Bezirksbürgermeister Zühlke fordert mehr Einsatz von den Wohnungsgesellschaften

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Beispiel für eine „Win-Win-Situation“: Die Feldwiese, wo Griffin 104 Wohnungen unterhält und - dank des Einsatzes des ISSAB - auf die Mieter zugegangen ist. Foto: Gohl
  Der Wunsch ist fromm formuliert: Schöner Wohnen im Bezirk VI. Nur wie bringt man Katernberg, Schonnebeck und Stoppenberg in Schwung? Das Kulturhauptstadtjahr ist längst passé, die Fördermittel für Katernberg aus dem Programm Soziale Stadt versiegen. Bezirksbürgermeister Michael Zühlke fordert mehr Einsatz von den Wohnungsgesellschaften.

Von einem Stadtteil mit „besonderem Erneuerungsbedarf“ zu einem selbstbewussten Stadtbezirk - in zwanzig Jahren ist der Essener Nordosten gereift. Weg vom Malocherquartier, hin zum beliebten Wohnviertel für junge Familien. Besonders bezahlbares Eigentum ist gefragt - die vielen Einfamilienhäuser, die vor allem in Stoppenberg und Schonnebeck, aber auch in Katernberg bzw. Beisen, errichtet und vermarktet wurden, sind der Beweis. Und noch ist kein Ende des Trends in Sicht: An der Garnbleiche in Schonnebeck plant die Firma Eckehard Adams den Bau von 50 Wohneinheiten in Form von Doppelhaushälften.

Der Lohn dieser Entwicklung: Die Einwohnerzahl im Bezirk VI ist seit Jahren stabil. „Stoppenberg konnte zwischen 2000 und 2009 sogar einen Einwohnerzuwachs von 5,5 Prozent vermelden“, weiß Bezirksbürgermeister Michael Zühlke.
Doch dies ist kein Grund, sich auszuruhen. Im Gegenzug sieht Zühlke Handlungsbedarf im Mietsektor. Der Bestand entlang der Hauptstraßen, Visitenkarten eines Bezirks, hat schon bessere Tage gesehen, und auch aus den ehemaligen Bergbausiedlungen kommen Klagen. Letztere befinden sich oft im Besitz großer Wohnungsgesellschaften - und die sind meist im Auftrag von international agierenden Finanzinvestoren unterwegs. Ständig wechselnde Besitzverhältnisse und unerledigte Reparaturen sind die Folge, wie leidgeprüfte Mieter immer wieder zu berichten wissen. In der jüngeren Vergangenheit meldeten sich unter anderem Betroffene aus dem Farrenbroich und dem Meerkamp (Katernberg) in der Redaktion des Nord Anzeigers. „Im Moment zahlen wir an einen Insolvenzverwalter in München. Die Miete wird, wie normal, abgebucht. Es wird aber sonst nichts gemacht“, berichtete ein Anwohner nun am Rande der Katernberg-Konferenz.

Den Stadtteil-Treff nahm Zühlke zum Anlass, mehr Engagement der Wohngesellschaften einzufordern. Wie gezielte Investitionen zu einem beidseitigen Vorteil gereichen können, erläuterte der Bezirksbürgermeister am Beispiel der Feldwiese, wo Griffin 104 Wohnungen unterhält. Lange beschränkte der dänische Immobilienfonds seine Aktivitäten in Katernberg auf die Buchhaltung - zum Leidwesen der Mieter und der Immobilie. Das Institut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB) schritt vermittelnd ein, bevor die Situation eskalierte: „Griffin nahm schließlich 500.000 Euro in die Hand, um Heizungsanlage, Dach und mehr zu sanieren. Im Gegenzug haben die Mieter pflegerische Aufgaben übernommen. Aus diesem Investment ist eine Win-Win-Situation entstanden. Die Bewohner der Feldwiese fühlen sich ernstgenommen, Eigentümer Griffin klagt über weniger Leerstände“, weiß Zühlke. Wohlwissend, dass die mediativen Kräfte des ISSAB (als Bestandteil des Förderprogramms Soziale Stadt) künftig in Altenessen-Süd gefragt sind.

Daher der Appell an die Wohnungswirtschaft. Im Sommer lud der Bezirksbürgermeister zu einem ersten Sondierungsgespräch ins Stoppenberger Rathaus - mit einigem Erfolg. Die Einladungen zur Katernberg-Konferenz blieben hingegen unbeantwortet. Von den „Großen“ hatte sich immerhin die Allbau AG förmlich abgemeldet, der Einladung gefolgt war lediglich das Familienunternehmen Sahle Wohnen („Wenn wir sanieren, ist das ein Bekenntnis zum Standort“). Auf den Bezirk kommt also noch jede Menge Überzeugungsarbeit zu.
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