Kultige Kunst-Katakomben

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Arbeitseinsatz, um die Tür zu einer kleinen Terrasse einbauen zu können. Foto: kunstwerden
 
Der karge Raum bietet die ideale Fläche für Kunst aller Art. Foto: kunstwerden

Der Verein „kunstwerden“ feiert sein zehnjähriges Bestehen

Die imposante Theke hat so einiges zu bieten, stammt übrigens aus dem Bühnenbild für ein Tanztheaterstück. Frank Roeloff Brügma ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „kunstwerden“. Er nippt am Kaffee und stellt klar: „Nein, wir sind keine Gaststätte.“

Aber eine Location, die zugleich herrlich aus der Zeit fällt und doch mit spannenden Projekten topaktuell, fast schon „hip“ sein kann. Im TOR 2 an der Ruhrtalstraße 19 sollte etwas entstehen: „So mit Kultur.“ Ein kleines Theater? Ein Jazzclub? Es wurde ein Kunstverein, dem Initiator Udo Karkuschke und seinen Mitstreitern sei Dank.

Ran an die Schüppe!

Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte am 3. August 2006, kunstwerden fand sich zunächst im Erdgeschoss, dann folgte die „Neuorientierung“. Brügma erinnert sich: „Mit neuem Vorstand wollten wir kunstwerden 2.0 aufziehen, hatten dafür aber zunächst keine Räume. Ein Jahr lang sind wir herumvagabundiert. Wir wollten aber unbedingt diese wunderschöne Gemeinschaft erhalten. Im Januar 2011 durften wir leihweise die Räume im Keller nutzen. Das wurde dann unsere neue Heimat.“ Es gab viel zu tun, doch die Nachbarn halfen aus mit Werkzeug, Rat und Tat. Unvergessen der Arbeitseinsatz, als ein Fenster aufgebrochen wurde, um die Tür zu einer kleinen Terrasse einbauen zu können. Gemeinsames Tun schweißt zusammen. Das kann bei kunstwerden eben auch bedeuten: Ärmel aufkrempeln, in die Hände spucken, ran an die Schüppe! Der Keller ist ein Glücksfall: Der karge Raum bietet die ideale Fläche für Kunst aller Art. Der Kunstbeirat wählt aus, setzt auf Qualität, aber auch auf Abwechslung. Ausstellungen, Performances, Aktionen, Happenings. Folkwang-Studenten, junge unbekannte Künstler, aber auch ihre etablierten Kollegen, sogar international bekannte. Allen möchte kunstwerden Plattform sein, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Fünf bis sechs Ausstellungen im Jahr: Bildhauerei, Graffiti-Kunst, Metallarbeiten, Lichtobjekte, Film, Malerei, die Aufzählung kann immer nur unvollständig sein.

Schräge Töne, schräge Menschen

Eine unschlagbare Bandbreite ist auch auf der kunstwerden.bühne das Zauberwort. Das wird mitunter gnadenlos ausgereizt: Für eine Soirée mit der Chansonsängerin Morin Smolé wurde in die Fabrikräume das flirrende Flair der 30er Jahre gezaubert. Im Publikum die Damen und Herren elegant im damaligen Stil gekleidet, die Kleider rauschten, stilecht Knickerbocker und Schirmmütze. Dann als herber Kontrast ein Abend in Tradition von Dada und Fluxus. Schräge Töne, schräge Menschen, höchst befremdlich. Das hat nicht jedem gefallen. Da muss man sich drauf einlassen. David Kumpernas sitzt im Bühnenbeirat: „Ist doch klasse!“ Seit August 2013 gab es 32 verschiedene Programme. Da war nun aber auch alles dabei. Die kunstwerden.bühne wird monatlich bespielt. Konzerte, Theater, Performance. Vielleicht bald Poetry Slam? Bis Anfang 2018 sind alle Termine verplant.
Bei allem höchst professionellen Auftreten, bei allem Engagement: Hier arbeiten alle ehrenamtlich. Dabei ist beileibe nicht jedes Vereinsmitglied auch beruflich der Kunst verbunden. Knapp einhundert Mitglieder, Förderer und Freunde zählt Brügma. Gemütlich und familiär geht es zu im Verein, bei den Freitagabendtreffs können Kontakte, Freundschaften geknüpft und gepflegt werden. Diese gemeinsamen schönen Abende wären ohne kulinarische Genüsse undenkbar. Der warme Leberkäs ist Kult. Dazu ein Bierchen, oder lieber etwas anders?

Jubiläumsfeier

Am Samstag, 20. Mai, wird das Jubiläum gefeiert. Auch diesmal gibt es etwas gegen die trockene Kehle und das Hüngerchen zwischendurch. Zum Zehnten wird eine neue Ausstellung eröffnet, um 16 Uhr wird es einen Performance-Act von Mariko Saito zur Vernissage von „Fragmente / Mutationen“ geben. Jo Magrean zeigt außergewöhnliche Fotoarbeiten und Saito präsentiert ihre surreal anmutenden, zeichnerisch und collageartig angelegten Arbeiten. Auch präsentiert kunstwerden.bühne gleich mehrere Acts. Etwa um 18 Uhr betritt Singer und Songwriter Clemens Moldenhauer die Bühne. Unter seinem Künstlernamen Quark hat er neben einer Reihe eigener Songs auch „geliebte Klassiker“ im Gepäck, die man einfach immer wieder gern hört. Für 20 Uhr hat sich die Popband „Die Planeten“ angesagt. Frank Brügma schwärmt von dieser Essener Combo: „Das ist Neue Deutsche Welle. Nur dreißig Jahre zu spät!“ Mit deutschen Texten über das Leben und andere Dimensionen gehen die fünf von schwerelos bis kometenschnell auf ihre ganz eigene Umlaufbahn um den Planet Pop und versprechen eine Begegnung der besonderen Art, die einfach richtig Spaß macht. Danach ist Party mit DJ Marque Beutel, der als DJ alter Schule sein „Handwerk“ versteht. Von Soul, Funk bis Pop, Rock legt er abseits allzu kommerzieller Tanzmusik auf. Das Ende ist offen…
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