natürlich Verunsicherung aus bei der Bevölkerung“, weiß Marco Ueberbach, Pressesprecher der Polizei Essen. Lediglich in unregelmäßigen Intervallen zeige die Division Präsenz – nicht selten durch ähnliche Aktionen –, eine Gefahr für die Sicherheit der Anwohner oder des Zeltdorfs seien sie aber nicht: „Stand heute“, betont Ueberbach, „da sind wir immer sehr wachsam!“ Deshalb ermittelt jetzt der Staatsschutz wegen der Handzettel.

Keine Toleranz

Sorgen machte einigen Dellwigern nach Vorfällen in anderen Städten zudem der Start der Schwimmsaison am 31. April, Angst vor Übergriffen im Freibad Hesse bestehen besonders, seit die Arbeiten an der Prosperstraße begonnen haben. Die Situation völlig entspannt sieht Lothar Krause, 1. Vorsitzender des Badbetreibers RuWa Dellwig: „Unabhängig von der Nationalität haben wir eine Null-Toleranz-Strategie.“ Schon seit Jahren verfolgt das Freibad Hesse diese Politk, schwarze Sheriffs wie beispielsweise im Grugabad seien niemals notwendig gewesen. Entscheidend ist vielmehr die Gesamtatmosphäre im Bad.
Trotzdem wolle man sich auf die Flüchtlinge vorbereiten, die Sprachbarrieren dabei berücksichtigen und kulturelle Unterschiede verstehen und vermitteln: „Die Autorität der Frau steht!“ Schilder mit den einfachsten Regeln auch in arabischer Sprache sind bereits geordert, abhängig von der tatsächlichen Menge der Flüchtlinge in Dellwig könne zusätzlich ein Saisonarbeiter eingestellt werden.
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