Erfahrungen beim sozialen Freiwilligendienst in der chilenischen Großstadt San Felipe, Teil I

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Beim Schminken in der Villa Industrial. Presseofoto: Isabell Ressel
 
Beim Trommeln in der Casa Walter Zielke. Pressefoto: Isabell Ressel
 
Wunderschöner Sonnenuntergang bei San Felipe. Presseofoto: Isabell Ressel
Essen: Haus der Evangelischen Kirche |

Seit 1994 entsendet das Forum für Internationale Friedensarbeit FIFAr e.V. in Kooperation mit der Evangelischen Kirche im Rheinland und Weltwärts, einem Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in jedem Jahr sechs junge Menschen nach Chile: Dort engagieren sie sich in verschiedenen Sozialprojekten für Kinder und junge Heranwachsende. Haupteinsatzort ist meist das Heim „Casa Walter Zielke“ in der Großstadt San Felipe; doch können die Freiwilligen während der Woche in weiteren Projekten – zum Beispiel in einem offenen Treffpunkt für junge Menschen oder in einer Schule – tätig sein. Zurzeit sind die drei Essenerinnen Isabell Ressel, Marlene Rosenthal und Olivia Delahaye in San Felipe – bis zum Ende des Jahres wollen wir hier auf Lokalkompass Auszüge aus ihren Erfahrungsberichten veröffentlichen. Zum Auftakt unserer dreiteiligen Reihe berichtet Isabell:

Ein kleiner Schock zu Beginn... und eine herzliche Aufnahme

Drei Monate sind vergangen und ich habe schon so viele Erfahrungen sammeln können. Als ich hier angekommen bin, wurde ich von vielen Eindrücken erfasst, der neuen Sprache, der Landschaft und den Menschen. Unser Haus war anfangs eine kleine Baustelle, da es renoviert wurde. Wir hatten die ersten Tage auch kein Geschirr (oder Schränke), leider nur drei Betten für vier Freiwillige... Das war zuerst ein kleiner Schock, aber allmählich haben wir uns richtig einrichten können und es wurde zu unserem kleinen Zuhause. Zudem hat uns unser Hauptprojekt, die Casa Walter Zielke, uns sehr herzlich aufgenommen und uns den Start erleichtert.

Montags: Offene Kinder- und Jugendarbeit in einem Armenviertel

Meine Arbeitswoche beginnt in der Villa Industrial, ein offener Treff für Kinder und Jugendliche zwischen drei und 14 Jahren im Armenviertel San Felipes. Hier verläuft ein Tag meistens so, dass ich mit den Kindern zuerst die Hausaufgaben erledige oder wir spielerisch Übungen zur Rechtschreibung, zum Lesen oder zur Mathematik machen. Daraufhin haben wir die Möglichkeit, mit ihnen zu spielen. Jegliche- Karten oder Brettspiele bei den Kindern sehr beliebt – vor allem Ligretto wird wirklich bis zum Abwinken gespielt! Außerdem können wir mit den Kindern nach draußen gehen, um Fangen oder Fußball zu spielen. Ansonsten verläuft aber jeder Montag individuell, weil wir vorher nie wissen, wie viele Kinder wirklich an dem Tag kommen – und so haben wir Freiraum, alles spontan zu gestalten. Im Moment ist es leider so, dass nur wenige Kinder kommen, deshalb hoffe ich, dass ich etwas bewirken kann, damit wieder mehr Kinder hier betreut werden. Es ist für mich sehr schön zu sehen, wenn die Kinder nach der Zeit, die sie hier verbracht haben, mit einem Lächeln aus der Tür gehen, weil sie etwas von ihrem Aufenthalt bei uns mitnehmen konnten.

Mein zweites Projekt: Die Schule Jahuelito

An jedem Dienstagvormittag arbeite ich in der Schule Jahuelito und helfe den Lehrern in den Klassen ein bis sechs. In den ersten Klassen sind wirklich sehr viele Schüler und oftmals nur eine Lehrerin. Dort bestehen meine Aufgaben darin, die Kinder bei ihren Übungen zu unterstützen und gerade auf diejenigen mit einer Lernschwäche einzugehen. Ich finde es toll, wenn die Kinder ihre Zeit in den Pausen mit mir verbringen möchten, um mir etwas zu erzählen oder zu spielen. Außerdem legt diese Schule ihr Augenmerk auf einen schonenden Umgang mit der Umwelt und versucht, den Kindern den Umgang mit der Natur bewusster zu machen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in unserer Wohngemeinschaft geht es in das Jungenheim Pablo VI, in dem ich am Dienstagnachmittag und auch freitags arbeite. Hier gibt es zwei Altersgruppen: einmal die kleinen Kinder von sechs bis 12 Jahren und dann die größeren von 12 bis 17 Jahren. Vor allem Fußball ist bei fast allen Jungen wirklich sehr beliebt, sodass wir versuchen, den Teamgeist und die Regeln des Spiels mit ihnen einzuüben. Manchmal kommt es zu kleineren Reibereien.

Das Hauptprojekt: Casa Walter Zielke

Am Mittwoch, Donnerstag und an jedem dritten Wochenende arbeite ich im Hauptprojekt von FIFAr mit, der Casa Walter Zielke. Dort wohnen Jungen im Alter von 14 bis 24 Jahren in einem offenen Heim. Die einzigen Regeln sind der regelmäßige Schulbesuch und dass keine Drogen konsumiert werden. Die Jungen teilen sich zu zweit oder dritt ein Zimmer und wohnen aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei den Familien. Hier verbringen wir viel Zeit, um mit den Jugendlichen Musik zu machen, sie bei Erledigungen zu begleiten oder auch gemeinsam ins Kulturzentrum zu gehen. Außerdem können wir bei den Hausaufgaben helfen. Die Jungen machen nur zu gerne viele Witze über alles und jeden, aber da stehe ich drüber. Zudem ist es meist auch wirklich lustig... Einmal in jeder Woche backen wir mit zwei bis drei Jungen superleckeren Kuchen, am liebsten natürlich mit ganz vielem Probieren zwischendurch! Hinterher gibt es jedes Mal eine kleine Diskussion darüber, welcher Kuchen nun wirklich der beste war. Abends gehen wir dann zu unserem Bäcker von gegenüber, um das Brot für das Abendessen abzuholen. Nach dem gemeinsamen Essen spielen wir oft noch einmal Fußball – auch wenn ich nun wirklich nicht die beste Spielerin bin. Aber ich denke, ich habe hier noch genug Zeit, das auszubauen.

Ich habe mich weiterentwickelt

Auf den Fotos sieht man mich mit einem Kind in der Villa Industrial und beim Trommeln in der Casa Walter Zielke. Das Foto „San Felipe am Abend“ habe ich von einem Aussichtspunkt aus aufgenommen, den uns die Jungen gezeigt haben. Insgesamt finde ich es wirklich erstaunlich, inwiefern ich mich schon in diesen ersten Monaten weiterentwickelt habe – bezüglich meiner Sprachkenntnisse und beim Zusammenleben in unserer Wohngemeinschaft, aber auch im Hinblick auf die Vorurteile, die ich gegenüber dem Leben und die Situation in Chile hatte. Durch die Zeit in den Projekten habe ich viele neue Perspektiven einnehmen und viel über die Kinder und ihren Alltag lernen können. Ich hoffe, dass ich den Lesern einen kleinen Einblick in mein Leben hier im wunderschönen San Felipe geben konnte und möchte mich bei allen Unterstützern bedanken, die mich in jeglicher Form begleiten und bestärken!

Muchos Saludos, Isabell

Wie ihr euch für den Freiwilligendienst in Chile bewerben könnt

Seit der Gründung von FIFAr e.V. im Jahr 1994 haben bereits über hundert Teilnehmer in dem südamerikanischen Land soziale Projekte für Kinder, Jugendliche und Senioren unterstützt und dabei auch selbst von der Teilnahme am interkulturellen Dialog profitiert. Zurzeit läuft die Bewerbungsphase für den Freiwilligendienst ab Juli 2017 - wer sich dafür interessiert, kann sich noch bis zum 31. Dezember bei FIFAr e.V. bewerben. Alle erforderlichen Informationen stehen auf der Seite fifar-ev-essen.de.
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