Gefühlen eine Ausdrucksform verleihen

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Die Werdener Künstlerin Elham Vahdat stellt bei kunstwerden aus. Foto: Bangert
 
Ein selbstgeschnittener Film mit berückender Mehrdimensionalität. Foto: Henschke

Die Werdener Künstlerin mit iranischen Wurzeln Elham Vahdat stellt bei kunstwerden aus


Wie steht es um unsere Fähigkeit, uns in das Dasein eines Anderen hinein zu fühlen? Die in Teheran geborene Werdener Künstlerin Elham Vahdat forscht dem menschlichen Sein mit allen Höhen und Tiefen nach.

Nun ihre beindruckende Ausstellung „Sein.“ in den Räumen von kunstwerden. Zur Eröffnung spricht die Politologin, Sprachwissenschaftlerin und Medienfachjournalistin Gabrielle Schultz. Sie entdeckt in dem vielfältigen Werk, welches Elham Vahdat hier dem Publikum offenlegt, eine Erkenntnis irdischen Seins: „Ohne Schwarz kann das Weiß nicht sein und umgekehrt.“

Auf das Wesentliche reduziert

Die Werdener Künstlerin aus dem fernen Persien hat hier ein „Heimspiel“. Gefüllt der Saal, gespannt die Menschen. Hier präsentiert sich ein Multitalent, welches mit Objekten und Skulpturen aus Keramik, aber auch mit Webdesign, Fotografie, Fotomontagen und Illustrationen Seelen- und Gefühlsleben erforscht. Nach einem Kunststudium mit dem Schwerpunkt Keramik an der Universität Alzahra in Teheran absolvierte sie in Deutschland noch eine Ausbildung zur Mediengestalterin. Gabrielle Schultz enthüllt ein Detail am Rande: „Elham ist auch eine ganz wunderbare Ofenbauerin. Ein sehr traditionelles Handwerk, in dem ihr dennoch Raum für freie Gestaltung bleibt.“
Ihre Skulpturen seien mit konsequenter Formensprache auf das Wesentliche reduziert. Im Gegensatz zu ihren Fotomontagen, in denen sich der Blick verlieren dürfe, werde er bei den Skulpturen gezielt auf den Kern menschlichen Seins gelenkt. Emotionen machen den Menschen aus, daher arbeitet die Künstlerin daran, diesen Gefühlen eine Ausdrucksform zu verleihen. Zuerst war da eine Rohform, von Vahdat als „Urknall“ bezeichnet. Er findet sich an exponierter Stelle in der berühmten „Nische“ des kunstwerden-Raumes. Erste Schritte waren eine Edition kleinerer Objekte, die zu den nun größeren Skulpturen führten, die mittig im Saal und behutsam ausgeleuchtet im wahren Sinn des Wortes „im Fokus“ stehen. Licht und Schatten, starke Kontraste, man muss die Skulpturen immer wieder umkreisen, sich auf ihre Wirkung einlassen.

Anfassen erlaubt

Für die Künstlerin sind Gefühle eng an Erinnerungen gebunden, das fließt auch in den Arbeitsprozess ein. Elham Vahdat lässt dann ihren Emotionen freien Lauf, kanalisiert sie und formt mit den Händen diese an- und berührenden Figuren. Apropos, ein Anfassen der Objekte ist hier ausnahmsweise erlaubt, sogar ausdrücklich erwünscht. Die weißen Figurinen aus Steingut sind mit Krakelee-Effekt glasiert. Ihre dunklen Pendants sind engobiert, weisen anders als bei Glasuren also eine matte, erdig-poröse Struktur auf. Leichtigkeit und Schwere des Seins, künstlerisch vereint in einer beeindruckenden Installation. Vorsichtig tasten die Finger über die Oberfläche. Gabrielle Schultz strahlt: „Wenn sie das Gefühl haben, dass sie diese Skulpturen nicht mehr loslassen können, gibt es durchaus eine Möglichkeit. Sie können sie käuflich erwerben. Ein Teil des Erlöses kommt der ehrenamtlichen Arbeit des Vereins kunstwerden zugute.“

Ausstellung bis zum 5. November

Eine vielsagende Quintessenz ihrer Fragestellungen ist ein selbstgeschnittener Film, aufgebaut mit berückender Mehrdimensionalität. Ganz im Hintergrund die Fassade des alten Budapester Bahnhofs, darüber als zweite Ebene gelegt eine nackte Frau in verschiedenen Ansichten. Als vorderste Ebene wählte die Künstlerin das bewegte Bild eines Frauengesichts. Es spiegelt stetig wechselnde emotionale Zustände wider. Unterlegt ist der Film mit Klängen von Sounddesigner Lukas Ernst.
Die Ausstellung „Sein“ von Elham Vahdat ist zu erleben in den Räumen von kunstwerden an der Ruhrtalstraße 19, die Öffnungszeiten sind am Freitag von 20 bis 24 Uhr sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr. Die Werkschau endet am Sonntag, 5. November.
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